Hertha BSC : Abstruse Kritik an einem Balljungen

Die Diskussion um das erste Gegentor von Hertha BSC bei der 0:2-Niederlage gegen Freiburg nimmt seltsame Formen an.

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Balljungen haben es nicht immer leicht.
Balljungen haben es nicht immer leicht.Foto: Imago

Natürlich war ein Balljunge Schuld an der Niederlage von Hertha BSC. Der Freiburger Fußballprofi Maximilian Philipp stand einst als Kind im Olympiastadion am Spielfeldrand. Am Sonntag erzielte der frühere Berliner dort den Treffer zum 0:2.

Die Diskussion um das erste Gegentor jedoch nahm abstruse Formen an. Die Reporter des übertragenden Senders Sky hatten im Analysewahn einen Schuldigen gesucht und gefunden: den Balljungen. Der hatte doch tatsächlich, als der Ball ins Aus ging, einem Freiburger flugs einen neuen zugeworfen. Einen Einwurf und Schnellangriff später lag der Ball im Hertha-Tor.

Doch nicht die verdutzten Berliner Verteidiger, der Junge am Rand stand in der Kritik, im Internet und einigen Medien. „Hertha-Balljunge leitet Freiburg-Sieg ein“, schrieb die „Bild“ online. Nicht mal mehr die Balljungen seien Hertha-Fans.

„Sicher hätte der Balljunge den Ball ein bisschen langsamer wieder ins Spiel bringen können“, sagte Hertha-Sprecher Peter Bohmbach am nächsten Tag, „aber deshalb kann man ihm keine Vorwürfe machen. Er hat nur seinen Job gemacht.“

Die Balljungen kommen im DFB-Regelwerk gar nicht vor, dort steht nur, dass der gastgebende Klub dafür zu sorgen hat, dass acht Ersatzbälle bereitliegen. Trotzdem rücken die Jugendlichen, meist selbst Nachwuchsfußballer, immer wieder mal von der Randlage in den Mittelpunkt.

Vor zwei Wochen machte Kevin De Bruyne Schlagzeilen. Der Wolfsburger Profi schimpfte einen Frankfurter Jungen, der ihm den Ball nicht schnell genug gab, „Motherfucker“. Dafür zahlte der Belgier 20 000 Euro Strafe. Dass es auch umgekehrt geht, behauptete Thomas Kraft. Der Hertha-Keeper klagte im vergangenen September in Augsburg: „Selbst der Balljunge beschimpft dich als Pisser.“ Torwartkollege Jens Lehmann bemängelte einst die Erziehung eines Kindes in Hannover, das den Ball über ihn hinweg geworfen hatte. Eden Hazard vom FC Chelsea sah dagegen Rot, als er einen Balljungen trat.

Dabei hat es sich bewährt, dass die Fifa die Helfer Mitte der Neunziger einführte, die effektive Spielzeit ist gestiegen. Sie verzögern das Spiel aber auch mal zum Nachteil der Gäste, selbst wenn die Heimklubs solche Anweisungen bestreiten.

Hertha lädt zu Heimspielen 20 Jungs aus Partnerstädten ein, inklusive Führungen und einer Schulung. Der zu Unrecht gescholtene Balljunge war ein 15-Jähriger aus Neuruppin, der die Nacht über im Netz Kommentare über sich lesen musste. Übrigens: Er ist großer Hertha-Fan.

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