Sport : Hertha BSC: Alex Alves und der falsche Einsatz (Kommentar)

Klaus Rocca

Herthas Frühform ist schon fast beängstigend. Selbst in Unterzahl wurde der HSV, nun wahrlich kein Nobody der Bundesliga, in Lübeck glatt an die Wand gespielt. 46:2 lautet das Torverhältnis nach den bisherigen fünf Testspielen, freilich auch gegen inferiore Gegner. Wie die Tore herausgespielt werden, wie der Ball läuft, in welcher körperlichen Verfassung sich die Spieler zweieinhalb Wochen vor dem Bundesligastart befinden - das imponiert. Besonders nach einer Saison, die spielerisch wenig erbaulich war und nur mit viel Glück nicht zum Reinfall wurde.

Und nun das, diese Rote Karte für Alex Alves. Nicht für irgendeinen Herthaner, nicht für einen Mitläufer, sondern für den teuersten Einkauf in der über 100-jährigen Vereinsgeschichte. Das trifft Jürgen Röber, der schon jetzt für seine Trainingserfolge viel Lob einheimst, hart. Zumal die Alternativen im Sturm so groß nicht sind. Ali Daei muss wochenlang für Irans Nationalmannschaft abgestellt werden, Piotr Reiss ist trotz seiner vielen Testspiel-Tore eher zweite Wahl. Da wird sich Manager Dieter Hoeneß wohl noch auf die Suche nach einem erstklassigen Stürmer machen müssen. Doch den findet man weitaus schwerer als einen Torhüter.

Alves hat mit seiner Unbeherrschtheit viel Schaden angerichtet. Es hatte den Anschein, als habe man versäumt, ihm zu sagen, welch zweitrangiger Wettbewerb dieser Ligapokal doch ist. Da wäre ein derartiger Einsatz, noch dazu außerhalb der Gesetze der Fairness, nicht angebracht gewesen. Dass er sich nun selbst ins Abseits manövriert hat, ist auf dem bislang so beschwerlichen Weg der Eingewöhnung für den Brasilianer ein bitterer Rückschritt.

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