Hertha BSC : Ab in den Urlaub

Hertha BSC geht nach dem neunten Sieg im 14. Heimspiel mit einem guten Gefühl in die Länderspielpause.

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Schneller als die Konkurrenz. Per Skjelbred (r.) zieht das Tempo an.
Schneller als die Konkurrenz. Per Skjelbred (r.) zieht das Tempo an.Foto: Imago

Vielleicht war es ganz gut, dass Pal Dardai nicht hören konnte, was Per Skjelbred nach dem Sieg gegen den FC Ingolstadt zum Besten gab. Vielleicht hätten ihm die Aussagen seines Kapitäns aber auch gefallen. Per Skjelbred erzählte, dass er jetzt erst mal ein bisschen Urlaub machen werde – und das mitten in der entscheidenden Saisonphase in der Fußball- Bundesliga. Der Norweger ist wie einige seiner Kollegen von Hertha BSC in den nächsten Tagen mit seiner Nationalmannschaft unterwegs; er freut sich schon, dass er in der Heimat mal wieder „schön essen und meine Freunde treffen“ kann.

Pal Dardai, Skjelbreds Vereinstrainer, ist den Genüssen des Lebens ebenfalls nicht abgeneigt. Er weiß einen guten Rotwein ebenso zu schätzen wie ein feines Essen. Schon deshalb würde der Ungar seinen Spielern nichts vorschreiben, was er selbst kaum einhalten könnte. Wichtig ist ihm nur, dass die Leistung seiner Mannschaft und die Ergebnisse stimmen, und in dieser Hinsicht gibt es derzeit wenig auszusetzen. Beim 2:1 gegen Ingolstadt gestaltete sich die Angelegenheit zwar lange Zeit arg zäh, am Ende aber feierten die Berliner im vierzehnten Heimspiel ihren neunten Sieg. Sie vergrößerten ihren Vorsprung vor dem ersten Verfolger (jetzt Schalke 04) auf vier Punkte – und werden damit auch nach dem nächsten Spieltag auf jeden Fall noch Dritter sein.

Da dürfte nicht nur Per Skjelbred mit einem guten Gefühl in die Länderspielpause gegangen sein.

Sieben Spiele stehen in der Liga noch an, und für Hertha beginnt die heiße Phase nach der Länderspielpause mit einem Auswärtsspiel bei Borussia Mönchengladbach. Fünfter sind die Gladbacher nach ihrer unglücklichen Niederlage in Schalke; zudem haben sich mit Raffael (Muskelfaserriss) und Fabian Johnson (Adduktorenzerrung) zwei wichtige Spieler verletzt, die aller Wahrscheinlichkeit gegen Hertha ausfallen werden. Schon jetzt haben die Berliner sechs Punkte Vorsprung, bei einem Sieg würden sie vermutlich uneinholbar davonziehen.

Den Druck sehen die Berliner bei den Verfolgern

Dabei waren die Gladbacher die einzige Mannschaft, die in Berlin gewonnen hat und für Manager Michael Preetz sogar „die beste Mannschaft, die hier gespielt hat“. Damals lagen Welten zwischen beiden Teams, doch Hertha hat die Gladbacher nicht nur eingeholt, sondern inzwischen hinter sich gelassen. „Wir haben schon einige Beweise abgeliefert, dass wir uns seitdem entwickelt haben“, sagt Preetz. „Auswärts steht das noch aus. Mal sehen, ob das in Gladbach gelingt.“

Von einem Schlüsselspiel will Herthas Manager trotzdem nicht sprechen. „Das Schlüsselspiel ist am 20. April.“ Dann trifft Hertha im Halbfinale des DFB-Pokals auf Borussia Dortmund. Der Pokal mag für die Berliner – mit dem Halbfinale im eigenen Stadion – eine größere emotionale Bedeutung haben, sportlich und wirtschaftlich wäre ein möglichst gutes Abschneiden in der Liga allerdings weit höher einzuschätzen. Europa wird langsam real, sogar die Champions League ist keine Utopie mehr. Darüber sprechen wollen sie bei Hertha aber lieber nicht.

Innenverteidiger Niklas Stark hat sich nach dem Sieg gegen Ingolstadt erneut auf sein Zeugnisverweigerungsrecht berufen, und auch Manager Preetz blieb bei seiner Ansicht, dass es der Mannschaft gut tue, sie nicht mit hohen Zielen zu belasten. „Es versucht aber auch keiner, etwas zu verhindern.“

Das dürfte auch immer schwieriger werden. In den 16 Spielzeiten seit Herthas letzter Teilnahme an der Champions League gab es sieben Mannschaften, die nach 27 Spieltagen ebenfalls 48 Punkte auf ihrem Konto hatten – fünf wurden am Ende Dritter, zwei Vierter. Nur Borussia Dortmund belegte nach der Saison 2009/10 den fünften Tabellenplatz. Für einen Europapokalplatz reichte es also allemal, genauso für die vier Teams, die zum selben Zeitraum 47 Punkte hatten.

Im Vergleich zur namhaften Konkurrenz hat Hertha zudem einen großen Vorteil. Anders als Klubs wie Schalke, Leverkusen oder Wolfsburg muss Hertha gar nichts. „Wir sind eine junge Mannschaft, wir haben keinen Druck“, sagte Stürmer Salomon Kalou. „Den Druck haben die anderen.“

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