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Hertha BSC - Borussia Dortmund 2:1 : Zuhause ist es einfach am schönsten

Hertha BSC besiegt Borussia Dortmund vor 74.667 Zuschauern im ausverkauften Olympiastadion 2:1 - und freut sich über die Rückkehr von Mitchell Weiser.

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Gleich schlägt's ein! Marvin Plattenhardt jagt den Ball zum 2:1-Siegtreffer in die Maschen.
Gleich schlägt's ein! Marvin Plattenhardt jagt den Ball zum 2:1-Siegtreffer in die Maschen.Foto: dpa

Es war kurz vor fünf, als der freundliche Applaus von den Rängen in einen lauten Schrei überging: „…Weiser!“, riefen die Fans von Hertha BSC. Dann kehrte der Spieler mit der Nummer 23 auf den Rasen des Olympiastadions zurück. Und als wollte Mitchell Weiser gleich mal beweisen, dass er das gewisse Etwas hat, narrte er unmittelbar nach seiner Einwechslung einen Dortmunder per Hackentrick. Nicht nur wegen Weisers Rückkehr erlebte Hertha einen schönen Nachmittag. Der 2:1 (1:0)-Erfolg gegen Borussia Dortmund, der zehnte Sieg im zwölften Heimspiel, hat den Berliner Fußball-Bundesligisten wieder in Rufweite der Champions-League-Ränge gebracht. Der Abstand zum BVB auf Platz drei beträgt nur noch drei Punkte.

Ganze 25 Minuten stand Mitchell Weiser auf dem Feld, doch die reichten locker, um aller Welt zu zeigen, was Hertha während seiner Verletzungspause abgegangen war. Als die Berliner langsam müde zu werden schienen und Dortmund das Spiel besser in den Griff bekam, verlieh Weisers Einwechslung Hertha noch einmal neuen Schwung. „Da sieht man, was er für einen Unterschied macht“, sagte Trainer Pal Dardai. Weiser war gerade auf dem Platz, als er mit einem beherzten Sprint Dortmunds Verteidiger Matthias Ginter zu einem Foul nötigte und damit den Freistoß erzwang, den Marvin Plattenhardt aus 18 Meter zum 2:1-Endstand ins Netz wuchtete.

Plattenhardts Treffer genau ins Torwarteck war der spektakuläre Schlusspunkt eines spektakulären und von Beginn an höchst rasanten Spiels im ausverkauften Olympiastadion. André Schürrle, einer von vier Neuen in der Startelf des BVB, hatte schon nach etwas mehr als einer Minute die erste gute Gelegenheit. Von Shinji Kagawa perfekt frei gespielt, versuchte es der Nationalspieler mit einem Schlenzer – der Ball ging jedoch weit über das Tor. Kurz darauf setzte Ginter einen Kopfball über die Latte.

Im dritten Spiel gegen Dortmund in dieser Saison lag Hertha zum dritten Mal 1:0 vorn

Auch die Berliner benötigten keine lange Anlaufzeit. Genki Haraguchi versuchte es von der Strafraumgrenze, setzte den Ball aber weit am Tor vorbei. Für den Japaner sind solche Schwächen im Abschluss nicht ungewöhnlich. Ebenso wie für die Berliner insgesamt, die in dieser Saison noch kein einziges Kontertor erzielt haben – bis Ginter im Mittelfeld der Ball versprang. Vedad Ibisevic ging dazwischen, zog davon und bediente Salomon Kalou in der Mitte, der den Ball aus drei Metern nur noch über die Linie stupsen musste und Hertha damit im dritten Spiel dieser Saison gegen den BVB zum dritten Mal 1:0 in Führung brachte.

„Das macht die Dinge super kompliziert und sehr, sehr anstrengend“, sagte Dortmunds Trainer Thomas Tuchel. Hertha stand defensiv gut, bot den Dortmundern keine Tiefe, die sie für ihr Spiel so dringend brauchen – und wurde selbst immer wieder gefährlich. Kalou zwang Torhüter Roman Bürki mit einem Distanzschuss zu einer Flugeinlage, Raphael Guerreiro rettete nach einer Ecke auf der Torlinie, erneut gegen Kalou, und unmittelbar vor der Pause hechtete der Ivorer vergebens in eine Hereingabe Plattenhardts. Mit der Hahnenkammfrisur des Dortmunders Pierre-Emerick Aubameyang hätte er wohl das 2:0 erzielt.

Den Gabuner hatte Herthas Defensive bis dahin gut im Griff. Überhaupt war das Offensivspiel der Gäste, die es in ihrer Verzweiflung mit hohen Flanken probierten, in der ersten Hälfte von nicht allzu viel Esprit geprägt. Vor der Pause brachte der BVB keinen Ball auf Herthas Tor.

Nach der Pause nahm das Bedrohungspotenzial der Gäste deutlich zu. Aber auch Hertha hatte durch Per Skjelbred und Haraguchi gute Gelegenheiten, das beruhigende 2:0 zu erzielen. Stattdessen kamen die Dortmunder zum Ausgleich, als sie im Strafraum ihre fußballerische Klasse ausspielten. Der Ball flog mehrmals hin und her, ehe Aubameyang mit einem Schuss ins kurze Eck seinen 22. Saisontreffer erzielte. „So schnell, so schön – das Tor kannst du nicht verteidigen“, sagte Dardai. Unmittelbar danach hatte Hertha Glück, als Gonzalo Castro nach einem Konter die Gelegenheit zur Führung vergab. „In den entscheidenden Momenten haben uns die Effektivität und Präzision gefehlt“, sagte Tuchel.

Mit der Einwechslung Weisers traf Dardai eine strategisch wichtige Entscheidung. „Er kommt zum richtigen Zeitpunkt“, sagte Vedad Ibisevic, der für ihn vom Feld musste. Weiser machte viel Alarm und verschaffte seiner Mannschaft immer wieder Entlastung, als der BVB in der Schlussphase auf den Ausgleich drängte. „Es war ein perfekter Tag“, sagte er nach dem Schlusspfiff. „Das erste Spiel nach langer Zeit und dann so ein großer Heimsieg.“

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