Hertha BSC : Alexander Baumjohann: Der Künstler ist zurück

Alexander Baumjohann soll nach langer Verletzungspause mit überraschenden Aktionen und Pässen das Angriffsspiel von Hertha BSC beleben. In der Vorbereitung präsentiert sich der Offensivspieler bereits in ordentlicher Verfassung.

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Alexander Baumjohann dribbelt mit dem Ball am Fuß.
Nach dem Spiel gegen Eintracht Braunschweig am 32. Spieltag klagte Alexander Baumjohann wieder über Knieschmerzen und ließ die...Foto: dpa

Plötzlich grätscht John Heitinga dazwischen, so wie man es von ihm kennt, nur eben nicht auf dem Fußballplatz, sondern verbal, aus dem Nichts, mitten ins Gespräch hinein. „This is for you“, sagt der Verteidiger von Hertha BSC und stellt seinem Teamkollegen einen Pokal auf den Tisch. „Best player in today's practice“, ergänzt Vizeweltmeister Heitinga, dann ist er auch schon wieder weg. Alexander Baumjohann gibt dem Niederländer noch einen Klaps mit und lächelt. Weil Heitinga, erstens, der neue Stimmungsbeauftragte im Kader des Fußball-Bundesligisten ist. Und weil Alexander Baumjohann, zweitens, mit so viel Lob offenbar nicht viel anfangen kann. „In drei Wochen wird es ernst“, sagt der 27-Jährige, „dann müssen die Leistungen stimmen.“

Dass Baumjohann im Trainingslager in Schladming mit besonderem Interesse beobachtet wird, hängt unmittelbar mit seiner Vorgeschichte zusammen. Nach seinem Wechsel zu Hertha vor gut einem Jahr verdrängte der offensive Mittelfeldspieler in der Vorbereitung Aufstiegsheld Ronny, am vierten Spieltag zog er sich allerdings einen Kreuzbandriss zu, bis auf ein paar Kurzeinsätze an den letzten Spieltagen war die Saison damit gelaufen. „Für mich war das ein Schock“, sagt er heute, und die Verantwortlichen bei Hertha BSC müssen das damals ähnlich empfunden haben. Schließlich hatte Baumjohann in den ersten Pflichtspielen nachhaltig Eindruck hinterlassen. Wie sollte es nur ohne ihn gehen? Bekanntlich ging es erstaunlich gut, zumindest eine Halbserie lang.

So trainiert Hertha in Österreich
Verstärkte Kommunikation: Trainer Jos Luhukay im vollen Einsatz beim Training. Alexander Baumjohann (li.) und Peter Niemeyer hören zu.Alle Bilder anzeigen
1 von 8Foto: Imago
05.08.2014 15:42Verstärkte Kommunikation: Trainer Jos Luhukay im vollen Einsatz beim Training. Alexander Baumjohann (li.) und Peter Niemeyer hören...

Umso spannender bleibt die Frage, wie es mittlerweile um Baumjohanns Wohlbefinden bestellt ist. „Es ist immer das Gleiche“, sagt Trainer Jos Luhukay, „je länger man weg ist, desto länger braucht man auch, um wieder Topniveau zu erreichen.“ Baumjohann befindet sich diesbezüglich auf einem guten Weg, seine Bewegungen in den Trainingseinheiten wirken flüssig, in den aussagekräftigen Testspielen gegen Arnheim, Eindhoven und Sevilla stand er stets in der Startformation, auf seiner Lieblingsposition hinter den Spitzen. „Ich fühle mich von Tag zu Tag besser, am Knie spüre ich gar nichts mehr“, sagt der Mittelfeldspieler. Im Sinne der Prävention absolviert er zwar weiterhin Zusatzschichten zur Verbesserung des Muskelapparats und erhält physiotherapeutische Sonderbehandlungen, „aber gedanklich ist die Verletzung kein Thema mehr“.

Jos Luhukay hat Baumjohann nach seiner schweren Verletzung mit Bedacht aufgebaut

Gedanklich geht es für Baumjohann und Hertha in den nächsten Tagen und Wochen vor allem um eines: fußballerische Fortschritte. „Die ersten Wochen waren sehr intensiv, da haben wir richtig Kondition gebolzt“, sagt Baumjohann, „jetzt kommt es auf die Details an, auf die Verfeinerung der Spielzüge.“ Trainer Jos Luhukay hat Baumjohann nach seiner schweren Verletzung mit Bedacht aufgebaut. „Ich hätte gern früher gespielt, aber im Nachhinein bin ich froh, dass der Trainer gar nicht erst ein Risiko eingegangen ist“, sagt Baumjohann. Nun, da die volle körperliche Leistungsfähigkeit wiederhergestellt ist, steigen auch wieder die Erwartungen an seine Person.

Zumal Baumjohann nach aktuellem Erkenntnisstand der Mann sein wird, der die offensive Spielgestaltung verantwortet, und da hakte es zuletzt doch ein bisschen. „Wir dürfen nicht vergessen, dass wir mit Adrian Ramos einen Spieler verloren haben, der bei normaler Form 15 Tore pro Saison garantiert“, sagt der Mittelfeldspieler, „aber wir haben jetzt andere Spieler vorn, die für viele Tore gut sind.“ Sofern sich denn Fortschritte im Zusammenspiel mit den Spitzen einstellen. Exakte Pässe, das ist Baumjohanns primärer Zuständigkeitsbereich. Der 27-Jährige ist gewissermaßen der Künstler im Team, seine Laufwege sind bisweilen zwar überschaubar, aber das rechtfertigt er wiederum mit überraschenden und kreativen Aktionen.

Und die Zielstellung für die Saison? „Ich hoffe einfach, dass ich gesund bleibe“, sagt Baumjohann, „alles andere ergibt sich von selbst.“ An Selbstbewusstsein fehlt es ihm nicht.

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