Herbstmeister in der Krise : Hoffenheim: Nochmal von vorn

Nach dem Absturz sucht Herbstmeister TSG 1899 Hoffenheim nach seinem Konzept und einem Weg in die Zukunft.

Oliver Trust[Karlsruhe]
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Wieder muss einer gehen. Beim 2:2 in Karlsruhe sah Luiz Gustavo (3. von links) Gelb-Rot und vergrößerte Hoffenheims...

Karlsruhe - Ralf Rangnick und Jan Schindelmeiser wirkten wie Wahlkämpfer, die die Fünf-Prozent-Hürde fürchten. Der Trainer und der Manager der TSG Hoffenheim versuchten am Tag des 2:2 im Derby beim Karlsruher SC, ihre Mannschaft als Lehrling zu positionieren. Monatelang hatte der Herbstmeister mit packendem Angriffsfußball alles in Grund und Boden gespielt, nun kränkelt das Projekt seit Wochen in seinem Innern, und jetzt geht es um einen geordneten Neustart. Dazu muss Hoffenheim jetzt wieder klein wirken, so als wäre die jetzige Situation völlig normal. Immerhin ist der Verein ja Aufsteiger.

„Wir haben keine Krisensituation“, sagte Rangnick; dabei war mit Luiz Gustavo gerade schon wieder einer seiner Spieler mit Gelb-Rot vom Platz geflogen. „Das war zweimal ein gelbwürdiges Foul“, wiegelte Rangnick ab, der sich wie ein fürsorglicher Vater schützend vor seine Spieler stellte. Von einem Disziplinproblem wollte Rangnick nichts wissen. Die Platzverweise von Daniel Haas, Carlos Eduardo, die Sperren von Luiz Gustavo und der mannschaftsinterne Zwist wegen der Star-Allüren zu Nationalspielern aufgestiegener Profis wie Tobias Weis sagen etwas anderes aus.

In Hoffenheim sind sie mit den Problemen konfrontiert, die so oft mit einem steilen Aufstieg kommen. Und diese Probleme drohen in die kommende Saison auszustrahlen. Zumindest im nächsten Jahr benötigt der Verein einen Platz in einem internationalen Wettbewerb. Der gehört zum Konzept, Ausnahmetalente zu locken und die eigenen zu halten. Doch vorerst sind solche Pläne gestrichen. „ Ambitionen auf einen internationalen Platz müssen wir beerdigen“, sagte Rangnick.

Denn in einem packenden Spiel hatte Hoffenheim alle Mühe, eine Niederlage gegen den Tabellenletzten zu verhindern. Die Führung durch Sejad Salihovic brachte keine Ruhe; es folgte das 1:1 durch Sebastian Freis, das erste Tor des KSC nach 753 Minuten. Nach Selim Tebers 2:1 fiel nicht das 3:1, sondern der Ausgleich durch Giovanni Federico. „Vor zwei Jahren haben wir noch gegen den KSC II gespielt, 0:1 verloren und mussten um den Aufstieg in die Zweite Liga bangen“, sagte Rangnick. Aber das ist lange her, seitdem ist in Hoffenheim viel passiert. In jeder Hinsicht. Oliver Trust

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