Sport : Hertha auf Abschiedstour in Nou Camp - ohne Deisler, Daei und Veit

Es sollte ein Höhepunkt der Vereinsgeschichte werden, doch im Hinspiel verdarb Hertha BSC der Nebel den Spaß. Nun dominiert vor dem Champions-League-Auftritt beim FC Barcelona die Abschiedsstimmung. Erst zog sich am Sonntag der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende Robert Schwan aus den Klub zurück, dann löste der norwegische Hertha-Mannschaftskapitän Kjetil Rekdal am Montag seinen Vertrag. Und seinen Kollegen droht am Mittwoch (20.45 Uhr/live bei TM3) beim Spanischen Fußball-Meister auch rechnerisch das bereits so gut wie feststehende Aus in der Champions League.

Selbst ein Sieg im Estadio Camp Nou würde dem Schlusslicht der Zwischenrundengruppe A nur helfen, wenn der FC Porto gleichzeitig sein Spiel gegen Sparta Prag nicht gewinnt. Am nächsten Mittwoch müsste Hertha BSC dann selbst den portugiesischen Champion schlagen und gleichzeitig auf einen Ausrutscher von Sparta gegen Barcelona hoffen.

Zuviel also der Theorie, doch eine deftige Niederlage will der Tabellensiebte der Bundesliga schon aus Imagegründen vermeiden. "Wir können uns vernünftig verabschieden oder sogar für eine große Überraschung sorgen, denn Barcelona ist so gut wie durch", sagt Nationalspieler Dariusz Wosz. Für das Starensemble aus Katalonien geht es nur noch um den Gruppensieg und damit eine günstige Ausgangsposition für das schon erreichte Viertelfinale.

Auf Grund dieser Ausgangspositionen genießt die nationale Meisterschaft für beide Teams Vorrang. "Auf jeden Fall" sei das wichtigere Spiel die Partie am Sonnabend gegen Bayern München, meint Hertha-Trainer Jürgen Röber. Wie beim 0:1 in Prag fehlt deshalb in Barcelona Sebastian Deisler. Nach seiner Gelbsperre soll der Nationalspieler nun Leistenbeschwerden auskurieren. Stürmer Ali Daei bleibt wegen seiner Rückenprobleme in Berlin. Ferner fehlen Sixten Veit wegen seines Muskelfaserrisses, Kostas Konstantinidis nach drei Gelben Karten und natürlich Rekdal.

Rekdal konnte in Prag nicht überzeugen, wurde deshalb aus dem Kader aussortiert und zog daraus die von ihm selbst angekündigte Konsequenz. Der Norweger will sich für die Europameisterschaft in den Niederlanden und Belgien (10. Juni bis 2. Juli) empfehlen und kehrt zu Valerenga Oslo in sein Heimatland zurück. "Es nützt keinem, wenn er hier unzufrieden ist. So ist allen gedient", meint Trainer Röber dazu. "Ich muss auf dem Platz stehen. Wir haben uns in gutem Einvernehmen getrennt", sagt Rekdal. Das waren zumindest die "offiziellen" Aussagen - im kleineren Kreis hatte der Norweger durchaus deutlich gemacht, dass er sich von seinem Arbeitgeber und vom Trainer in Berlin nicht unbedingt korrekt behandelt fühlte. Nicht auszuschließen ist, dass der 31-Jährige Rekdal aber schon im Sommer wieder in der Bundesliga auftaucht. Otto Rehhagel und der 1. FC Kaiserslautern sollen bereits Interesse an einer Verpflichtung des routinierten Abwehr- und Mittelfeldspielers bekundet haben.

Der FC Barcelona und seine Fans fiebern bereits dem Spitzenspiel am Sonnabend gegen Tabellenführer Deportivo La Coruña entgegen. Bei einem Sieg könnte der Fünf-Punkte-Rückstand auf den Spitzenreiter nämlich auf ein erträgliches Maß verringert werden. Nach vier glatten Erfolgen in der Landesmeisterschaft und in der Champions League werden Kapitän Josep Guardiola und der Niederländer Philip Cocu wohl eine Ruhepause von Trainer Louis van Gaal erhalten.

Ersetzen muss van Gaal weiterhin die schon länger verletzten Boudewijn Zenden, Luis Enrique und Sergi. Dafür dürfte der Finne Jari Litmanen nach einer Zwangspause wieder in die Mannschaft rücken. Auch Rivaldo ist diesmal dabei. Brasiliens "Weltfußballer des Jahres" hatte beim 1:1 im Hinspiel verletzt gefehlt. Gesehen hätte ihn im Nebel des Berliner Olympiastadions allerdings sowieso niemand.

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