Sport : Hertha Airlines

Berlins Bundesligist bucht Flug um Flug – doch Marcelinho steigt nicht ein

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Vor der Saison 2001/2002 war es, als Neuzugang Marcelinho zum ersten Mal in Berlin erwartet wurde. Zuvor hatte der inzwischen 31-Jährige für Gremio Porto Alegre gespielt, in Deutschland war der Fußballprofi noch weitestgehend unbekannt. Marcelinho verspätete sich damals, zwar nur um einen Tag und laut offizieller Sprachregelung von Hertha aus „flugtechnischen Gründen“, aber er verspätete sich. Mittlerweile ist Marcelinho in Deutschland bekannt. Einerseits für seine überragenden Leistungen auf dem Feld, andererseits für seine Unpünktlichkeit und andere Eskapaden. Bereits zum vierten Mal in Folge hat Marcelinho den Trainingsstart in diesem Sommer verpasst.

Dieses Mal wird Marcelinhos Verfehlung wohl drastischere Auswirkungen haben als in den Jahren zuvor. Weil Marcelinho nicht mehr einen oder zwei Tage versäumt hat, sondern schon fünf. Selbst wenn er heute Vormittag landen würde. Weil Herthas Trainer Falko Götz sich mit Marcelinho zusammengesetzt hatte, um ihn darauf einzuschwören, dass er in diesem Jahr pünktlich ist. Und weil er in der abgelaufenen Saison nicht mehr so dominant aufspielte. Zwar schaffte er es noch auf den dritten Platz der Bundesliga-Scorerliste (Tore und Vorlagen zusammengerechnet), aber als Spielmacher wurde er von Yildiray Bastürk abgelöst. Hertha ist nicht mehr so abhängig von Marcelinho wie in der Vergangenheit.

„Ich plane ohne ihn, meine Jungs sind bereit, ohne ihn auszukommen“, sagte Götz. Eine Trennung deutet sich an, Marcelinhos Bleiben ist allerdings noch nicht ausgeschlossen. Hertha will noch warten, bis Marcelinho in Berlin angekommen ist, um die Zukunft zu besprechen. Nur ist die Frage, ob Marcelinho überhaupt noch kommt. Hertha hat seit Montag täglich Flüge für ihn und eine Begleitperson gebucht – er ließ alle verstreichen.

Zudem wurde bekannt, dass Marcelinho während seines Urlaubs Kontakt zum brasilianischen Erstligisten Palmeiras aus Sao Paulo hatte, obwohl er in Berlin noch einen Vertrag bis 2007 besitzt. Laut den Regeln des Fußball-Weltverbandes Fifa ist das nicht erlaubt. „Wir haben Palmeiras und die Fifa davon unterrichtet, dass dieses Verhalten nicht legal ist“, sagte Herthas Manager Dieter Hoeneß. Palmeiras hat Marcelinho offenbar durcheinander gebracht. Hertha will seinen Star inzwischen zwar verkaufen, aber Palmeiras ist wohl nicht in der Lage, eine angemessene Ablösesumme für ihn zu zahlen. Gestern wollte Hoeneß nichts mehr zu dem Thema sagen. In den vergangenen Tagen hatte er sich bereits mehrfach geäußert: „Es ist unverständlich, dass Marcello die Interessen des Klubs mit den Füßen tritt.“

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