Hertha BSC : Das System Ronny

4-4-2- oder 4-2-3-1? Herthas Trainer Jos Luhukay macht die taktische Ausrichtung von Ronny abhängig. Auch gegen Duisburg wird der Brasilianer im Zentrum hinter einer Spitze auflaufen.

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Immer im Mittelpunkt. Ronny hat sich zu Herthas prägendem Spieler entwickelt.
Immer im Mittelpunkt. Ronny hat sich zu Herthas prägendem Spieler entwickelt.Foto: dpa

Berlin - In dieser ohnehin vertrackten Angelegenheit ist für Michael Preetz am vergangenen Wochenende ein neues Problem hinzugekommen. Der Manager von Hertha BSC muss nicht nur die knifflige Frage beantworten, ob und wenn ja zu welchem Preis er den Vertrag mit dem Brasilianer Ronny verlängern will. Preetz muss bei dieser Entscheidung jetzt auch die Vorliebe seines Trainers in Betracht ziehen. Jos Luhukay wurde vor dem Spiel seiner Mannschaft gegen den MSV Duisburg (ab13.30 Uhr im Liveticker) zu den Unterschieden zwischen dem 4-4-2- und dem 4-2-3-1-System befragt – was folgte, war ein einziger Lobgesang auf Ronny. Wenn Preetz seinen Trainer also nicht nachhaltig vergrätzen will, sollte er alles tun, um mit dem Brasilianer zu einem Vertragsabschluss zu kommen.

Als Ronny vor einer Woche beim Spiel in Dresden angeschlagen fehlte, hat Luhukay notgedrungen sein System umgestellt: vom bewährten 4-2-3-1 auf ein 4-4-2 mit den beiden Stoßstürmern Pierre-Michel Lasogga und Sandro Wagner. Für Herthas Trainer war das einer der Gründe, warum seine Mannschaft nach 21 Spielen zum ersten Mal wieder verlor. „Das 4-4-2 hat uns nicht gutgetan“, sagt er. Eine Wiederholung wird es daher so schnell nicht geben. „Wir werden wieder im alten System spielen. Das war gut.“

Das Paradoxe ist nur, dass Luhukay selbst vor der Saison die 4-4-2-Variante präferiert hatte; dass er in der Vorbereitung vor allem dieses System einstudierte und zudem die gesamte Personalpolitik darauf ausgerichtet war. Zu Adrian Ramos hat Hertha im Sommer in Elias Kachunga, Sandro Wagner und Sami Allagui gleich drei zentrale Stürmer verpflichtet. Kachunga ist mangels Perspektive bereits im Winter zum Ligakonkurrenten Paderborn weitergezogen; dafür steht Lasogga nach seinem Kreuzbandriss wieder zur Verfügung. Es gibt also weiterhin vier Stürmer für nur einen Platz – und der wird in der Regel durch Adrian Ramos besetzt.

Luhukay sieht im 4-2-3-1-System eindeutige taktische Vorteile. „Man ist besser aufgestellt, sowohl bei Ballbesitz als auch bei Ballverlust“, sagt der Holländer. Auch deshalb habe Hertha in dieser Saison erst ein Kontertor kassiert. „Keine Mannschaft ist in der Raumaufteilung so stabil wie wir.“ Das 4-4-2 hingegen hält Luhukay, auch mit Blick auf den großen Fußball, inzwischen für aus der Mode geraten: „Es gibt in der Bundesliga nur ganz wenige Mannschaften, die noch mit einer Doppelspitze spielen.“ Selbst bei den Bayern laufe mit Mario Mandzukic nur ein Angreifer auf, und das liege ganz sicher nicht an der mangelnden Qualität von Mario Gomez oder Claudio Pizarro.

Vor einer Woche in Dresden hat sich Luhukay in seinen Vorbehalten gegen das 4-4-2 noch einmal bestätigt gefühlt. Viel zu statisch fand er die eigene Offensive. „Dresdens Viererkette musste nicht einmal richtig verschieben“, sagt er. „Die beiden Innenverteidiger konnten einfach stehen bleiben, ohne dass was passiert.“ Ganz anders ist die Herausforderung, wenn Hertha mit Ronny als hängender Spitze aufläuft: Entweder lässt sich einer der Innenverteidiger aus der Abwehr locken oder der defensive Mittelfeldspieler ist gezwungen, seine Position zu räumen. Platz entsteht dadurch auf jeden Fall. In Dresden hingegen haben sich Lasogga und Wagner „manchmal selbst im Wege gestanden“, sagt Luhukay. „Das Duo Ronny/Adrian Ramos stellt eine andere Qualität dar. Wahrscheinlich hätten wir mit ihm gegen Dynamo nicht verloren.“

Dabei ist es vor allem dem Zufall geschuldet, dass die Berliner überhaupt im 4-2-3-1 spielen und damit bisher sehr erfolgreich waren. Oder wie Luhukay sagt: „Das hat mit einer Person zu tun – das ist Ronny.“ Dass der Brasilianer sich zur prägenden Figur in Herthas Spiel entwickelt, war vor der Saison nicht zu erwarten. In den beiden Jahren zuvor war Ronny nicht mehr als ein Mitläufer; und auf der zentralen Position hatte er sich in der Bundesliga genau einmal versuchen dürfen: zum Rückrundenauftakt vor einem Jahr, als er seinen gesperrten Bruder Raffael ersetzen sollte. Zur Pause wurde Ronny wegen fehlender Wirkung ausgewechselt.

Auch solche Auftritte in der Bundesliga nähren den Zweifel, ob Ronny nach Herthas Aufstieg noch genauso wertvoll für seine Mannschaft sein wird. Oder ob er mit der Ersten Liga, mit deren Tempo und Intensität, nicht doch überfordert wäre. Jos Luhukay scheint diese Zweifel nicht zu hegen. „Ronny ist mit Abstand der beste Spieler, den wir haben“, sagt er. Mit ihm komme eine Extraqualität ins Team. Auch deshalb denkt Luhukay nicht daran, von seinem bewährten System abzulassen: „Wir werden jetzt nicht zum 4-4-2 zurückkehren, nur weil Pierre-Michel Lasogga nach seiner Verletzung wieder dabei ist.“

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