Sport : Hertha BSC: Commando Nudelsuppe

AndrÉ Görke

Carsten Grab verzieht leicht angewidert das Gesicht. Zumindest, wenn Herthas Fanbeauftragter an die alten Zeiten denkt. Da kickte Hertha BSC in der 2. Bundesliga, stets unterstützt von einem Häuflein Fans, die das Berliner Olympiastadion zu einem Wallfahrtsort rechter Anhänger mutieren ließen. Hunderte Hertha-Anhänger begrüßten farbige Spieler lauthals mit Affenlauten, bei Schlachtrufen wurde der rechte Arm gehoben. Damit solle nun endgültig Schluss sein, sagt der 30-Jährige. Wie ein TÜV für political correctness untersucht er gegenwärtig die 631 Fanklubs von Hertha BSC. Wer weiterhin akzeptierter Fanklub bei Hertha sein will, muss sich mit den Statuten eines "Offiziellen Fan-Club" (OFC) einverstanden erklären.

Mittlerweile spielt Hertha BSC im Europa-Pokal und die letzten braunen Genossen verlieren sich zwischen Zehntausenden von Fans. "Die Situation ist glücklicherweise nicht mehr so extrem wie früher", sagt Herthas Fan-Beauftragter Grab. "Im Verhältnis zu Zweitliga-Zeiten nimmt die Zahl rechter Gewalt oder rechter Parolen prozentual ab." Und dennoch haben Hertha-Fans in der Öffentlichkeit immer noch einen rechten Ruf. Herthas Fanbeauftragter Grab will das Image der Fans nun aufpolieren.

In einem Rundschreiben in den vergangen Tagen fordert er die eingetragenen Fanklubs auf, den Status eines "Offiziellen Fan-Clubs" zu erlangen. Die Mitglieder eines OFC erklären sich einverstanden, politische Äußerungen und Handlungen zu unterlassen. Zudem stimmt der Fanklub zu, keinen Gebrauch von "pyrotechnischen Produkten", also Rauchbomben oder Bengalische Fackeln, zu machen. So steht es zumindest in den OFC-Statuten.

Doch viele Fans haben auf einen "OFC" keine Lust. "Wir sträuben uns dagegen", sagt Kay vom Fanklub "Commando Nord". Der Verein verfüge automatisch über alle Personalien, der Fan-Club sei voll und ganz kontrollierbar. Sicherlich sei der Grundgedanke gut. "Im Endeffekt aber wird damit Rechtsradikalismus auch nicht verhindert", sagt der 20-Jährige. Zudem sieht Hertha BSC vor, rechte oder militärische Namen nicht mehr zuzulassen. Kay versteht die ganze Hysterie nicht. "Das hat doch nichts mit einem Fanklub-Namen zu tun. Wir sind auch nicht rechts", beschwert sich Kay. Ändern lassen will er den Namen nicht. Sein Klub wird von anderen Hertha-Fans ohnehin schon mal "Commando Nudelsuppe" genannt.

Dass Hertha BSC schärfer gegen Rechstradikalismus durchgreift, hat der Fanklub "Berliner Front" in der vergangenen Saison spüren müssen. Ihr stark nationalbewusst angehauchtes Banner mit der altdeutschen Schrift auf schwarz-weiß-rotem Grund darf bei Spielen im Olympiastadion nicht mehr aufgehängt werden. Als vor zwei Jahren NPD-Flugblätter im Stadion auftauchten, konnte Hertha BSC nicht viel machen. Zwar habe der Bundesligist auf dem Stadiongelände Hausrecht, sagt Grab, "nicht aber vor dem Stadion, das ist öffentliches Straßenland". Die NPD-Verteiler sind nicht allein vor dem Stadion. Auch einige fliegende Händler streunern dort herum und versuchen rechte Devotionalien unter die Fans zu bringen.

Bei Borussia Dortmund glaubt Lothar Emmerich, erfolgreich gegen rechte Gewalt vorgegangen zu sein. Der ehemalige Borussia-Profi ist heute Fan-Beauftragter in Dortmund. Als Mitte der 80er Jahre die rechte Hooligan-Gruppe "Borussenfront" bundesweit gefürchtet war, "haben wir die Leute einfach persönlich angesprochen", erklärt Emmerich. "Wir haben denen klar gemacht, dass sie BVB-Fans sind und ihre rechte Meinung bei uns nichts zu suchen hat." Wie erfolgreich, war bei der Fußball-EM in Charleroi zu besichtigen. Dort zeigte sich die Borussenfront erneut. Die zweite Generation.

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