Sport : Hertha BSC: Deisler kriegt sie alle

Michael Rosentritt

Wenn es um Sebastian Deisler geht, geraten viele Dinge und Personen - und sind sie noch so wichtig - in den Hintergrund. Etwa, dass Hertha BSC heute Abend (20.15 Uhr, live auf Premiere World) in einem nicht ganz so unwichtigen Fußballspiel gegen Borussia Dortmund ohne Michael Preetz auskommen muss. Während der Berliner Mannschaftskapitän mit Fieber im Bett liegen wird, werden aller Voraussicht nach 55 000 Menschen im Olympiastadion zuschauen, wie Hertha BSC in der Tabelle der Fußball-Bundesliga "mit einem Sieg ganz nach oben stoßen kann", wie es sich Dieter Hoeneß wünscht. Herthas Manager freut sich auf das Spiel, stolz erzählt er von den 48 000 Karten, die bis gestern verkauft worden waren.

Zum Thema Online Spezial: Hertha BSC Viel mehr aber redet Hoeneß nicht vom Kick gegen die Borussia, sondern von Sebastian Deisler und dem, was heute in "Focus" nachzulesen ist. Das Nachrichtenmagazin berichtet, dass im Vertrag des Nationalspielers neben einer Verlängerungsoption auch eine Ablösesumme von unter 20 Millionen Mark für einen Wechsel festgelegt ist. Demnach könnte sich der ursprünglich bis 2002 laufende Vertrag mit dem Nationalspieler verlängern, wenn Hertha am Ende dieser oder der nächsten Saison mindestens den Uefa-Cup erreicht. Zugleich aber sei für diesen Fall auch ein Ausstieg geregelt worden.

Der Vertrag mit Hertha war 1999 noch von Deislers ehemaligem Berater Norbert Pflippen ausgehandelt worden. Angeblich hat Deisler dem Verein zwar eine Option gewährt, den Vertrag bis zum Jahr 2004 zu verlängern, sofern binnen drei Jahren zweimal ein internationaler Wettbewerb erreicht wird. Im Gegenzug sei aber die Ausstiegsklausel fixiert worden. "Dass einige Klauseln im Vertrag vorhanden sind, will ich nicht dementieren", sagt Hoeneß. Unter bestimmten Voraussetzungen verlängere sich der Vertrag, "aber welche das sind, werde ich hier nicht sagen. Wir werden jedenfalls nicht so lange warten, bis diese Bedingungen eintreten, deshalb sind wir mit Sebastian seit einem halben Jahr im Gespräch."

Eigentlich wollte der Manager den Fall Deisler im Stillen vorantreiben, aber die aktuelle Aufgeregtheit nach der Veröffentlichung in "Focus" ruft ihn auf den Plan. "In diesem Artikel stimmt einiges, aber vieles ist falsch", sagt Hoeneß. Hertha habe sich 1999 bei den Verhandlungen mit Deisler und Pflippen darum bemüht, einen Vierjahresvertrag zu schließen. Deisler, damals noch in Mönchengladbach unter Vertrag, habe sich aber nur für drei Jahre binden wollen. "In dieser Situation ist es uns immerhin gelungen, dass sein Vertrag hier nicht einfach so am 30. Juni 2002 endet. Für uns ist das ein kleiner Vorteil", sagt Hoeneß.

Jetzt will der Manager damals Versäumtes nachholen und mit Deisler einen Vertrag aushandeln, der den Spieler mittelfristig an Hertha bindet. Hoeneß weiß, was Hertha BSC an Deisler hat, "aber der Sebastian weiß auch, was er an uns hat und was wir mit ihm vorhaben". Um den Nationalspieler herum soll eine Mannschaft aufgebaut werden, die mittelfristig ganz oben in der Bundesliga mitspielt. Das ist schön gedacht, aber derartige Planspiele finden auch bei anderen Vereinen statt. Hoeneß weiß das, "aber ich glaube, dass wir eine sehr gute Chance haben, den Sebastian über das Jahr 2002 hinaus an uns zu binden."

Als eines der wichtigen Argumente führt Hoeneß Deisler dessen eigene Entwicklung vor Augen. Nicht einmal zwei Jahre kickt er bei Hertha und ist schon weit über den Status eines Talentes hinaus. So ein Talent war Mehmet Scholl, der Deisler noch vor einem halben Jahr öffentlich zum Wechsel nach München geraten hatte, beim FC Bayern acht Jahre lang. Und anders als Scholl darf Deisler bei Hertha BSC schon mit 21 Jahren auf seiner Lieblingsposition im zentralen Mittelfeld spielen.

Auch heute Abend gegen Borussia Dortmund, in dem Spiel, das noch gestern ganz im Schatten des Sebastian Deisler stand.

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