• Hertha-Aufsichtsräte protestieren beim Millionen-Deal Alves gegen ihre eigenen Kollegen

Sport : Hertha-Aufsichtsräte protestieren beim Millionen-Deal Alves gegen ihre eigenen Kollegen

Frank Bachner

Die Fax-Nachricht war kurz. "Sie können unbesorgt sein, der Kauf ist gut abgesichert durch Transfererlöse und durch die Aufnahme eines Kredits", lautete der Text an sechs Mitglieder des Aufsichtsrats von Hertha BSC. Hinter der lapidaren Nachricht des dreiköpfigen Finanzausschusses von Hertha steckt freilich ein Millionengeschäft: der Transfer des brasilianischen Stürmers Alex Alves nach Berlin, alles in allem 30 Millionen Mark wert. So läuft das bei Hertha BSC beim Jonglieren mit Millionen. Der Aufsichtsrat soll zwar die Geschäfte des Klubs überwachen und hat wichtige Entscheidungen abzusegnen, doch zwei Drittel der Kontrolleure bekommen die Nachricht, dass man gerade mal den teuersten Spielerkauf der Vereinsgeschichte abgewickelt hat, lediglich zur Kenntnisnahme. Mehrere Aufsichtsratsmitglieder lassen sich dies jetzt nicht mehr gefallen. Sie fühlen sich überfahren, und deshalb gibt es jetzt intern einigen Ärger bei Hertha.

Den Finanzausschuss bilden der Aufsichtsrats-Vorsitzende Robert Schwan, der frühere Verteidigungsminister Rupert Scholz sowie Günter Troppmann, der Sprecher des Vorstands der Deutschen Kreditbank Berlin. Dieses Trio hat carte blanche, wenns eilig ist. Mitunter ist eine schnelle Entscheidung notwendig, um einen Spieler zu bekommen. Langwierige Debatten stören da, weil die Konkurrenz-Vereine oft schnell handeln. Und dann ist ein Spieler weg. Das Trio Schwan, Scholz, Troppmann kann, wenns brennt, rechtsgültig "Ja" sagen. Wenns eilig ist allerdings nur, da ist die Satzung des Aufsichtsrat eindeutig. Ist die Zeit für längere Debatten vorhanden, muss die Personalie vor den Gesamt-Aufsichtsrat. Und der kann dann den Daumen heben oder senken.

Inzwischen aber, klagen Aufsichtsräte, sei diese Praxis üblich. Der Finanzausschuss beschließt, die anderen haben die Entscheidung zur Kenntnis zu nehmen. Seit Jahren schon ist der Gesamtausschuss nicht mehr in Entscheidungen bei Spielerkäufen aktiv eingebunden gewesen, der Fall Alves hat jetzt die Toleranzgrenze einiger Kontrolleure gesprengt. Mehrere Aufsichtsrats-Mitglieder haben nach Tagesspiegel-Informationen gegen die Entscheidung des Finanzausschusses Widerspruch eingelegt. Ein Protest, der für Hertha-Verhältnisse völlig unüblich ist. Aber er zeigt, wie gross der Ärger bei denen ist, die sich ausgeschlossen fühlen. Der Widerspruch bezieht sich freilich nicht auf den Kauf von Alves, der ist abgesegnet. Er bezieht sich auf die Art und Weise, wie entschieden wurde. Mit Alves wurde wochenlang verhandelt, zudem gings um Summen, mit denen Hertha in neue Dimensionen vorstößt. Da, erklären die Protestler, habe genug Zeit für Verhandlungen im Gesamt-Aufsichtsrat bestanden.

Am 9. Februar tagt der Aufsichtsrat, und der Alves-Transfer kommt auf die Tagesordnung. Und damit ist eine engagierte Diskussion programmiert. Die Mitglieder, die Widerspruch eingelegt haben, möchten nicht bloss den Finanzausschuss rüffeln, sie wollen auch die Sicherheit haben, dass sie in Zukunft nur noch in Ausnahmefällen, wenns wirklich brennt, außen vor gelassen bleiben. Im Fall Alves, sagen sie, hätte man im Vorfeld der Verhandlungen im Gesamt-Aufsichtsrat zumindest eine generelle finanzielle Schmerzgrenze festlegen können. Doch bisher ist der teuerste Transfer der Vereinsgeschichte im Gesamt-Aufsichtsrat noch nicht besprochen worden.

Die protestierenden Kontrolleure treibt auch die Angst um. Die Angst vor einer tiefen Verschuldung von Hertha, die Angst vor einem Rückfall in alte Zeiten, als Hertha fast pleite und die Lachnummer der Liga war. Die Angst scheint freilich derzeit übertrieben. Die Mannschaft von Trainer Jürgen Röber steht in der Champions League und kassiert bislang 30 Millionen Mark aus dem Europacup. Dieses Geld allein reicht nicht zwar aus, um die jüngsten Einkäufe zu bezahlen. Transfererlöse spielen zum Beispiel bei der Finanzierung von Alves kaum eine Rolle. Ein ganz erheblicher Teil der Millionen wurde bei der größten Bank in Deutschland durch einen Kredit beschafft. Allerdings wird Hertha noch Fernseh-Gelder aus der Champions League kassieren. Zum Image der Lachnummer ist mithin erst mal noch ein weiter Weg.

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