Sport : Herrgott, Seliger

Simples Eishockey und ein überragender Torwart haben der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft die Tür zur Endrunde des olympischen Turniers geöffnet. "Wenn jemand so kämpft und sich so aufopfert, hat er das Zeug zum Meister. Unser Teamgeist versetzt Berge", sagte Bundestrainer Hans Zach nach dem Traumstart in Salt Lake City. Beim verheißungsvollen 3:0 (0:0, 2:0, 1:0)-Sieg gegen die selbst mit sechs NHL-Spielern chancenlosen Slowaken versetzte Torwart Marc Seliger mit fantastischen Paraden die amerikanischen Zuschauer in Ekstase und gewann einen prominenten Fan. "Er hat gehalten wie ein junger Herrgott", sagte Innenminister Otto Schily.

Unmittelbar nach dem unerwarteten Sieg der Deutschen startete Gruppengegner Lettland erfolgreich in das Turnier. Die Balten setzten sich bei ihrem ersten Olympia-Start seit 1936 mit 4:2 (2:1, 2:1, 0:0) gegen Österreich durch.

Salt Lake City 2002 Newsticker: Aktuelle Nachrichten von den XIX. Winterspielen sowie weitere Sportmeldungen Schily war einer der ersten, der den deutschen Spielern nach dem hochverdienten Erfolg gratulierte. Die Skispringer Sven Hannawald und Martin Schmitt auf der Tribüne waren hellauf begeistert von Zachs Taktik. "Das war simples Eishockey. Stabil in der Abwehr, laufstark, keine dummen Fehler", sagte Zach. Das gelungene Olympia-Debüt als Trainer konnte er kaum genießen. Dabei bereitete ihm weniger das zweite Gruppenspiel am Sonntag gegen die Österreicher Sorgen als der vorzeitige Olympia-K. o. von Jörg Mayr. "Es ist unglaublich schade. Aber es verkörpert den Geist in der Mannschaft, wie er sich geopfert hat", sagte Zach.

Im zweiten Drittel wurde der Kölner Verteidiger nach einem Schlagschuss von Miroslav Satan so unglücklich vom Puck getroffen, dass sich der 32-Jährige den Kiefer brach. Mayr wurde nach dem Spiel im Krankenhaus vier Stunden operiert. "Gegen Österreich will er aber wieder bei der Mannschaft sein", sagte Sportdirektor Franz Reindl vom Deutschen Eishockey-Bund (DEB). Für Reindl hatte Mayrs heldenhafter Einsatz Symbolcharakter: "Kopf voraus in den Schuss. Das kennzeichnet den Charakter der ganzen Mannschaft." Ersatz für Mayr kann erst geholt werden, wenn das DEB-Team die Endrunde erreicht.

Gar nicht erst anreisen wird Olaf Kölzig. Im Punktspiel der nordamerikanischen Profiliga NHL am Freitag gegen die Nashville Predators zog sich der Keeper der Washington Capitals eine Kreuzbandverletzung im linken Knie zu. "Ich werde definitiv nicht dabei sein", erklärte Kölzig. Mit Seliger hat Zach derzeit aber einen mehr als nur gleichwertigen Vertreter. "Das war NHL-reif", sagte NHL-Profi Marco Sturm. Der übernächtigte Stürmer der San Jose Sharks fiel bei seinem Kurz-Gastspiel kaum auf, hofft aber auf eine Rückkehr zur Finalrunde.

Dank der Tore von Kapitän Jürgen Rumrich, Jan Benda und Klaus Kathan und der Klasse von Seliger, der alle 29 Schüsse der Slowaken bravourös parierte, stehen die Aktien der als krasser Außenseiter gestarteten DEB-Auswahl bestens. Dass man gegen die großen Teams gewinnen könne, habe man bewiesen, stellte der Nürnberger mit einem Seitenhieb auf seinen NHL-Konkurrenten fest. "Wir hatten Respekt, aber keine Angst, und haben als Mannschaft und nicht als Einzelkönner gespielt", sagte der 27-jährige Olympia-Neuling nach seinem 45. Länderspiel. "Das war mit Sicherheit einer der schönsten Momente für den DEB und vielleicht mein bestes Spiel", sagte Seliger. Widersprechen mochte ihm niemand.

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