Hertha : Brasilien statt Berlin

Hertha BSC muss am Freitag beim Karlsruher SC auf seine brasilianischen Spieler Gilberto und Mineiro verzichten.

Claus Vetter
Gilberto
Artistisch. Gilberto im Spiel gegen Hannover 96 -Foto: ddp

Berlin - Dieter Hoeneß hat in den vergangenen Tagen viel herumtelefoniert. Dahin, wo sich ein Teil des spielenden Personals von Hertha BSC zurzeit aufhält. Der Manager des Berliner Bundesligisten sagt: „Es ist ja schön, wenn man viele Nationalspieler hat, das zeugt von einer gewissen Qualität des Kaders.“ Aber, ja aber: Nationalspieler haben eben das Problem, dass sie für ihre Nationalmannschaften spielen. In der Nacht zum Donnerstag waren Mineiro und Gilberto für Brasilien im Einsatz – weniger als zwei Tage vor Herthas Bundesligaspiel in Karlsruhe am Freitag. Hoeneß hat daher mit Brasiliens Cheftrainer Dunga, aber vor allem mit dessen Assistenten Jorginho gesprochen. „Denn der spricht ja besser Deutsch.“ Das nützte aber nichts: Jorginho hatte zwar „Verständnis für unsere Situation“, sagt Hoeneß, auf Deutsch hat der ehemalige Bundesliga-Profi dann dem Berliner Manager aber mitgeteilt, dass Mineiro und Gilberto in der WM-Qualifikationspartie gegen Uruguay von Beginn an spielen würden.

Es war eine bittere Nachricht für Hertha. „Brasiliens Spiel endet um drei Uhr unserer Zeit“, sagt Dieter Hoeneß. Damit habe sich das Thema Karlsruhe für beide erledigt. „Ein Trainingslager im Flugzeug halte ich für unsinnig.“ Weniger humoristisch hat Hoeneß bei der Deutschen Fußball-Liga (DFL) darauf hingewiesen, dass Hertha nach Abstellungsperioden für Nationalspieler nicht mehr freitags spielen will. Holger Hieronymus, DFL-Geschäftsführer für den Spielbetrieb, habe auch angedeutet, dass man das Hertha künftig nicht mehr zumuten werde. Für ihre Gegenwart nützt das den Berlinern allerdings nichts: Gestern spielten auch Marko Pantelic für Serbien gegen Polen und Joe Simunic für Kroatien gegen England in der EM-Qualifikation. Mannschaftskapitän Arne Friedrich wurde ja von Bundestrainer Joachim Löw beim Spiel gegen Zypern geschont. „Immerhin hat mir Pantelic zugesichert, dass er kommt“, sagt Hoeneß. Serbien werde das Nachholspiel gegen Kasachstan am Samstag wahrscheinlich nur mit Spielern aus der eigenen Liga bestreiten.

Mit einem müden Pantelic und ohne Spielmacher Gilberto – das sind ungute Voraussetzungen für Herthas Freitagsspiel beim Aufsteiger, der als Tabellenvierter mit 23 Punkten vier Punkte und vier Plätze vor den Berlinern liegt. Lucien Favre ist trotzdem optimistisch. „Wir haben zehn Tage auch ohne Nationalspieler sehr gut trainiert“, sagt Herthas Trainer. Mit Tobias Grahn, Pal Dardai und Fabian Lustenberger habe er Alternativen, was die Aufstellung betrifft. Pal Dardai hat ja kürzlich auch verlauten lassen, dass er sich „unbedingt wieder in die Mannschaft kämpfen“ will. „Der Lustenberger hat zuletzt auch überzeugt, er hat ein Tor für die U21-Nationalmannschaft geschossen“, sagt Favre. Das klingt trotzdem alles nicht vielversprechend. Das peinliche 0:2 in Wuppertal hat gezeigt, wo Hertha BSC ohne Pantelic und Gilberto steht: Im Pokal hat es nicht gereicht, um einen Regionalligisten zu bezwingen.

Immerhin, auch der Karlsruher SC wird am Freitag mit müden Auswahlspielern antreten. Edmond Kapllani war gestern für Albanien, Tamas Hajnal für Ungarn im Einsatz. Trotzdem sieht Dieter Hoeneß Hertha aufgrund der beiden fehlenden Brasilianer in einem „Wettbewerbsnachteil“. Aber es nütze ja nichts. „Wir wollen ja nicht jammern“, sagt der Berliner Manager. „Es hat ja keiner den Spielplan so gestaltet, um Hertha zu schaden.“

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