Sport : Hertha BSC: Attacke zwischen Marmelade und Rührei

Michael Rosentritt

So ein Frühstück am späten Vormittag kann die unterschiedlichsten Gefühle wecken. Sogar längts verloren geglaubte. Schön in der Maisonne - traumhaft. Wird sich anfangs auch der eine oder andere Fußballer von Hertha BSC gedacht haben. Nur kreuzte plötzlich Dieter Hoeneß auf, der Manager des Vereins.

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Tipp-Spiel: Wer wird Deutscher Meister? Der setzte sich neulich mit an den Tisch der Fußballer, weil es mal wieder die Situation erforderte. Die Situation ist nämlich die: Sonnabend empfängt Hertha BSC zum letzten Heimspiel der Saison Bayer Leverkusen. Und wenn Hertha "das Saison-Maximalziel" (Hoeneß) erreichen will, also eine Startberechtigung für die Champions League, dann muss dieses Spiel gewonnen werden. Unbedingt. Aber das ist nach den jüngsten Eindrücken nicht unbedingt das Wahrscheinlichste. "Wir erleben ein echtes Finale im Kampf um die Qualifikation zur Champions League. Da muss man nicht viele Worte verlieren. Jeder weiß selbst, worum es geht", sagt Hoeneß. "Die Rechnerei hat ein Ende. "Für uns kann es nur eine Ausrichtung geben - Attacke." Das hat Hoeneß also seinem teurem Personal zwischen Marmelade und Rührei verklickert. Wer Hoeneß halbwegs kennt, kann sich ausmalen, dass das nicht gerade zur allgemeinen Gemütlichkeit beigetragen haben muss.

Hoeneß jedenfalls hatte die Idee mit dem gemeinsamen Frühstück (Hoeneß: "von unserem Trainer-Gespann") gern aufgegriffen. Wissen Sie, erzählt er, "es ist zwar kein Spiel um die finanzielle Existenz, aber wirklich große Mannschaften können eine solche Situation simulieren." Hoeneß simuliert sie für Hertha. Es geht um die Teilnahme am Geldvermehrungswettbewerb genannt Champions League, alles andere bringt keinem weiter. "Das Ziel ist lohnenwert", sagt Hoeneß, da müsse jetzt mal alles andere links und rechts runterfallen. "Tunnelblick" nennt Hoeneß das. Jeder möge sich aufs große Ziel konzentrieren, bei aller Schwierigkeit. "Für die Spieler ändert sich doch finanziell nichts, ob sie nun im UI-Cup oder in der Champions League spielen." Von der Geldmenge her ließe sich "dieser Unterschied nicht herausarbeiten, wie es eigentlich sein müsste. Wir können die Spieler also nicht beim Geld packen. Es ist eine Frage der Ehre."

In seiner Stimme brummt Enttäuschung nach. Die Enttäuschung vom 0:1 in Freiburg am vergangenen Sonntag. "Das habe ich noch nicht vergessen", sagt er. Die Mannschaft habe dort recht ordentlich gespielt, "aber in unserer Situation reicht ganz ordentlich eben nicht." Am Frühstückstisch wurde noch andere unschöne Dinge angesprochen vom Manager, etwa die "mangelnde Fähigkeit, in entscheidenen Spielen die big points zu machen". Aber eigentlich ging es dem Manager darum, "den Glauben an die eigene Stärke zu entwickeln".

Ganz so leicht fällt das nicht, meint jedenfalls Trainer Jürgen Röber. "nach Freiburg waren wir angeschlagen. "Schon die Körpersprache war nicht die, die ich von meinen Spielern erwarte. Ich erwarte eine Wiedergutmachung." Vor 56 500 Zuschauern. Vielleicht kommen noch einmal 3500 dazu. "Wir bemühen uns darum", sagt Röber. "Die Zuschauer sind jetzt ganz wichtig. Sie haben uns hier nach oben gebracht. Wir brauchen deren Begeisterung."

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