Hertha BSC - Borussia Mönchengladbach 1:0 : Ramos entscheidet das verpasste Bruderduell

Adrian Ramos entscheidet mit einem Kopfballtor das Abendspiel der Bundesliga zwischen Hertha BSC und Borussia Mönchengladbach. Mit dem 1:0-Sieg verbessern sich die Berliner auf Platz vier - das dürfte auch Ronny trösten.

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Adria Ramos wurde mit seinem Kopfballtor zum entscheidenden Spieler des Abends für Hertha BSC.Alle Bilder anzeigen
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19.10.2013 21:01Adria Ramos wurde mit seinem Kopfballtor zum entscheidenden Spieler des Abends für Hertha BSC.

Jos Luhukay lässt sich wirklich keinen Hang zur Sentimentalität nachsagen. Als der Trainer von Hertha BSC fünf Minuten vor dem Spielende gegen Borussia Mönchengladbach die dritte Einwechslung vornahm, beorderte er Tolga Cigerci an die Seitenlinie. Ronny blieb weiter auf der Bank sitzen, das im Vorfeld viel diskutierte emotionale Wiedersehen mit seinem Bruder Raffael, mittlerweile Mönchengladbacher, fand also gar nicht statt; zumindest nicht auf dem Platz.

Ebenso kühl und überlegt zeigte sich die Berliner Mannschaft beim 1:0 (1:0)-Sieg, einem zähen Taktieren zweier gut organisierter Mannschaften. „Auch so kann man gewinnen, durch Stabilität und Sicherheit“, sagte Trainer Jos Luhukay. Und mit Adrian Ramos, der vor 61 539 Zuschauern das Siegtor köpfte. Emotional wurden dann die Fans, die nach Schlusspfiff vom Europapokal sangen.

Durch den vierten Sieg im fünften Heimspiel rückte der Aufsteiger in der Tabelle auf Platz vier, einen Champions-League-Platz, vor. „Die Tabelle können sich die Fans ausdrucken, mit ins Büro nehmen und jedem zeigen, der sie sehen will“, sagte Verteidiger Johannes van den Bergh. „Die Fans und die Stadt können euphorisch sein“, sagte Luhukay, „wir bleiben nüchtern.“ Der Trainer freute sich vor allem, dass die Defensive ihre Qualitäten zeigte, gerade vor dem schweren Spiel nächste Woche bei Bayern München.

Der Herthasieg im Spitzenspiel in Bildern
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19.10.2013 21:01Adria Ramos wurde mit seinem Kopfballtor zum entscheidenden Spieler des Abends für Hertha BSC.

Luhukay hatte in der Startelf eine Änderung vorgenommen: Lewan Kobiaschwili kam für Nico Schulz ins Team. „Wir haben unsere Spielweise geändert, wollten hinten in einem starken Block stehen“, sagte der Trainer. Sein Respekt vor Gladbach war groß, vor den Geschichten rund um das Spiel eher klein. Ronny blieb 90 Minuten auf der Bank. „Es zählt das Interesse der Mannschaft, nicht einzelner Spieler“, sagte Luhukay. Ronny eilte nach Abpfiff als erster in die Kabine.

Sein Bruder sorgte bei seinem ersten Auftritt im Olympiastadion ohne Hertha-Trikot gleich für Wirbel. Nach zwei Minuten schoss Raffael bereits aufs Tor, doch sein abgefälschter Schuss strich links vorbei. Kobiaschwili war auch mit einem Spezialauftrag ins Team gekommen, im Mittelfeld kümmerte er sich oft um Raffael. Ohnehin stand immer ein Berliner eng beim Brasilianer – dass er das nicht mag, ist aus Berliner Zeiten bekannt. Dennoch war er an der Entstehung einiger Gladbacher Torchancen beteiligt, die Arango und Kruse aber vergaben. Mit der Zeit schien Raffael die Sonderbehandlung jedoch zu frustrieren. Nach 36 Minuten dann ärgerte Hertha die Gladbacher: Skjelbred zirkelte einen Freistoß in den Strafraum, Gladbacher wie Berliner liefen Richtung Tor, nur Ramos stoppte ab, sprang hoch und köpfte den Ball in den Winkel – 1:0. Sein viertes Saisontor feierte der Kolumbianer mit einem Tänzchen an der Eckfahne. Die erste und einzige richtige Gelegenheit der ersten Hälfte führte gleich zum Treffer – das ist mal effizient.

Nach dem Seitenwechsel agierten die Gladbacher ein wenig offensiver, das gab Hertha die Gelegenheit zu schnellen Gegenangriffen. Kobiaschwili spielte einen Querpass auf Allagui, der die Chance jedoch vergab. Kobiaschwili eroberte viele Bälle und verteilte sie klug. Aber nach einer Stunde wurde er mit einer Prellung am Schienenbein ausgewechselt, Peter Niemeyer kam. Der war gleich am vermeintlichen 2:0 durch Ramos beteiligt, doch Niemeyers Pass ging eine angebliche Abseitsstellung voraus.

Die Berliner gewannen nun fast alle wichtigen Zweikämpfe und drängten die Gäste in die Defensive, vor dem Tor fehlte jedoch weiter die Präzision. Die offensiv harmlosen Gladbacher hatte Hertha aber im Griff. Gefährlich wurde nur der Gladbacher Martin Stranzl in der Nachspielzeit, als er für einen hohen Ellbogen in einem Kopfballduell Gelb-Rot sah.

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