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Hertha BSC - Bayern München 0:1 : Bayerns Dominanz schlägt Herthas Kampfgeist

Gut mitgehalten, gekämpft - aber zu wenig für eine Überraschung: Hertha BSC verliert denkbar knapp gegen den FC Bayern München. Dabei überzeugte die Mannschaft von Trainer Jos Luhukay gegen den Rekordmeister vor allem mit einer Qualität...

Michael Rosentritt
Tor des Tages: Arjen Robben bejubelt seinen Treffer gegen die Hertha.
Tor des Tages: Arjen Robben bejubelt seinen Treffer gegen die Hertha.Foto: dpa

Die Ungemütlichkeit des nasskalten Nachmittags rückte immer weiter in den Hintergrund. Zehn Minuten waren noch zu spielen, da wurde eine kleine Sensation immer greifbarer. Nur ein einziges Törchen fehlte der Mannschaft von Hertha BSC am großen Coup. Bis zum Schlusspfiff hielt Hertha im mit  76 197 Zuschauern ausverkauften Olympiastadion die Hoffnung am Leben, dem FC Bayern München wenigstens einen Punkt abjagen zu können. Doch der Deutsche Meister brachte die dünne Führung ins Ziel.  

Die Münchner bleiben damit auch nach 13. Spieltagen unbezwungen und dem Rest der Liga entrückt. Für die Berliner hingegen hat das happige Restprogramm bis Weihnachten zwar mit der siebenten - einer durchaus erwartbaren - Saisonniederlage angefangen. Aber es war eine, die der Mannschaft von Jos Luhukay für die kommenden Aufgaben Mut und Zutrauen spenden sollte. Es hätte weit schlimmer kommen können für die Berliner, die den Münchnern insbesondere in der ersten Halbzeit in allen Belangen hoffnungslos unterlegen waren. Doch die Dominanz, die Überlegenheit der Bayern sollte sich letztlich nicht im Ergebnis darstellen, allein im ersten Abschnitt hätte die Mannschaft von Pep Guardiola locker ein halbes Dutzend Tore erzielen können und nicht dieses eine mickrige von Arjen Robben. Mitte der ersten Halbzeit hatte der Niederländer mit einem Schlenzer von der Strafraumgrenze das 1:0 erzielt, für Robben war es das sechste Saisontor.

Lewandowski vergibt Riesenchance

Was war nicht alles unter der Woche diskutiert worden, wie den Bayern beizukommen wäre, unter welchen Umständen das scheinbar Unmögliche doch irgendwie möglich gemacht werden könne. Es war ja nicht viel, was da als Mutmacher im Sinne der Berliner aufgelistet werden konnte. Und so griff dann Jos Luhukay zunächst zum Naheliegenden: Herthas Trainer schickte eben jene Startelf ins Geschehen, die vor einer Woche den so kostbaren Auswärtssieg beim 1. FC Köln erkämpft hatte.

Doch die ersten Spielminuten zeigten, wie knüppeldick es hätte kommen können. Der Sekundenzeiger hatte keine zwei Umdrehungen vollbracht, da verfehlte Robert Lewandowski denkbar knapp das Berliner Tor. Der polnische Weltstürmer traf die scharfe Hereingabe von Thomas Müller nicht richtig. Müller, wie auch Mario Götze, die Guardiola noch unter der Woche in der Champions League gegen Manchester City geschont hatte, veranstalteten so manchen Wirbel auf dem Rasen des Olympiastadions. Nach nicht einmal fünf Minuten hatten die Bayern ihren für den Gegner so frustrierenden Passmaschinen-Modus eingeschaltet. Das führte dazu, dass die Bayern einen gefühlten Ballbesitz von um die 90 Prozent erreichten. Wobei bemerkt werden muss, dass die Berliner, so sie denn mal im Ballbesitz waren, damit beschäftigt waren, den Ball irgendwie hinten raus zu schlagen. Nicht ein konstruktiver Angriff gelang ihnen im ersten Abschnitt.

Hertha BSC überzeugte zumindest kämpferisch

Immer wieder rolle eine Angriffswelle nach der anderen auf das Tor von Thomas Kraft. Es sah aus, wie wenn die Bayern ein Trainingsspielchen gegen die eigenen B-Jugend abhielten würden. So butterweich glitten ihre Ballstafetten durch die doppelte Viererkette, die die Berliner vor ihr Gehäuse eingezogen hatten. Doch ebenso lax gingen die Münchner mit ihren zahlreichen Chancen um. Herthas Plan schien an diesem Nachmittag zu sein, die Angriffe des übermächtigen Gegners irgendwie ohne Gegentor zu überstehen, um dann mit einem weiten Schlag von hinten raus das dominante Mittelfeld der Bayern zu überbrücken und den Ball in die gegnerische Hälfte zu bringen. Sonst war da für sie nämlich lange Zeit kein Hinkommen.

Man muss den Berlinern zu Gute halten, dass sie sich nach der Pause nicht willenlos der drohenden Niederlage hingegeben haben. Zumindest kämpferisch überzeugten sie in der zweiten Halbzeit. Sie versuchten es nach Kräften, die Räume in der eigenen Defensive zu verdichten, um weiteres Ungemach vom eigenen Tor abzuhalten. Das gelang ihnen bisweilen recht gut sogar. Zu Beginn der zweiten Hälfte gelang Julian Schieber sogar ein erster Schuss Richtung Bayern-Tor. Der Ball ging weit vorbei. Manuel Neuer musste sich anderweitig warmhalten. Er hüpfte dann und wann zwischen Mittellinie und Strafraumgrenze umher.

Es reichte nicht für die Sensation

Doch der knappe Rückstand ließ Hertha Witterung aufnehmen, mit zunehmender Zeit wurde der Gastgeber mutiger. Die Bayern drehten in der Offensive zu viele Kringel, was es Herthas Hintermannschaft um die beiden wachsamen Innenverteidiger Jens Hegeler und John Brooks zwischenzeitlich recht leicht machte. Und so ergaben sich einige Kontermöglichkeiten für die Berliner, doch in die gefährliche Zone brachten sie es dann doch viel zu selten.

Jos Luhukay reagierte noch einmal. Er brachte Salomon Kalou und Ronny für Schieber und Änis Ben-Hatira. Und gleich im Anschluss hatten die beiden fast den Ausgleich erzielt. Kalou verpasst denkbar knapp eine Hereingabe Ronnys. Später kam noch Genki Haraguchi für Valentin Stocker. Zehn Minuten vor dem Ende hielt dann Kraft seine Mannschaft weiter im Rennen. Herthas Torwart verhinderte gegen den freistehenden Lewandowski das mögliche 0:2. Und noch einmal mobilisierten die Berliner ihre letzten Kräfte. Doch für eine Sensation reicht es dann doch nicht.

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