Sport : Hertha bewegt viel Geld

Der Umsatz steigt – die Schulden auch

Klaus Rocca

Berlin. Es war eine große Familie, die sich am Montagabend im Berliner ICC traf. Und als sich noch die erfolgreichen Fußballer mit ihrem Trainer Huub Stevens zu ihr gesellten, feierten sie alle selbst. Die Mitgliederversammlung von Hertha BSC war harmonisch wie selten zuvor. Wäre da nicht bei den Wortbeiträgen der Verantwortlichen deutlich angeklungen, dass sich „die Welt verändert hat“, wie es Manager Dieter Hoeneß ausdrückte. Vor allem in finanzieller Hinsicht.

Hoeneß wollte nicht klagen. „Man kann jammern oder fighten, wir haben uns fürs Fighten entschlossen“, rief er kämpferisch. Die Kirch-Krise, beträchtliche Kosten für die Verbesserung der Infrastruktur und Mindereinnahmen von rund 3,5 Millionen Euro pro Jahr durch Zuschauereinbußen wegen des Stadionumbaus zwingen Hertha „zum intelligenten Umgang mit der Krise“ (Hoeneß).

Dass der Umsatz von 53,7 Millionen Euro des Vorjahres in der laufenden Saison 60 Millionen Euro betragen wird, stimmt die Verantwortlichen milde. Auch, dass die Vertragsverlängerung mit Sponsor Nike bis 2009 bevorsteht. Allerdings sind die Verbindlichkeiten von 15,2 auf 16,9 Millionen Euro gestiegen. Deshalb wurden die Investitionen drastisch reduziert – von 20,9 Millionen Euro auf 3,6 Millionen Euro für diese Saison.

Auch der Kader wird verringert, um die Kosten zu senken. Mit 29,5 Millionen Euro ist der Aufwand für das kickende Personal noch beträchtlich. Nach einer internen Erhebung der Deutschen Fußball-Liga (DFL), die am Montag von Vertretern der Profivereine in Frankfurt am Main erörtert wurde, beträgt das durchschnittliche monatliche Grundgehalt eines Erstligaspielers 26 000 Euro. Dazu kommt eine so genannte Einsatzprämie von 8000 Euro pro Spiel. Bei solchen Summen verwundert es nicht, dass die DFL mit einem dramatischen Schuldenanstieg der Vereine und Zahlungsunfähigkeiten bei drei Klubs noch in der laufenden Saison rechnet.

Umdenken fällt der Liga trotzdem schwer. Nach ihrem Treffen in Frankfurt gaben sich die Vereinsmanager wortkarg. Bremens Klaus Allofs sagte nur: „So schlimm wie dargestellt, steht es nicht um die Liga.“ Und so erweiterte die DFL nur die nationalen Transferregeln. Fußballer können zusätzlich im Januar 2003 die Vereine wechseln. Damit schafft die Liga einen Markt, um überzählige Spieler anzubieten und zu verkaufen.

Bei Hertha bleibt man sowieso gelassen. Zwar ist nach Angaben von Präsident Bernd Schiphorst an einen Gang an die Börse vorerst nicht zu denken, doch die sportliche Situation macht Mut. „Vor kurzem waren wir ein zartes Pflänzchen, jetzt sind wir ein starker Baum“, sagte Hoeneß unter dem Beifall der Hertha-Familie. Die ist seit Montag 10 000 Mitglieder stark.

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