Sport : Hertha befreit sich

Nach zwölf sieglosen Spielen gewinnen die Berliner 1:0 gegen Bremen.

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Der Kreis schließt sich wieder. Die Berliner haben nach langer Zeit wieder einen Grund zum Feiern. Foto: dpa
Der Kreis schließt sich wieder. Die Berliner haben nach langer Zeit wieder einen Grund zum Feiern. Foto: dpaFoto: dpa

Berlin - Die Stimmung war ausgelassen. 1:0 (0:0) hatte Hertha BSC gerade gegen Werder Bremen gewonnen, es war ein überlebenswichtiger Sieg, und die Fans sangen: „Oh wie ist das schön, so was hat man lange nicht gesehen“, seit über vier Monaten nicht mehr, um genau zu sein.

Dabei waren es die nun befreit singenden Fans, die zuvor den Sieg so energisch eingefordert hatten wie noch nie in dieser turbulenten Saison. In der Ostkurve hatten sie ein Spruchband aufgehängt, auf dem stand: „Ihr habt euer Versprechen gebrochen!“ Gemeint war wohl der Einsatz der Mannschaft von Hertha BSC im Abstiegskampf. Als der Stadionsprecher die 52 744 Zuschauer begrüßte, gab es Pfiffe. Doch dann wurde es versöhnlich: Nach dem Warmmachen gab es Applaus für die Mannschaft und ein zweites Spruchband: „Wir halten unser Wort!“ Für Unterstützung war also doch gesorgt.

Und die Mannschaft bedankte sich dafür: Sie löste nach zwölf sieglosen Spielen erstmals in der Rückrunde ihr Versprechen ein. Nikita Rukavytsya erzielte Herthas erst zweites Rückrundentor und sicherte den ersten Bundesligasieg seit dem 29. Oktober des vergangenen Jahres. „Wir haben die Reaktion der Fans verstanden“, sagte Tunay Torun nach dem Erlösungssieg, „wir wollten sie schon früher beschenken, aber die Verunsicherung lässt sich nicht so leicht ablegen, wenn man oft verloren hat.“ Mit Otto Rehhagel ist es gelungen. Der 73-Jährige hat sein erstes Heimspiel gewonnen und Hertha wieder auf einen Nichtabstiegsplatz geführt.

Der Trainer hatte gegen seinen früheren Klub überrascht: Neben dem wiedergenesenen Christian Lell rückten Torun, Rukavytsya und Bundesliga-Debütant Fanol Perdedaj in die Startelf. Auf die Bank mussten Pierre-Michel Lasogga – und Kapitän Andre Mijatovic. Patrick Ebert stand nicht einmal im Kader.

Die Umbauten verliehen Stabilität. Die Berliner liefen viel, stellten die eigene Hälfte zu und eroberten viele Bälle, speziell Perdedaj und Lewan Kobiaschwili im defensiven Mittelfeld. Nach einem Ballgewinn flankte der Georgier auf die einzige Spitze Adrian Ramos. Doch sein Kopfball nach zwölf Minuten ging genau in die Arme von Bremens Torwart Tim Wiese.

Es sollte der einzige Torschuss der Berliner in der ersten Hälfte sein. In der Offensive konnten Raffael und Ramos die weiten Anspiele ihre Mitspieler nicht annehmen. Auf rechts rückte Torun zu oft in die Mitte, auf links glaubte Rukavytsya, alles mit Schnelligkeit lösen zu können. Zudem wurden alle vielversprechenden Angriffsansätze mit schlechten Abspielen zunichte gemacht. So kamen die Bremer zu einigen Chancen. Claudio Pizarro schoss zweimal knapp links am Berliner Tor vorbei. Kurz vor der Halbzeit durfte Marko Marin durch die gesamte Hertha-Hälfte tippeln, scheiterte aber an Thomas Kraft. Das waren schon alle Glanzlichter in einer zähen ersten Halbzeit.

Nach der Pause kam Bremen mit schnellen Angriffen zu Torszenen im Minutentakt. In die Drangphase der Gäste platzierten die Gastgeber ihren zweiten Torschuss, als Raffael eine Hereingabe von Ramos auf Torun zurücklegte, der aber das Tor knapp verfehlte. Das Spiel war nun lebhafter, es ging hin und her, vor allem aber hin zum Berliner Tor. Die Bremer schnürten Schleifen um den Berliner Strafraum, der mit Hingabe verteidigt wurde.

Nach einer Stunde wurde Ramos durch Lasogga erlöst. Er kam rechtzeitig, um mit dem Torschützen Rukavytsya zu jubeln. Bei einem Berliner Konter hatte sich Felix Bastians einmal mit nach vorne gewagt, seine Flanke konnte der Australo-Ukrainer gar nicht richtig annehmen, aber richtig genug, um sie per Aufsetzer im Bogen über Wiese im Tor unterzubringen. Die überraschende Führung musste Kraft kurz darauf gegen den anstürmenden Pizarro retten. Die Bremer rannten nun an, aber Hertha hatte bessere Einfälle in der Abwehr als Werder im Angriff. Und sie konterten immer wieder, schneller und gefährlicher als in der ersten Halbzeit. Eine Rückgabe Lasoggas von der Grundlinie schoss Rukavytsya haarscharf neben das Tor. In der letzten Viertelstunde retteten die Berliner das Ergebnis über die Zeit. Es reichte für Hertha, eine große Befreiung und das Einlösen eines Versprechens.

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