Sport : Hertha - 1860 München: Schlau gemacht

Michael Rosentritt

Der Blick sagte alles. Jürgen Röber zog sich die Falten aus dem himmelblauen Oberhemd und lehnte sich mit halb geschlossenen Augen in die Lehne. "Wir haben zehn Tage lang Kritik um die Ohren bekommen, das war die richtige Antwort", sagte der Trainer von Hertha BSC nach dem 3:0-Sieg gegen den TSV München 1860. Röber hätte aber auch sagen können: So, ihr schlauen Leute, die ihr sonst kein taktisches Konzept gesehen haben wollt, jetzt werdet auch ihr eins gesehen haben! Röber sagte das natürlich nicht. Selbst auf Nachfrage ließ er sich nicht ein auf die Diskussion, die Rupert Scholz, der Aufsichtsratsvorsitzende des Vereins, vor zwei Wochen angezettelt hatte. Der ehemalige Verteidigungsminister hatte Röber nach der Niederlage in Cottbus taktische Konzeptionslosigkeit vorgeworfen (siehe grauen Kasten). "Etwas Feuer unterm Dach ist schon okay", sagte Röber nun, "aber wenn man eingreift, muss man sich überlegen, wie man was sagt."

Zum Thema Online Spezial: Hertha BSC In der Zwischenzeit waren zwei Spiele der deutschen Nationalmannschaft über die Bühne gegangen, die maßgeblich vom Dazutun zweier Berliner geprägt worden waren: Sebastian Deisler und Marko Rehmer. Deisler bastelte erfolgreich an seinem Ruf als Hoffnungsträger des deutschen Fußballs, und Rehmer legte gegen die Griechen eines seiner besten Länderspiele hin, mit Tor und Torvorlage. "Die beiden Spieler erhöhen ganz klar unsere spielerische Qualität", sagte Röber. Gegen die Münchner hatte Röber den neuen deutschen Spielmacher auch in dessen Heimatverein in die Zentrale und Rehmer weiter vorn auf die rechte Außenbahn gezogen. "Im Großen und Ganzen ist das taktische Konzept aufgegangen", sagte Röber und war damit "gleich beim nächsten Schlauen". Gemeint war Hannes Löhr, der Trainer der deutschen Auswahl der Unter 21-Jährigen. Der hatte es neulich als Verbrechen bezeichnet, einen wie Deisler auf der rechten Außenbahn versauern zu lassen. "Wenn ich das schon höre", sagte Röber und machte eine typische Handbewegung. "Der Hannes hat doch noch nie eine Vereinsmannschaft trainiert."

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Tipp-Spiel Röber gibt vor, nicht erst die Eindrücke der beiden vergangenen Länderspiele benötigt zu haben. "Bei Deisler hat man trotz des dritten Spiels in Folge erneut gesehen, was er für Fähigkeiten besitzt. Aber das ist für uns nichts Neues. Wir sind in der Planung, um Leute zu holen, damit er in der Mitte spielen kann." Das kann der Herr Löhr natürlich nicht wissen.

"Jeder hat doch gespürt, dass bestimmte Spieler wieder im Team sind. Ein Deisler oder ein Rehmer haben ein größeres Verständnis für taktische Feinheiten." Und überhaupt - alles andere sei ein ganz persönliches Problem des Herrn Scholz. "Das interessiert mich nicht mehr", sagt Röber. "Ich habe meinen Standpunkt in den letzten fünf Jahren immer in Ruhe erklärt. Wenn das dem einen oder anderen nicht gefällt, können sie ja daran etwas ändern."

Hertha liegt plötzlich wieder aussichtsreich im Rennen. Aber, sagte Röber, "wir kennen doch unser Programm." Am kommenden Sonnabend geht es nach Bremen, es folgen die Begegnungen gegen Dortmund, Schalke, Frankfurt, Freiburg, Leverkusen und Kaiserslautern. Weshalb Manager Dieter Hoeneß vorsichtshalber in die Runde streute: "Jeder, der nun erwartet, dass wir jetzt vorneweg marschieren, hat nicht den richtigen Blick."

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