Sport : Hertha BSC: Angst vor der Angst

Karsten Doneck / Robert Ide

Bei Hertha BSC passierte am Montag wenig. Kein Training, die Fanbetreuung war geschlossen. Wegen Renovierungsarbeiten. Vielleicht würde ein Neuanstrich dem ganzen Verein gut tun. Im Umfeld der schwach gestarteten Herthaner werden Stimmen laut, die sich einen neuen Trainer wünschen. Die Vereinsführung betont, Röber stehe auch nach dem 0:0 beim VfB Stuttgart nicht zur Disposition. Auch im Falle weiterer Niederlagen nicht.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de "Sicher haben wir einen Scheißstart hingelegt", sagt Röber, "aber von der Debatte über meine Position lasse ich mich nicht verrückt machen." Der Trainer hat Erfahrungen gesammelt. Vor drei Jahren spielte Hertha in der Champions League, Röber saß im Flugzeug nach Barcelona. "In der Bundesliga waren wir Neunter, da erfuhr ich aus der Zeitung, dass ich zur Diskussion stehe."

Erklärungsversuche. Doch Fragen bleiben. Was ist mit Herthas Angriff los, der nur fünf Tore in fünf Spielen erzielte? Warum macht die Abwehr - vor der Saison nicht verstärkt - immer neue Fehler? Weshalb schlagen Millionen-Einkäufe wie Bart Goor nicht ein? "Wir befinden uns in einer Entwicklung", erklärt Manager Dieter Hoeneß. "Wir werden auch künftig Rückschläge erleiden. Wie wir die verdauen, darin zeigt sich unsere Qualität." Derzeit scheint das nicht zu klappen. Die Spieler haben Angst. Röber: "Im Moment ist das alles Kopfsache." Hinzu kommen Ausfälle. Vor dem Spiel in Stuttgart war es leer auf dem Trainingsplatz. Sieben Profis waren abgestellt für Nationalmannschaften, vier oder fünf verletzt. Herthas Nationalspieler waren zuletzt oft im Einsatz - und oft erfolglos. Da findet es Hoeneß "kein Wunder, dass die verunsichert sind."

Kann der Trainer etwas dafür? Röber hat die Mannschaft aus der Zweiten Liga in die Bundesliga und die Champions League geführt. Doch seit der letzten Saison, als Hertha mit Ach und Krach einen Uefa-Cup-Platz erreichte, herrscht Stagnation. Die "beste Hertha aller Zeiten", wie sie Hoeneß bejubelte, ist Tabellenzwölfter. Dient den Spielern vielleicht die Diskussion um die Krise als Alibi? Wenn der Trainer sowieso immer schuld ist, warum sich dann selbst aufbäumen? "Die Spieler können sich nicht hinter dem Trainer verstecken", heißt es aus der Vereinsführung. Röber werde nicht entlassen, "auch wenn er noch drei Mal verliert."

Wenn es aber nicht am Trainer liegt - dem so mancher nicht den ganz großen Sprung nach oben zutraut -, was ist dann die Ursache für die Verunsicherung? Angst vor der Angst? Rückblende. Heimspiel gegen Cottbus: Hertha stürmt, geht in Führung - und dann? "In der ran-Datenbank stand, dass wir nur 44 Prozent der Zweikämpfe gewonnen haben", sagt Hoeneß. Abwehrfehler, Fehlpässe, nach dem Rückstand kein Aufbäumen. Endstand: 2:3. In Stuttgart blieb Hertha ohne Torchance, ohne Biss.

Es gibt wenig zu berichten von Hertha BSC. Nächste Woche öffnet die Fanbetreuung. An den Wänden hängen dann neue Tapeten.

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