Sport : Henning Harnisch und ein Teil der Popkultur (Interview)

Warum kommt Basketball in Deutschland nicht so ric

Henning Harnisch (32) war neben NBA-Profi Detlef Schrempf bekanntester deutscher Basketballer der vergangenen Jahre. Er wurde sieben Mal mit Bayer Leverkusen und zwei Mal mit Alba Berlin Deutscher Meister. 1998 beendete er seine Karriere und studiert seitdem Film- und Kulturwissenschaften in Berlin.

Warum kommt Basketball in Deutschland nicht so richtig auf die Beine?

Wie kommen Sie denn darauf?

Vergleichen Sie doch mal die heutige Situation mit der vor zehn oder 15 Jahren. Heute ist Basketball auch ein Teil der Popkultur. Ich war 1984 ein Jahr auf der High School in den USA. Da habe ich viele Dinge vorgefunden, die ich mir im Basketball erträumt hatte. Einiges davon hat sich inzwischen auch in Deutschland erfüllt.

Was denn?

Jetzt kann man auch hier auf der Straße Basketball spielen, Freiplätze sind etwas Normales geworden. An Häusern kleben viel mehr Körbe. Und ich kann abends in die Kneipe gehen und mich mit Leuten über Basketball unterhalten. Umfragen bei Jugendlichen deuten in dieselbe Richtung. Basketball ist hier populär geworden.

Das ist der Vergleich mit den achtziger Jahren. Aber mit dem nächsten Schritt, der Öffnung hin zu einem Publikumssport tut sich Basketball schwer.

Die Frage ist für mich: Tut ein riesengroßer Schritt dem Basketball gut? In großen Hallen kann auch viel an Identität verloren gehen.

Es gibt in anderen Sportarten wie Eishockey oder Handball diese Entwicklung schon länger, in Großstädte und Arenen zu ziehen.

Die Schere zwischen Alba Berlin und, sagen wir, dem TV Lich ist sicher zu groß. Hallen mit Kapazitäten von 3000 bis 5000 Zuschauern sind sinnvoll. Das Projekt der Frankfurt Skyliners finde ich aber heikel. Da ist eine ganze Mannschaft einfach in eine Großstadt gezogen, in der sie keine Identität hat. Ich bin skeptisch, ob das der richtige Weg ist.

Sie erwähnten vorhin ermutigende Umfragen. Da gibt es auch eine, die besagt, dass 70 Prozent der Altersgruppe zwischen 14 und 29 Basketball als ihre Lieblingssportart im Fernsehen bezeichnen. Die meinen allerdings in erster Linie die NBA.

Das ist schon kurios. Basketball-Fans sind Fans von etwas, das sie kaum aktiv erfahren können. Fußball hat man als Kind zuerst im Radio gehört, dann kam Fernsehen, Gespräche mit Freunden, irgendwann ein Stadionbesuch. Aber vom Basketball gibt es nur Minimalquellen.

Da werden also Jugendliche zu Fans einer Sportart, die mit dem normalen Alltagsleben wenig zu tun hat.

Ja, teilweise reichen schon Fotos von den Stars. Wie soll sich eine Sportart entwickeln, wenn sie nie auf dem Fernsehschirm zu sehen ist? Was ich interessant finde: Da gibt es sicher die Konfrontation mit Bravo-Sport, maximal ein paar Minuten abends im DSF. Sonst nichts. Da ist es schon ein Phänomen, wie Werbung und Sponsoren es erreicht haben, dass Jugendliche sich auf etwas stürzen, was vorher nur virtuell vorhanden war.

Es gibt eine starke Streetball-Bewegung in Deutschland. Warum gelingt den Vereinen nicht die Integration dieser vielen Jugendlichen?

Vereine sind heute bei Jugendlichen nicht mehr so populär. Heute trifft man sich eben lieber im Fitness-Zentrum. Auf der anderen Seite gibt es auch immer weniger Leute, die bereit sind, in ihrer Freizeit etwas für Jugendarbeit zu tun. Streetball draußen ist für viele attraktiver als die miefigen Turnhallen.

Wie kann Basketball davon profitieren?

Die Hoffnung ist eher, dass manchen von denen, die Basketball wild betreiben, das irgendwann nicht mehr reicht und sie dann in Vereine gehen. Ich finde aber, wir sind in Deutschland in den letzten 15 Jahren von der Monokultur Fußball, ein bisschen Eishockey und ein bisschen Handball weggekommen. Die Jugendlichen kennen schon die Sportart, die ich so liebe. Es gibt jetzt schon ein Gefühl dafür. Das ist für mich ein schöner Schritt. Das Interview führte Dietmar Wenck

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