Sport : Herr Klopp und die Koteletts

Stefan Hermanns

Es ist aus der Ferne schwer zu beurteilen, welche Fehler Jürgen Klopp gemacht hat, dass seine Mannschaft, der FSV Mainz 05, in der Bundesliga auf dem vorletzten Tabellenplatz steht. Es ist fraglich, ob er überhaupt Fehler gemacht hat oder ob der Verein, der Kader, die Mannschaft einfach nicht mehr hergeben als den vorletzten Tabellenplatz. An Klopp kann es eigentlich nicht liegen; er ist schließlich seit dem vergangenen Sommer der anerkannteste Fußballexperte des Landes.

Aber vielleicht ist genau das sein größter Fehler gewesen.

Im gleichen Maße, in dem Klopp als Experte im ZDF zum Liebling aller fußballfernen Milieus (Frauen unter 50 und Frauen über 50) aufstieg, büßte er im Fußball-Establishment an Ansehen ein. Darf der Trainer eines nachweislich mittelmäßigen Bundesligisten der brasilianischen Nationalmannschaft öffentlich taktische und andere Fehler vorhalten? Also, bitte! So etwas gehört sich doch nicht. Der Absturz der Mainzer wäre demnach nichts anderes als die gerechte Strafe für den Hochmut ihres Trainers.

Mit Verlaub: Das ist einfach Blödsinn. Man muss auch kein Schwein gewesen sein, um zu wissen, wie ein Kotelett schmecken sollte. Wieso sind wir also nicht einfach froh, dass wir von Klopp noch etwas lernen können? Dass uns jemand sachlich und fachlich in die Geheimnisse des modernen Fußballs einführt? Uns auf Dinge hinweist, die im Fernsehen spätestens bei der ersten Zeitlupe schon nicht mehr gezeigt werden? Weil solche Bedürfnisse beim Publikum in Deutschland traditionell nicht bedient werden und daher längst verkümmert sind.

Hans Meyer hat einmal gesagt, dass die Fans in Deutschland fußballblöd gehalten würden. Das ist nur schwer zu widerlegen. Taktik? Viel zu kompliziert! Der Fan verlangt nun mal nach einfachen Wahrheiten: Wer verliert, hat keinen Charakter. Wer zweimal verliert – hat den falschen Trainer.

schreibt an dieser Stelle im Wechsel mit Philipp Köster.

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