Sport : Herr Präsident, Sie nerven!

Marcel Reif

Die EM kommentiert von

Die Tschechen haben nach einer Halbzeit Nachlässigkeit, sich kurz individuell gezeigt, dabei ebenso kurz demonstriert, wie dieses Spiel geht – mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Derweil zu Hause in Deutschland ein ganz anderes fußballerisches Thema tobt. Herrgott, und was gibt es zu dem zu sagen? Eigentlich auch nur einen Satz: „Herr Präsident, Sie nerven!“

Wäre die Faktenlage um Rudi Völlers personelle Nachfolge weniger eindeutig, könnte man ja eventuell noch ein Gründlein finden, warum Gerhard Mayer-Vorfelder sich ziert und wendet, Ottmar Hitzfeld zu bestellen. Aber so? Kandidat Daum – wie will der Präses den durchsetzen? Gegen den Willen des FC Bayern München, gegen den Willen der Liga, da braucht es dessen Leumund gar nicht, um seine Inthronisation zu verhindern. Kandidat Matthäus – wie will er den stützen? Dessen Zeit als Polarisierer in der Nationalmannschaft ist noch nicht lange genug vorbei, der wird vielleicht mal ein guter Trainer, wenn er endlich den leicht unseriösen Touch abgelegt hat, für jedes Angebot offen zu sein. Und Kandidat Rehhagel, der aus einer anderen Zeit herüberfunkt und wunderbar aufgehoben ist bei den Griechen? Ach, das gönnt man ihm doch noch lange.

Was also treibt den Präsidenten, um Ottmar Hitzfeld herumzueiern? Ist der DFB wirklich im Moment ein solches Imperium, dass sich sein Chef als Sonnenkönig gerieren kann? Denn darum scheint es doch zu gehen, dass Mayer-Vorfelder die Muskeln spielen lassen will gegen die mehr oder weniger Weisen des Fußballs und gegen die Vernunft. Es ist aber nicht die Zeit für Nervensägen. Könnte nämlich noch geschehen, dass Hitzfeld viel zu souverän ist, sich auf Spielchen einzulassen. Dann würde zwar auch der Präses dumm aus der Wäsche schauen, aber leider nicht nur er. Sondern der ganze deutsche Fußball.

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