Sport : Hertha bleibt hängen

Die Berliner verlieren 2:4 in Bremen und verpassen den Sprung auf Platz drei

Frank Hellmann

Bremen. Marko Rehmer musste gestern Nachmittag auf seinem Bremer Hotelzimmer bleiben. Ein Migräneanfall hatte den deutschen Nationalverteidiger von Hertha BSC außer Gefecht gesetzt, der nach einer vierwöchigen Verletzungspause eigentlich sein Comeback geben wollte. Vermutlich aber wird er im Fernsehen das Spiel seiner Mannschaft beim SV Werder verfolgt haben. Nur leider wird es kaum zur schnelleren Genesung beigetragen haben. Innerhalb von nur fünf Minuten war das Spiel gegen sein Team entschieden. Erst egalisierte Bremens Serbe Mladen Krstajic die Führung der Berliner durch Arne Friedrich. Kurz darauf schossen der Schweizer Ludovic Magnin und der Grieche Angelos Charisteas die Bremer auf die Siegerstraße. 4:2 (3:1) hieß es am Ende.

Vom Endspurt um die internationalen Startplätze war die Rede. Werder musste gewinnen, um überhaupt noch Chancen bei der Vergabe der Uefa-Cup-Plätze zu besitzen. Die Berliner wollten bei einem Sieg offen das Thema Champions League angehen. Der Ausgang des Spiels vor 35 000 Zuschauern im Bremer Weserstadion war für beide Mannschaften richtungsweisend. Während die Bremen wieder im Rennen sind, geht es für die Berliner nun um die Verteidigung des Uefa-Cup-Platzes.

Der Unterhaltungswert entsprach der Bedeutung des Spiels. Nach zwanzig Minuten gingen die Berliner in Führung. Arne Friedrichs Treffer war eine Augenweide. Erst ließ der Verteidiger die beiden Bremer Magnin und Krstajic aussteigen, anschließend versenkte er den Ball wuchtvoll im Netz. Doch irgendwie muss es die beiden Genarrten so richtig angestachelt haben. Zwei Minuten später revanchierte sich erst Krstajic zum 1:1, drei Minuten darauf Magnin zum 2:1. Beiden Gegentoren waren Eckstöße von Ailton und Micoud vorausgegangen, bei denen Herthas Hintermannschaft schlecht aussah, weil sie die Bälle wegen erheblicher Abstimmungsprobleme nicht unter Kontrolle kriegte.

Nicht nur Rehmers Fehlen machte sich bemerkbar, sondern vor allem das des Abwehrchefs Dick van Burik. Für ihn spielte der junge Alexander Madlung, dem unter der Woche für die deutsche U-21-Auswahl ein Tor beim 3:2-Sieg über Serbien-Montenegro gelungen war. Doch irgendwie schien nicht nur Madlung der Aufgabe in Bremen nicht gewachsen zu sein. Die Berliner standen im ersten Abschnitt viel zu weit weg von ihren Gegenspielern, monierte bei Halbzeit Kotrainer Holger Gehrke. Bremen war bissiger, zweikampfstärker und viel engagierter.

Hertha wollte in Bremen nicht nur den Angriff auf den ersten Platz hinter Meister Bayern München unternehmen, sondern wollte sich nebenbei auch für das 0:1 im Hinspiel revanchieren. Damals hatte Hertha im Heimspiel nicht mal einen Eckball herausgeholt. Trainer Huub Stevens hatte danach von der „taktisch und kämpferisch schwächsten Leistung“ seiner Mannschaft gesprochen. Gestern trafen sie in Bremen auf eine wie entfesselt spielende Elf. Hertha dagegen, immerhin mit sechs Siegen aus den vergangenen sieben Spielen als erfolgreichste Mannschaft der Rückrunde angereist, musste sich bei den im Vorfeld geäußerten Ambitionen den Vorwurf gefallen lassen, nicht genug getan zu haben. Von den eigenen Fans, die mit nach Bremen gekommen waren, mussten sie sich sogar verhöhnen lassen: „Und ihr wollt in die Champions League?“

Vor allem Herthas Spielmacher Marcelinho blieb wirkungslos. Sein Gegenüber, der Franzose Johan Micoud, war bester Mann auf dem Feld. Herthas Trainer Huub Stevens reagierte spät, um das gestaltende Element zu unterstützen. Andreas Neuendorf kam für Bart Goor und Stefan Beinlich für Michael Hartmann. Mit ihnen erarbeitete Hertha sich ein leichtes Übergewicht. Thorben Marx gelang nach Vorarbeit Neuendorfs der Anschlusstreffer, doch kurz vorher hatte erneut Charisteas zum 4:1 getroffen.

Am kommenden Wochenende kommt Bayern München nach Berlin. Eine leichtere Aufgabe wird es wohl kaum werden.

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