Hertha BSC : Der Geist der Defensive

Hertha BSC wird derzeit selten geschlagen. Im letzten Match des Summer Cup 2008 auf Mallorca kassierten die Berliner allerdings mehr als ein Tor. Indes scheint Lucien Favre in der Bundesliga angekommen zu sein.

Claus Vetter
Sommercup auf Mallorca
Der Hannoveraner Christian Schulz (r.) kann Kaka kaum bremsen. -Foto: dpa

Palma De MallorcaDie Sonne hat Lucien Favre lang genug gequält. Kaum ist Herthas Trainingseinheit vorbei, da ist der Chef auch schon in den Schatten geflüchtet, mit Schweißperlen auf der Stirn. „Es ist ja unglaublich heiß hier“, sagt Favre. Sicher war es kein logistisches Meisterwerk der Organisatoren des Summer-Cups von Palma de Mallorca, den Berlinern Trainingszeiten unter der Mittagssonne zuzuschanzen – auf einem schattenfreien Fußballplatz am Rande Palmas.

Aber das Problem hat sich nun erledigt, gestern spielte Hertha zum Abschluss des Turniers gegen Hannover 96. Das Spiel fand erst abends statt, was (bis zum Ausfall des Flutlichts in der letzten Spielminute) Lucien Favre ganz gut gefallen haben dürfte. Mit dem Ergebnis konnte der Coach nicht ganz zufrieden sein. Seine ersatzgeschwächte Reserve mit Christopher Gäng im Tor unterlag den Hannoveranern 1:3 (0:2). Das einzige Berliner Tor erzielte Marc Stein.

Abwehr in Dreier-Kette

Am Montag geht es nun zurück in die Heimat – mit der Gewissheit, dass es am Freitag im DFB-Pokalspiel beim Viertligisten Eintracht Trier kühler sein wird als in Palma und mit der Erkenntnis vor dem ersten Pflichtspiel der neuen Saison, an Profil gewonnen zu haben. Besonders in der Defensive.

Abgesehen vom letzten Spiel hinterließ die Abwehr der Berliner oft einen guten Eindruck. Tore gegen Hertha zu erzielen, das war sehr schwer in den vergangenen Wochen. In sechs von neun Partien hat der Klub kein Tor kassiert.

Auch illustre Gegner wie der FC Liverpool und Newcastle United kamen gegen die gut organisierten Berliner kaum zu Chancen. Das war umso erstaunlicher, als Favre beim 1:0-Sieg gegen Newcastle aus Personalnot mit einer Dreierkette verteidigen ließ, weil er die noch leicht angeschlagenen Arne Friedrich und Josip Simunic schonen wollte.

Der Brasilianer Cicero begeistert

Wird es in der neuen Saison schwerer werden, den Ball in das Berliner Tor zu befördern? Mannschaftskapitän Arne Friedrich glaubt es. Er hat „eine neue Kompaktheit“ im Team beobachtet. „Der Geist ist ein anderer, die Stimmung in der Mannschaft ist positiv“, sagt der Nationalspieler. „Die Abwehrarbeit fängt eben vorne an und geht mit einer guten Ordnung im Mittelfeld weiter.“ Die scheinen die Berliner zu bekommen.

Vor allem wohl, weil der Trainer die neuen Spieler dort nach ihren Stärken einsetzt, wie er sagt. Vom spielerischen Ideenreichtum des Brasilianers Cicero ist Favre jedenfalls angetan. Die Pässe des Brasilianers und die doppelte Spitze mit Raffael und Marko Pantelic bringen Bewegung im Spiel nach vorne und beschäftigen den Gegner mehr in dessen Hälfte. „Cicero ist kreativ, er geht nach vorne und provoziert etwas“, sagt Favre. „Besonders im Angriff müssen wir nun in dieser Saison noch mehr wagen.“

Favre ist in der Bundesliga angekommen

Wenn Favre über seine zweite Saison in der Bundesliga spricht, scheint er das mit einer größeren Vorfreude zu tun als vor seiner ersten. Der Schweizer ist angekommen im deutschen Fußball. Er räsoniert ausführlicher über die Konkurrenz – eine Konkurrenz, die sich vor Herthas neuen Namen wie Cicero oder Maximilian Nicu allerdings kaum erschrecken dürfte. Kein Wunder, findet Favre. „Hoffenheim kann zehn Millionen für einen neuen Spieler ausgeben, wir müssen mit neun Millionen Euro für alle Verpflichtungen auskommen.“ Trotzdem: Das Nahziel Uefa-Cup-Platz stehe, genauso das Vorhaben, auch einmal um die Meisterschaft mitspielen zu können.

Hertha steht also, was die Versprechen angeht, langfristig vor einer glorreichen Zukunft, aber wie steht es mit den ersten Aufgaben der neuen Saison? Innenverteidiger Steve von Bergen, der in der Vorbereitung einen guten Eindruck hinterlassen hat, schmunzelt. Testspiele seien eben nur Testspiele, sagt er. „Aber natürlich machen die wenigen Gegentore und die guten Ergebnisse aus der Vorbereitung optimistisch. Wir müssen den neuen Schwung nun mitnehmen.“ Zunächst einmal muss der Schwung am Freitag mitgenommen werden ins hoffentlich angenehm temperierte Stadion in Trier.

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