Hertha BSC : Der Ersatz für Ebert ist schon in Berlin

Patrick Ebert ist das Kreuzband gerissen. Er wird Hertha BSC ein halbes Jahr fehlen, seine Position könnte Daniel Beichler einnehmen.

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Patrick Ebert Foto: ddp
Patrick EbertFoto: ddp

Berlin - Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun, zumindest auf den ersten Blick aber sieht es so aus, als bestehe zwischen beiden Ereignissen ein innerer Zusammenhang: Herthas Mittelfeldspieler Patrick Ebert musste gestern einen Arzttermin hinter sich bringen, der ihm traurige Gewissheit einbrachte. Der 23-Jährige hat am Samstag im Testspiel gegen den SSV Ulm einen Kreuz- und Außenbandriss erlitten und wird dem Berliner Fußball-Zweitligisten ein halbes Jahr fehlen. Auch der Österreicher Daniel Beichler hatte gestern einen Arzttermin in Berlin: zur sportmedizinischen Untersuchung. Anschließend unterschrieb er einen Vertrag bei Hertha BSC, der den 21 Jahre alten Offensivspieler bis 2014 an die Berliner bindet. „Daniel Beichler ist ein vielseitig einsetzbarer Spieler, der mit seinem variablen Spiel und seiner Torgefährlichkeit für uns sehr wichtig werden kann“, sagte Manager Michael Preetz.

Ein Offensivspieler fällt aus, ein anderer kommt: Man könnte meinen, dass Hertha auf die Schnelle Ersatz für Ebert gefunden hätte. In Wirklichkeit bestand das Interesse an Beichler unabhängig von Eberts Ausfall. Bereits in der vergangenen Woche hatte sich Preetz mit dem österreichischen Nationalspieler auf einen Wechsel geeinigt, nur mit seinem Verein Sturm Graz mussten noch letzte Details geklärt werden. Das ist inzwischen geschehen. Durch Eberts Ausfall aber sind die Chancen, dass Beichler bei Hertha gleich einen Stammplatz erhält, erheblich gestiegen.

Ebert könnte sechs Monate lang ausfallen. „Das ist zumindest die veranschlagte Prognose nach so einer Verletzung. Genaueres weiß man aber erst nach zwei Monaten“, sagte Herthas Mannschaftsarzt Ulrich Schleicher, der Ebert die Diagnose nach der Untersuchung am Vormittag erklären musste. Ebert sei natürlich sehr betroffen gewesen, „aber den Verdacht kannte er ja“. Schon unmittelbar nach seiner Verletzung am Samstagabend, als Ebert auf einer Trage aus dem Ulmer Donaustadion gebracht wurde, hielt er sich die Hände vors Gesicht.

Der Kreuzbandriss ist ein herber Rückschlag für den 23-Jährigen und für seinen Klub. Im Trainingslager im Allgäu hatte Ebert sich als einer der fleißigsten Profis hervorgetan: In der stärksten Laufgruppe rannte er stets vorneweg, und auch seine Laktatwerte nach dem Urlaub waren die besten des ganzen Teams gewesen. Ebert war von Trainer Markus Babbel mehrfach gelobt worden. Nach dem Testspiel gegen Ulm merkte Babbel allerdings kritisch an, „dass man in so einen Zweikampf eigentlich gar nicht hineingehen darf“. Ebert war einem zu steilen Pass mit voller Kraft hinterhergespurtet und dann mit dem aus seinem Tor geeilten Ulmer Torhüter zusammengestoßen.

Die Verletzung kommt für Ebert in einem ungünstigen Moment. Nachdem er im Abstiegsjahr bei Hertha so gut wie gar nicht vorgekommen und bereits über seinen Weggang spekuliert worden war, schien Ebert unverhofft eine zweite Chance zu bekommen. Erst vor einem Monat hat er seinen Vertrag um ein Jahr verlängert. Im Falle eines Aufstiegs in die Bundesliga verlängert er sich um ein weiteres. In Babbels Planungen spielte Ebert eine wichtige Rolle. Schon unmittelbar nach seiner Vorstellung hatte der neue Trainer über ihn gesagt: „Ich halte persönlich sehr viel von ihm. Er ist ein Berliner Junge, einer von denen, die Hertha in sich tragen.“

Seinen Platz auf der rechten Seite schien Ebert sicher zu haben, Babbel bescheinigte ihm im Trainingslager, „in Topform“ zu sein, und für die neue Saison hatte sich Ebert einiges vorgenommen. „Ich will helfen, das, was wir als Mannschaft im letzten Jahr verschuldet haben, wiedergutzumachen“, sagte er. „Für dieses Ziel werde ich alles tun.“ Auch deshalb hatte er doch noch einem Strafbefehl über 56 000 Euro zugestimmt, mit dem die sogenannte Autospiegelaffäre endete. Nach der Feier zu seinem 22. Geburtstag hatte Ebert auf dem Heimweg mehrere Autos beschädigt.

Daniel Beichler, der bisher fünf Länderspiele für die österreichische Nationalmannschaft bestritten hat, könnte in dem von Markus Babbel favorisierten 4-2-3-1- System alle Positionen in der offensiven Dreierreihe hinter dem Stoßstürmer Rob Friend spielen. Seit gestern ist klar, dass sein Platz wohl erst einmal auf der rechten Seite sein wird.

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