Hertha BSC : Berliner Gereiztheit

Vier sieglose Spiele in Folge haben ihre Spuren bei Mannschaft und Trainer von Hertha BSC hinterlassen, wie sich nach dem 3:1-Sieg gegen den FSV Mainz 05 zeigte.

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Pfiffe nach dem Sieg. Die Mannschaft zierte sich, mit den Fans zu feiern.
Pfiffe nach dem Sieg. Die Mannschaft zierte sich, mit den Fans zu feiern.Foto: dpa

Nach dem Sieg gab es Pfiffe. Der Grund dafür war die Mannschaft von Hertha BSC, die sich zierte nach dem 3:1-Sieg gegen Mainz zum Feiern in die Ostkurve im Olympiastadion zu gehen. Viele Fans bekundeten daraufhin schrill ihren Unmut, wie schon beim 0:1-Pausenstand. Schließlich ergriff Herthas Kapitän Fabian Lustenberger ein Mikrofon und redete auf die Ostkurve ein. Der Inhalt war schwer verständlich. Am Ende jedenfalls feierten die Fans die Mannschaft.

Hinterher wollte Lustenberger nicht verraten, was er gesagt hatte. „Das bleibt zwischen den Fans und uns.“ Aber der Vorgang zeigte eine Gereiztheit bei Hertha, die durch den Sieg nicht ganz verschwand. Denn auch Trainer Jos Luhukay wehrte sich nach dem Spiel emotional gegen Kritik an seiner Mannschaft und seiner Person. Vier sieglose Spiele hatten Spuren hinterlassen, ebenso die zuletzt negative Stimmung rund um die Mannschaft und auch die Pfiffe zur Halbzeit.

„Das war ein Thema in der Kabine“, berichtete Verteidiger Sebastian Langkamp. „Da drohte die Stimmung im Stadion zu kippen.“ Das drohte auch, als die Mannschaft, offenbar gekränkt, nach dem Spiel auf Distanz zur Kurve blieb. Die Pfiffe seien „schade“, fand Langkamp, „Heimspiele müssen ein Vorteil für uns sein“. Gut, dass Lustenberger offenbar schlichtete. „Wir haben uns versöhnt“, sagte Langkamp. „Wir gewinnen gemeinsam und wir verlieren gemeinsam.“

Herthas Aufholjagd in Bildern
Im Mittelpunkt: Sami Allagui (4.v.l.), zur Halbzeit eingewechselt, drehte das Spiel mit zwei Treffern.Alle Bilder anzeigen
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28.09.2013 18:32Im Mittelpunkt: Sami Allagui (4.v.l.), zur Halbzeit eingewechselt, drehte das Spiel mit zwei Treffern.

Jos Luhukay hat offenbar einen anderen Eindruck. Hinterher wirkte er noch aufgewühlt von der Kritik an ihm nach dem Pokal-Aus in Kaiserslautern. „Wenn wir gewinnen, hat der Trainer alles richtig gemacht, wenn wir verlieren, alles falsch“, sagte er mit fast überschlagender Stimme. Luhukay verteidigte, dass er in Kaiserslautern neun neue Spieler aufgeboten hatte. „Ich bin kein Trainer, der ohne Strategie entscheidet, das war total gut überlegt“, sagte er, „die Mannschaft, die ich dort aufboten habe, könnte blind in der Zweiten Liga um den Aufstieg mitspielen.“ Insgesamt fühlt er Herthas Leistungen nicht genug gewürdigt. „Hier tun alle so, als wäre es eine Selbstverständlichkeit, dass wir drei der ersten vier Heimspiele gewinnen“, sagte er in Richtung der Fragesteller. Alle redeten nur davon, wie schlecht die erste Halbzeit und nicht von der guten zweiten Hälfte. „Wir schlagen doch keine Gegner im Vorbeigehen“, sagte er.

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