Sport : Hertha BSC: Analyse eines Zusammenbruchs

Andre Görke

Sonntagmorgen, zehn Uhr: Die Spieler von Hertha BSC traben um den Schenkendorffplatz hinter dem Olympiastadion. Trainer Jürgen Röber steht auf dem Trainingsplatz und spricht mit Mannschaftskapitän Michael Preetz. Röber gestikuliert, die Arme rudern, Preetz hört zu. Eine knappe halbe Stunde dauert das Krisengespräch. Um elf Uhr schickt Röber die Stammspieler unter die Dusche.

Der Tag danach. Erklärungsversuche nach Herthas 0:4 in Hamburg: Der HSV war angeschlagen, sagt Röber. "Diese Situation muss ich ausnutzen und gleich in Führung gehen. Dann werden die noch unsicherer." Es kam bekanntlich anders. Preetz vergab Herthas erste Chance, Hamburg ging später 1:0 in Führung. "Wir brechen dann zusammen", sagt Röber. Am Ende hatte Hertha BSC 0:4 verloren. "Eine richtige Klatsche", findet Röber.

"Wir haben die Fehlerquellen analysiert", sagt Manager Dieter Hoeneß. Ihm stand der Ärger ins Gesicht geschrieben."Gegen Köln haben wird das umgesetzt. In Hamburg haben wir dann für ein Auswärtsspiel auch eine halbe Stunde gut gespielt." Davon sei später nichts mehr zu sehen gewesen. Hoeneß beklagt die fehlende "professionelle Einstellung". Jürgen Röber sagt: "Wenn ich spiele, dann zerreiße ich mich auch. Für den Verein, für die Mannschaft. Das war früher unsere Stärke." Hertha war schon einmal weiter, meint Hoeneß.

Trainer Jürgen Röber will beim Europapokalspiel am Dienstagabend in Stavanger reagieren. Namen nennt er nicht. Als das Training beendet ist, verschwindet Dick van Burik in der Kabine. Minuten später fährt er kommentarlos in seinem Auto davon. Einiges spricht dafür, dass der Abwehrchef draußen sitzen wird. Joe Simunic wäre in der Defensive eine Alternative. Er ist wieder fit.

Normalerweise dauert es nicht lange, bis jemand auf die Idee kommt, dass für all die Niederlagen der Trainer verantworlich sei. Dieter Hoeneß sieht die Schuld bei den Spielern. Jürgen Röber habe die Mannschaft taktisch hervorragend eingestellt. Die Trainerfrage stellt sich nicht. "An der Einstellung der Mannschaft kann man arbeiten. Ich schaue da jetzt genau zu", sagt Hoeneß. Diejenigen, die auf der Bank Platz nehmen müssen, werden die Konsequenzen spüren. Die Verträge seien stark leistungsbezogen. "40 Prozent Prämien, 60 Prozent Fixum", sagt Hoeneß. "Ich warne jeden, der nicht bereit ist mitzuziehen."

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