Hertha BSC beim VfL Wolfsburg : Mit Gott und Weiser zum Auswärtssieg

Beim spielstarken VfL Wolfsburg will Hertha BSC nicht nur reagieren. Lässt Pal Dardai Angreifer Vedad Ibisevic von Beginn an auflaufen?

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Beißt er sich durch? Mitchell Weiser (l.) steht nach einem Zehenbruch gegen den VfL Wolfsburg zumindest schon wieder im Kader.
Beißt er sich durch? Mitchell Weiser (l.) steht nach einem Zehenbruch gegen den VfL Wolfsburg zumindest schon wieder im Kader.Foto: dpa

„Der liebe Gott hat heute nicht gewollt, dass wir hier einen Punkt mitnehmen.“ Mit diesem Satz hat sich Pal Dardai an jenem Sonntag im Februar 2015 aus Wolfsburg verabschiedet. Seine Mannschaft, die er kurz zuvor von Jos Luhukay übernommen hatte, musste sich dem späteren Vizemeister mit 1:2 geschlagen geben. Hertha war damals nah dran an einer Überraschung. An diesem Samstag aber, sieben Monate und eine Spielzeit später, wenn die Berliner erneut beim VfL antreten, soll sie gelingen. Sagt Dardai. „Aber dafür brauchen wir einen guten Tag.“

Nach Borussia Dortmund ist der VfL Wolfsburg der bisher spielstärkste Gegner für Berlins Bundesligisten. In der vergangenen Saison spielte nur Mönchengladbach eine erfolgreichere Rückrunde als der VfL. Einem solchen Gegner kann man nur mit einem konkreten Ansatz beikommen.

In Dortmund ging das für die Mannschaft von Dardai noch nicht auf, obgleich Hertha zwischenzeitlich durchaus die Chance besaß, etwas Zählbares mitzubringen. Herthas Trainer hatte vor allem personell auf die besonderen Waffen der Dortmunder, also deren Schnelligkeit, reagieren wollen. Er setzte auf Kompaktheit und Tempogegenstöße. Bei gegnerischem Ballbesitz spielte Hertha ein kompaktes 5-4-1-System, wobei sich Kapitän Fabian Lustenberger vom defensiven Mittelfeld in die Vierer-Abwehrreihe fallen ließ. Gegen Wolfsburg wird Dardai wohl wieder zu seinem bewährten System greifen, das er in Dortmund noch auf den Kopf gestellt hatte. „Wolfsburg zeichnet eine andere Spielfähigkeit aus als Dortmund. Die Dortmunder leben von ihren schnellen Spielern“, sagt Berlins Trainer.

Der VfL Wolfsburg spielt nicht nicht so draufgängerisch wie der BVB

Wolfsburg agiere mehr aus Ballbesitz heraus, aber nicht so draufgängerisch wie die Borussia. Allerdings vollführen die Wolfsburger gerade einen kleinen Stilbruch. Trainer Dieter Hecking verpasste seiner Mannschaft nach dem Weggang Kevin De Bruynes ein offensives 4-1-4-1-System. Gegen ZSKA Moskau am vorigen Dienstag in der Champions League etwa liefen gleich fünf nominelle Angreifer auf. Dardais Assistenztrainer Rainer Widmayer war vor Ort, beide haben eine Spielstrategie ersonnen. „Egal, wie sie spielen, wir werden vorbereitet sein. Das wird schon funktionieren“, sagt Dardai.

Personell wird er Umstellungen vornehmen müssen. Die angeschlagenen John Anthony Brooks und Roy Beerens fuhren erst gar nicht mit nach Wolfsburg, und auch der Einsatz von Mitchell Weiser nach seinem Zehenbruch als rechter Verteidiger erschien lange fraglich, mittlerweile steht er wieder im Kader. Erste Alternative für ihn wäre Neuzugang Niklas Stark, der erstmals ein ganze Woche mit dem Team trainiert hat. Dardai sagt: „Er ist ein Rohdiamant mit seinen 20 Jahren – er ist körperlich und mental sehr weit. Er braucht Erfahrung, dann wird er seinen Stammplatz haben.“ Interessant dürfte sein, ob Dardai das Wagnis eingeht und in Vedad Ibisevic einen zweiten Stürmer neben Salomon Kalou aufbietet. Im Februar bot er in Wolfsburg zwei Stürmer auf.

Hertha BSC mit positiver Bilanz gegen Wolfsburg

Auch wenn der VfL Wolfsburg vier der letzten fünf Duelle mit Hertha gewinnen konnte, so waren diese Spiele meist sehr eng und hätten einen anderen Ausgang nehmen können. Überhaupt scheint der VfL den Berlinern zu liegen, die Bilanz gegen die Niedersachsen ist sogar positiv. Von 32 Spielen konnte Hertha 14 gewinnen, der VfL neun. Herthas letzter Sieg datiert aus dem September 2014, ein Heimspiel. Im März 2010 und im Oktober 2011 konnte Hertha in Wolfsburg gewinnen.

Wolfsburg habe wieder eine andere, höhere Qualität, sagt Dardai, aber auch sein Team habe an Spielkultur gewonnen. „Wir werden nicht nur da sein, um zu reagieren, wir wollen auch agieren“, sagt Dardai. Vielleicht spielt dann ja auch der liebe Gott mit.

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