Hertha besiegt den KSC 4:0 : Der Erfolg bleibt in Berlin

Hertha BSC feiert beim 4:0 gegen den Karlsruher SC den höchsten Sieg dieser Saison und blickt auf die beste Hinrundenbilanz der Vereinsgeschichte zurück.

Michael Rosentritt
Hertha BSC Berlin - Karlsruher SC 4:0
Hertha feiert. Karlsruhe trauert.Foto: dpa

Es gehört zu den Eigenwilligkeiten des deutschen Profifußballs, dass sich sogenannte Fanfreundschaften bilden. Die Gründe dafür liegen irgendwo im Vergangenen und für die große Mehrheit wohl auch im Verborgenen. Die Anhängerschaft von Hertha BSC jedenfalls pflegt seit Jahren ein besonderes Verhältnis zu den Fans des Karlsruher SC. Doch scheinbar hat sich die Liebe beider Fanlager etwas abgekühlt, zum gemeinsamen Treffen gestern Nachmittag fanden nicht einmal 40.000 den Weg ins Olympiastadion. Als KSC-Fans gaben sich bestenfalls 500 zu erkennen, was allerdings auch daran gelegen haben mag, dass sie eine denkbar weite Anreise haben, die sich zudem so gut wie nie lohnt. Der letzte Sieg der Badener in Berlin datiert aus dem Gründungsjahr der Bundesliga. Das ist jetzt 45 Jahre her. Und auch gestern behielt Hertha mit 4:0 (1:0) die Oberhand. Der Berliner Bundesligist kommt zum Abschluss der Bundesligahinrunde auf 33 Punkte – das ist Vereinsrekord.

Für das letzte Heimspiel des Jahres hatte Herthas Trainer Lucien Favre einige personelle Umstellungen vorzunehmen. Für die verletzten Sofian Chahed und Josip Simunic rückten Steve von Bergen und Kaka in die Abwehrreihe. Beide Ersatzspieler zählen nicht unbedingt zu den sichersten Spielern, was sie während des gesamten Spiels auch erneut unter Beweis stellten. Allerdings blieben ihre kleinen Fehler ohne Folgen, was allerdings in erster Linie am Unvermögen der Gäste aus dem Süden lag. Dabei hatte der Gastgeber nach zuletzt zwei Niederlagen gegen Galatasaray Istanbul im Uefa-Cup und Schalke 04 in der Liga einen verheißungsvollen Start erwischt. Schon in der achten Minute ging Hertha in Führung. Nach einer Ecke und einer zu kurzen Kopfabwehr des Karlsruher Abwehrspielers Stefan Buck kam Maximilian Nicu frei zum Schuss. Für den Berliner Mittelfeldspieler war es der zweite Saisontreffer.

Favre verstärkte durch geschickte Wechsel die Offensive

Doch die Führung bereitete vor allem den Berlinern Probleme. Möglicherweise nahmen sie den Gegner etwas auf die leichte Schulter. Der KSC machte fortan das Spiel, ohne aber wirklich überzeugen zu können. Es dauerte 20 Minuten, ehe die Berliner ihr Spiel etwas geordnet hatten und ihrerseits zu Torchancen kamen. Die beste vergab Marko Pantelic nach einer halben Stunde. Der 30-jährige Serbe köpfte über das Tor. Kurz darauf scheiterte Cicero nach schönem Zuspiel Andrej Woronins am Karlsruher Torwart Markus Miller. Wenige Minuten vor dem Halbzeitpfiff verhinderte auf der Gegenseite Torwart Jaroslav Drobny per Fußabwehr den eventuellen Ausgleich.

Auch in der zweiten Halbzeit setzte sich zunächst das Bild des ersten Abschnitts fort. Hertha verpasste es, das Spiel an sich zu ziehen und das Geschehen zu dominieren. Schon der Spielaufbau der Berliner, geprägt durch viele ungenaue Zuspiele, gestaltete sich bisweilen fahrig. Der KSC, der in der Balleroberung oft emsiger war, hielt die Partie lange Zeit ausgeglichen. Echte Torchancen aber blieben auf beiden Seiten aus. Nach gut einer Stunde tauschte Lucien Favre den glücklosen Woronin gegen Raffael aus. Doch zunächst bot sich erst einmal dem Karlsruher Stürmer Sebastian Freis gleich doppelt die Gelegenheit zum Ausgleich. Beide Male verhinderte Torwart Drobny Schlimmeres. Herthas Trainer Favre aber verstärkte die Offensive und brachte in Waleri Domowtschiski für von Bergen einen weiteren Stürmer ins Spiel.

Das Ergebnis dieser Maßnahme ließ nicht lange auf sich warten. Nachdem Pantelic ein Kopfballduell auf Höhe der Mittellinie gewonnen hatte, marschierte Waleri Domowtschiski allein auf das KSC-Tor zu und ließ Miller keine Abwehrchance. Der Bulgare schlenzte den Ball in den oberen, linken Winkel. Am Ende wurde es sogar noch klarer: Fabian Lustenberger traf zum 3:0. Die Karlsruher resignierten danach, so dass auch noch der eingewechselte Raffael zum 4:0 für Hertha erhöhen konnte. Es sah nicht immer schön aus, was Hertha an diesem Nachmittag bot, aber es führte letztlich sogar zum höchsten Saisonsieg der Berliner. Am Donnerstag spielen die Berliner bei Olympiakos Piräus um das Überwintern im Uefa-Pokal. Mit einem Sieg könnte Hertha ein durchaus gelungenes Halbjahr abrunden. Auf freundliche Gesten aber werden die Berliner in Griechenland vermutlich vergebens warten.

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