Sport : Hertha BSC: Ambitionen im Ausland

Thomas Roser

Wenn die Vorzeichen nicht trügen, ist Hertha BSC mit der Verpflichtung des belgischen Nationalspielers Bart Goor ein Glücksgriff gelungen: Der Mittelfeldspieler hat in den vergangenen zwei Jahren sowohl in der Nationalelf als auch im Verein konstant starke Leistung geboten. Der Transfer sei perfekt, meldete Dienstagabend die belgische Nachrichtenagentur Belga. Bestätigt wurde allerdings nicht, dass Goor in Berlin einen Fünfjahresvertrag mit zwei Millionen Mark Gehalt pro Jahr erhalten soll. Zuvor war bekannt geworden, dass Hertha zwischen elf und zwölf Millionen Mark für Goor zahlen wollte, der Brüsseler Klub jedoch 15 Millionen Mark forderte.

Zum Thema Online Spezial: Hertha BSC
Bundesliga aktuell: Ergebnisse und Tabellen
Tipp-Spiel: Wer wird Deutscher Meister? Seit Tagen hatten sich rund um den Brüsseler Astridpark die Spekulationen um den Wechsel des 28-jährigen Flamen von Rekordmeister RSC Anderlecht zu Hertha verdichtet. "Ich habe bei Anderlecht vier schöne Jahre erlebt. Nun habe ich die Ambition, im Ausland auf einem höheren Niveau zu spielen", sagte Goor. Hertha sei ein Spitzenclub und Berlin eine interessante Stadt. "Der Verein kann sich immer noch für die Champions League qualifizieren."

Mit seinen starken Auftritten in der Champions League ist dem ebenso ballfertigen wie laufstarken Goor in dieser Saison endgültig der Durchbruch auf dem internationalen Fussballparkett geglückt. Im Verein und in der Nationalelf zählte der 1,83 Meter große Spieler seit zwei Jahren zu den festen Größen. Doch obwohl ihm im Eröffnungsspiel der EM gegen Schweden der erste Treffer für Belgien gelang, hat ihm wohl erst der unerwartet lange Triumphzug von Anderlecht in der Champions League den begehrten Auslandstransfer nach Berlin beschert. Bei den überraschenden Siegen gegen Spitzenclubs wie Kiew, Eindhoven, Manchester, Lazio Rom und Real Madrid zählte der Limburger auf der linken Außenbahn zu den besten Spielern. "Bei den Spielen in der Champions League habe ich unheimlich viel gelernt," sagt der Nationalspieler (24 Einsätze). "Vor allem physisch haben mir diese Begegnungen viel gebracht."

Als Linksaußen hatte Goor seine Profikarriere beim Zweitligisten Verbroedering Geel begonnen, bevor er 1996 zum RC Genk wechselte. Dort wurde er zum Mittelfeldspieler umgeschult. Die Leistungen des Mannes aus der flämischen Provinz blieben auch den Spähern des damals in eine sportliche Krise geratenen Rekordmeisters aus der Hauptstadt nicht verborgen. Schon ein Jahr später wechselte Goor zum RSC Anderlecht, wo er er mit seinen spektakulären Flankenläufen, Einsatzwillen, Spielintelligenz, Ballbehandlung und Torgefährlichkeit die kritische Hauptstadtpresse bald von seinen Qualitäten zu überzeugen wusste. Sturmkollegen wissen ihn für seine präzisen Flanken und als Ideengeber zu schätzen, doch auch für die Abwehrarbeit ist sich Goor nicht zu schade. Mit einer nahezu perfekten Vorstellung verstand es der Flame, beim letzten Heimspiel der Nationalelf im März gegen San Marino (10:1) selbst die sonst eher phlegmastischen belgischen Fans zu begeistern: Zwei Treffer erzielte er selbst, sechs bereitete er vor. "Unglaublich", kommentierte er das Spiel seines Lebens: "Heute kam praktisch jede Flanke an."

Erst als Herthas Manager Dieter Hoeneß sein Anfangsgebot von elf Millionen Mark für den eigentlich noch bis 2006 in Anderlecht unter Vertrag stehenden Goor erhöhte, stimmten seine Brüsseler Verhandlungspartner dem Transfer zu. Zum harten Verkaufspoker hatte Anderlecht angesichts der großen Zahl der Interessenten guten Grund. Neben dem tschechischen Stürmer Jan Koller, der voraussichtlich nach England zum FC Fulham wechseln wird, war Goor der begehrteste Spieler aus dem Anderlecht-Team dieser Saison. Außer Ajax Amsterdam mühten sich auch einige britische Teams um die Dienste des umgänglichen Belgiers.

Im vergangenen Jahr scheiterte ein Transfer zum englischen FC Sunderland im letzten Moment. Als "optimal" bezeichnet Goor nun den Zeitpunkt seines Auslandwechsels: "Ich fühle mich reif und bereit, diesen Schritt jetzt zu tun." Wie sein Vereinskollege Didier Dhedene, der in der nächsten Saison für 1860 München spielen wird, hofft der Belgier in der Bundesliga ähnliche Erfolge feiern zu können wie seine Landsleute Marc Wilmots (nun Bordeaux), Emile Mpenza oder Nico van Kerkhoven bei Schalke 04. Goor: "Ich habe das Gefühl, dass mir die Bundesliga liegen wird."

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben