Sport : Hertha bleibt Hertha

Die Berliner schaffen gegen Bielefeld nur ein 1:1 und zeigen erneut Schwächen im Abstiegskampf

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Wie er in der nächsten Woche mit seiner Mannschaft umgehen wird, wusste Falko Götz am Samstagabend noch nicht. Der Trainer von Hertha BSC erbat sich Zeit, um die Eindrücke des Spiels gegen Arminia Bielefeld verarbeiten zu können. Es war einiges passiert: Lange Zeit hatte es danach ausgesehen, als ob Hertha das schwache Spiel gegen den Tabellenfünfzehnten verlieren würde – in diesem Fall hätte Götz akut um seinen Job bangen müssen. Die Berliner schafften vor 41 512 Zuschauern im Olympiastadion aber noch ein glückliches 1:1 (0:1). Der Vorsprung auf die Abstiegsplätze der Bundesliga beträgt deshalb noch immer fünf Punkte, vorerst dürfte Götz weiter vom Verein gestützt werden. Auch wenn Manager Dieter Hoeneß sich trotz mehrmaligem Nachfragen weder für noch gegen seinen Trainer aussprechen wollte. „Ich sage dazu grundsätzlich nichts“, sagte er. Hertha ist nun bereits seit neun Pflichtspielen sieglos.

Dieter Hoeneß hatte ein „schwaches Spiel“ seiner Mannschaft gesehen, „die sich aber bemüht“ habe. Nur etwas mehr als eine Viertelstunde hielten die Berliner gegen Bielefeld mit, dann ging der Gast aus Ostwestfalen 1:0 in Führung. Nach einem Eckball von Bernd Korzynietz war Radim Kucera mit dem Kopf schneller am Ball als sein Gegenspieler Josip Simunic – zum siebten Mal in dieser Saison kassierte Hertha einen Gegentreffer nach einer Ecke.

Der Auftritt der Berliner zeigte wieder einmal alles, was sie in der Rückrunde zum schwächsten Team der Liga gemacht hat: individuelle Fehler und Nachlässigkeiten wie bei Simunic vor dem Gegentor, Verunsicherung und mangelnde Ideen im Spiel nach vorne. In der ersten Halbzeit gelang Hertha ein einziger Torschuss. Bielefelds Torhüter Mathias Hain parierte den Versuch von Marko Pantelic jedoch. Pech hatten die Berliner, als Yildiray Bastürk später allein auf Hain zulief, Schiedsrichter Brych die Aktion jedoch unterbrach, weil er den Türken – fälschlicherweise – im Abseits gesehen hatte.

Mit ihrer Darbietung strapazierte Hertha wieder einmal den Langmut des Publikums. Vor der Begegnung hatten die Fans mit einem Flugblatt zu besonderer Unterstützung für die Mannschaft aufgerufen, um die Spieler nicht zusätzlich zu verunsichern. Als Kevin-Prince Boateng jedoch nach einer halben Stunde ein Stoppfehler unterlief, gab es Pfiffe. Später hallten Götz- und Hoeneß-raus-Rufe durch das Olympiastadion. Die Angesprochenen zeigten Verständnis für den Ärger der Fans, „damit müssen wir in so einer Phase rechnen“ (Götz).

Nach der Pause begann Hertha druckvoller. Torhüter Hain musste nach einem Kopfball Boatengs zum zweiten Mal eingreifen. Doch auch in der zweiten Hälfte offenbarten die Berliner wieder Unzulänglichkeiten in der Spielgestaltung. Götz reagierte: Für den schwachen Boateng schickte er Ashkan Dejagah aufs Feld, für den wirkungslosen Pantelic den schnellen Chinedu Ede.

Der Personaltausch machte sich bezahlt. Ede flankte in der 71. Minute von der linken Seite in den Strafraum, am zweiten Pfosten stand Patrick Ebert frei und köpfte den Ball zum 1:1 ins Tor. Aber Hertha wäre nicht Hertha, wenn die Berliner sich nicht alles selbst wieder kaputt machten. Nur eine Minute nach dem Ausgleich sah Simunic Gelb-Rot – zum zweiten Mal in nur vier Spielen.

Anstatt in den letzten 20 Minuten auf Sieg spielen, mussten die Berliner nun in Unterzahl wenigstens den einen Punkt verteidigen. Götz holte Stürmer Christian Gimenez vom Feld und brachte dafür Malik Fathi, der für Simunic in die Innenverteidigung rückte. Zumindest das Engagement war Hertha in dieser Phase nicht abzusprechen. Aber das Publikum ist mit solchen Selbstverständlichkeiten allein nicht mehr zufrieden. Am Ende gab es Pfiffe von den Rängen. „Ohne spielerische Mittel ist das Kämpfen auch nichts wert“, sagte Yildiray Bastürk.

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