Hertha BSC : "Der Dieter ist ein richtiger Berliner geworden"

An diesem Dienstag ist der letzte Arbeitstag von Dieter Hoeneß bei Hertha BSC – Frank Zander verabschiedet ihn. "Hertha ist unter ihm weniger schmuddelig geworden", sagt er.

Frank Zander
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Ab nach Hause. Zander kennt Hoeneß seit vielen Jahren.Foto: Imago

Mensch, Dieter, Hertha ohne dich, nach 13 Jahren – das ist immer noch ein komischer Gedanke. Warum das so gekommen ist, das interessiert mich nicht, das gehört auch nicht hierhin. Wir hatten nie Schwierigkeiten miteinander. Im Gegenteil: Ich habe Dieter Hoeneß als sehr angenehmen und umgänglichen Partner kennen gelernt.

Er gab mir 1000 Tickets für Obdachlose und lächelte

Vor ein paar Wochen, kurz vor Ende der Saison, haben wir uns zuletzt getroffen. Dieter Hoeneß hatte mir 1000 Karten für Obdachlose zugesagt, die ich auf Herthas Geschäftsstelle abgeholt habe. „Tut mir leid, dass die Karten so teuer geworden sind“, habe ich zu ihm gesagt. Wer hätte denn ahnen können, dass Hertha noch um die Meisterschaft mitspielen würde? Trotzdem hat Dieter Hoeneß Wort gehalten, obwohl das Olympiastadion längst ausverkauft war. Das rechne ihm hoch an. Das war eine tolle Geste. Als ich mich bei ihm bedankt habe, grinste er.

"Dieter, was ist mit der Hertha los?"

Wir haben uns gelegentlich bei Events in der Stadt getroffen und kurz miteinander geplaudert. Unser Verhältnis war immer unkompliziert. Er: „Mensch, Zander, wie geht’s denn?“ Ich: „Dieter, was ist mit der Hertha los?“ – wenn es gerade mal nicht lief. Oder: „Na, bitte, da haben wir’s doch.“ Natürlich haben wir uns geduzt. Soll er etwa Herr Zander sagen? Ich bin der Franky oder einfach der Zander.

Außerdem gehören wir ja beide zur Hertha-Familie. Mein Schwiegervater war vor Urzeiten mal bei Hertha im Vorstand, mein Sohn ist richtig fußballverrückt, und ich habe mit der Stadionhymne Einzug in die Familie gehalten. Der Dieter hat sich die Zugehörigkeit zur Hertha-Familie einfach verdient. Ich glaube, er ist sogar ein richtiger Berliner geworden, obwohl er aus Süddeutschland kommt und jetzt wieder dahin zurück will. Man kann sich gar nicht dagegen wehren, Berliner zu werden. Berlin integriert dich einfach, ob du willst oder nicht. Du musst dich notgedrungen der Stadt anpassen, das heißt: ein bisschen verrückt sein, schnell denken und schnell handeln. In Berlin ist eben alles größer.

Einen Konflikt aber gab es mit Hoeneß - den um die Hymne

Ich will nicht verhehlen, dass es diesen einen kleinen Konflikt zwischen Dieter Hoeneß und mir gegeben hat. Er soll sich ja eine modernere, jüngere Stadionhymne für Hertha gewünscht haben, von Seeed zum Beispiel. Das habe ich nie verstanden. Man kann neue Lieder schreiben, aber keine neue Hymne. Eine Hymne entsteht in den Herzen, und „Nur nach Hause“ ist aus dem Olympiastadion einfach nicht mehr wegzudenken. Da habe ich die Liebe der Fans auf meiner Seite. Ich glaube, das hat Dieter Hoeneß auch erkannt. Einmal hat er zu mir gesagt: „Wir schätzen dich, Zander.“ Dass ich beim letzten Heimspiel der vorigen Saison „Nur nach Hause“ im Olympiastadion singen durfte, hat mich umso mehr gefreut. Live vor der Ostkurve, wenn da 40 000 Leute stehen und mitsingen – das ist der Hammer, das ist einfach vehement, wie ein Sturm. Da kriegst du Pickel auf dem Arm.

Wenn ich den Namen Hertha höre, muss ich immer an eine dicke, alte Frau mit einer Schmuddelschürze denken. Dass die Schmuddelschürze in den letzten Jahren ein bisschen weniger schmuddelig geworden ist – das ist auch das Verdienst von Dieter Hoeneß.

Aufgezeichnet von Stefan Hermanns.

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