Hellmut Krug : "So einen Elfmeter gibt man eher nicht"

Schiedsrichter Hellmut Krug spricht über die drei Elfmeter beim Spiel Paraguay gegen Spanien.

Hellmut Krug
Hellmut KrugFoto: dpa

Tagesspiegel: Herr Krug, im Viertelfinale Spanien gegen Paraguay gab es drei Elfmeter in zwei Minuten – haben Sie das schon einmal erlebt?

HELLMUT KRUG: Das ist sicherlich ungewöhnlich, weil der zweite Strafstoß im direkten Gegenzug gegeben wurde. Aber das ist für einen Schiedsrichter nicht maßgeblich.

Tagesspiegel: Waren es denn berechtigte Elfmeter?

HELLMUT KRUG: Der erste ist unstrittig, das war ein fortgesetztes Halten. Der zweite Strafstoß ist, die Fernsehbilder zugrunde gelegt, schon diskutabel. Ob der kurze Griff des Abwehrspielers zur Schulter des Angreifers tatsächlich für dessen Fall ausreichte oder ob der Angreifer selbst einen Beitrag dazu geleistet hat, ist schwer zu sagen. Nach den TV-Bildern zu urteilen ist das sicherlich ein Elfmeter, den ein Schiedsrichter eher nicht gibt.

Tagesspiegel: War es anschließend richtig, den zweiten Elfmeter zu wiederholen, weil die spanischen Spieler zu früh reingelaufen sind?

HELLMUT KRUG: Ich bin eher der Überzeugung, dass dieser Elfmeter wiederholt werden musste, weil der Schiedsrichter ihn nicht angepfiffen hat. Achten Sie auf die Körpersprache des Schiedsrichters. Er rennt sofort nach dem Schuss mit hocherhobenen Armen zum Strafstoßpunkt und zeigt auf seine Pfeife. Das deutet darauf hin, dass er sagen will: Du musst warten, bis ich den Strafstoß angepfiffen habe.

Tagesspiegel: Wegen Hineinlaufens hätte man den ersten wiederholen lassen können ...

HELLMUT KRUG: ... eben, den ersten hätte man deswegen wiederholen lassen können. Dort war das Hereinlaufen viel deutlicher. Daher wäre es unlogisch, wenn er den zweiten aus diesem Grunde hätte wiederholen lassen. Dort war das Hineinlaufen in einem Bereich, den wir als tolerabel bezeichnen.

Tagesspiegel: Eigentlich hätte es vier Elfmeter in zwei Minuten geben müssen, weil Paraguays Torwart nach seinem parierten Strafstoß Fabregas von den Beinen holt.

HELLMUT KRUG: Ich bin sicher, dass Schiedsrichter Batres dieses Foul nicht genau gesehen hat. Da haben ihm einige Spieler den Blick verstellt. Für Schiedsrichter ist ohnehin immer schwer auszumachen, ob der herausstürzende Torwart den Ball noch erreicht oder lediglich den Spieler zu Fall bringt.

Tagesspiegel: Müssten die Referee-Leistungen nach der Vorrunde nicht besser werden?

HELLMUT KRUG: Bei den Weltmeisterschaften vergangener Jahre war es so, dass zum Ende der Vorrunde die Schiedsrichter in der Kritik standen. Grund ist in erster Linie, dass nicht alle Schiedsrichter den Anspruch erfüllen, den wir bei einer WM an sie stellen. Eigentlich sollten die weltbesten dort sein, doch wenn man Schiedsrichter aus der ganzen Welt einsetzen will, wird man diesem Anspruch nicht durchgängig gerecht. Es werden auch Schiedsrichter aus Nationen berufen, in denen der Fußball keinen so großen Stellenwert einnimmt. In Deutschland stehen die Schiedsrichter vor bis zu 80 000 Zuschauern Woche für Woche auf dem Prüfstand. Da ist schwer zu verstehen, warum wir mit nur einem Schiedsrichter vertreten sind. Immerhin bleiben nach der Vorrunde die besten Schiedsrichter übrig.

Tagesspiegel: Müssen wir ab dem Halbfinale nicht mehr über die Schiedsrichter diskutieren?

Das wollen wir hoffen. Aber auch ein guter Schiedsrichter kann Fehler machen.

Zur Person

Hellmut Krug leitete 240 Bundesligaspiele und ist Mitglied der DFB-Schiedsrichterkommission.

Das Gespräch mit ihm führte Benedikt Voigt.

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