Hertha BSC : Cicero, der treffende Regisseur

Cicero ist Herthas bester neuer Spieler in dieser Saison. Der Brasilianer ordnet das Spiel und schießt Tore. Die Berliner wollen ihn nun langfristig an sich binden.

Claus Vetter[Bochum]
VfL Bochum - Hertha BSC Berlin
Herthas neuer Torjäger. Cicero nach dem 3:0 in Bochum.Foto: ddp

Ja, die Brasilianer und der Schnee. Das Klischee vom südamerikanischen Fußballprofi, der nach seinem ersten mitteleuropäischen Winterspiel von der Kälte geradezu schockgefroren ist, dieses Klischee erfüllte Cicero Santos am Sonnabend. Abpfiff und Flucht: Nach dem Spiel beim VfL Bochum hetzte der brasilianische Mittelfeldspieler von Hertha BSC in Richtung Umkleidekabine. „Mir sind alle meine Zehen eingefroren“, sagte er. „Ich glaube, ich muss mir erst mal neue Schuhe kaufen.“

Cicero wollte tatsächlich erst einmal über das Wetter sprechen und nicht über das zurückliegende Bundesligaspiel, das Hertha immerhin 3:2 gewonnen hatte. Und wenn sich Cicero auch kalt erwischt sah – bei seinem ersten Spiel auf Schnee führte der 24 Jahre alte Profi gewohnt überlegt und souverän Regie. Er verteilte die Bälle auch durch die rieselnden Schneeflocken hindurch geschickt. Seine Sicherheit im Passspiel war wieder einmal erstaunlich: Die beiden ersten Tore von Hertha bereitete er vor, das dritte köpfte er dann selbst. Herthas Regisseur ist auch Herthas Torjäger. Fünf Tore hat er nun schon der Bundesliga erzielt, mehr als jeder andere seiner Berliner Kollegen. Die Bilanz von Cicero überrascht seinen Trainer nicht. Lucien Favre sagt: „Er geht viel in die Tiefe, läuft immer richtig in den Strafraum.“

Der Schweizer hat den Brasilianer auch zu seinem Elfmeterschützen auserkoren. Beim 1:1 in Dortmund hat Cicero schon souverän verwandelt. Kein Wunder, Cicero ist Experte in Sachen Strafstoß. Als sein ehemaliger Klub Fluminense aus Rio de Janeiro in diesem Jahr im Finale der Copa Libertadores, der südamerikanischen Champions League, nach Elfmeterschießen unterlag, war er der einzige Profi seiner Mannschaft, der einen Elfmeter verwandelte.

Cicero ist einer der Hauptverantwortlichen für Herthas rasanten Aufstieg, der sich trotz schwacher zweiter Halbzeit in Bochum – Hertha führte schon 3:0 – auch am Wochenende fortsetzte. Die Berliner haben sich nach 14 Spieltagen in der Spitzengruppe festgesetzt. Dass sich der junge Brasilianer so früh Führungsqualitäten erspielt, hätte selbst Dieter Hoeneß nicht erwartet. „Er marschiert, er macht Tore, es passt alles“, sagt Herthas Manager. Der vielseitige Spieler war nach dem Weggang von Landsmann Mineiro zunächst für die defensive Rolle im Mittelfeld angedacht, doch Cicero kann mehr.

„Cicero ist im Mittelfeld wesentlich offensivstärker als Mineiro“, hat Hoeneß gesagt, als er im Juli die Verpflichtung von Cicero bekanntgab. Der Manager kann für sich verbuchen, dass er den Brasilianer als seinen Wunschspieler von Fluminense geholt hat. Cicero war dabei ein Schnäppchen: Er ist bislang für 800 000 Euro pro Saison ausgeliehen, die Berliner haben eine Kaufoption für weitere vier Jahre und wollen diese ziehen. Verständlich. Denn der Brasilianer steht für eine Philosophie, mit der die Berliner nun viel Erfolg haben: Sie haben nicht die prominenten Namen eingekauft bei Hertha, sondern sie haben in jüngster Vergangenheit junge Spieler mit viel Potenzial geholt: Neben Cicero sind dabei Gojko Kacar oder Maximilian Nicu die belegenden Beispiele.

Dass die großen Stars bei Hertha fehlen, ist kein Nachteil. Die Berliner werden von der Gegnerschaft immer noch chronisch unterschätzt, das ist ein Vorteil für Hertha. Auch in Bochum hatte Trainer Marcel Koller zuvor einen Pflichtsieg gefordert – gegen die seiner Meinung nach zuvor in der Saison doch recht häufig glücklichen Sieger aus Berlin.

Mit Glück hat Herthas Spiel immer weniger zu tun, dafür mit viel Ordnung und Selbstbewusstsein. Cicero ist nach Berlin gekommen, weil er um einen Titel spielen will, sagt er. „Wenn ich auf den Platz gehe, dann will ich gewinnen.“ Herthas Stärke sei eine gute Stimmung innerhalb der Mannschaft. „Ich bin hier in Berlin sehr gut aufgenommen worden.“ Das Wetter, nun gut, daran wird er sich gewöhnen müssen. Ein so harter Bursche wie seine Mitspieler Pal Dardai und Maximilian Nicu muss er ja nun nicht gleich sein – die liefen beim Spiel in Bochum kurzärmelig auf.

Zum Glück für Cicero ist die erlösende Winterpause nur noch drei Bundesliga-Spieltage entfernt. Sein Ziel für das Restprogramm ist klar: „Da wollen wir noch dreimal gewinnen.“ Notfalls kann das Cicero auch im Schneetreiben, das hat er ja am Sonnabend in Bochum bewiesen.

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