Sport : Hertha BSC: Der Kampf um Effekte und Millionen

Klaus Rocca

Nein, lebensnotwendig sei die Teilnahme an der nächsten Champions League nicht, die am Uefa-Pokal schon gar nicht. "Dahinter steht kein Muss. Wenn das so wäre, hätten wir etwas falsch gemacht", sagt Ingo Schiller. Und doch: "Natürlich wollen wir in einen internationalen Wettbewerb kommen." Schiller, seit Juni 1998 Geschäftsführer von Hertha BSC und seit September desselben Jahres auch Mitglied des Präsidiums, denkt als Betriebswirt dabei vorrangig an Zahlen. Aber keineswegs nur.

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Tipp-Spiel: Wer wird Deutscher Meister? Noch liegt Berlins Fußball-Bundesligist gut im Rennen. Im Kampf um Platz 1 und 2, die direkt in die Champions League führen, auch im Kampf um Platz 3 und 4, die zu Qualifikationsspielen zur Champions League berechtigen. Und erst recht, wenn es um die Uefa-Cup-Plätze geht. Vom UI-Cup spricht man bei Hertha lieber nicht. Das große Geld ist ohnehin nur in der Champions League zu machen. Als Hertha 1999/2000 dort spielte, flossen 40 Millionen Mark in die Kasse: vom Fernsehen, aus Zuschauer-Einnahmen, vor allem aus dem Pool, dessen Erlös nach dem Finale an alle beteiligten Klubs ausgeschüttet wurde. Dass Hertha die zweite Runde der Champions League erreichte (und dort als Tabellenletzter ausschied), fiel finanziell nicht so sehr ins Gewicht. Zu zwei Dritteln wurden die Millionen durch die Qualifikation (gegen Famagusta) und die erste Runde erwirtschaftet. Schiller: "Bei einem 52 Millionen Mark teuren Profikader und saftigen Prämien relativieren sich die Einnahmen." Immerhin konnte in der Winterpause der mit 15 Millionen Mark teuerste Transfer der Vereinsgeschichte (Alex Alves) abgeschlossen werden.

Verpasst Hertha einen der ersten vier Plätze, würden die finanziellen Erwartungen weit niedriger sein, auch wenn Einnahmen aus einem internationalen Wettbewerb bei der Kalkulation des Etats gar nicht berücksichtigt werden. Kaum mehr als drei Millionen Mark hat Hertha im Uefa-Cup 2000/2001 eingenommen, was bei einem Umsatz von rund 100 Millionen Mark eine eher zu vernachlässigende Größe war. Die Duelle mit Chisinau und Wronki waren fast ein Zuschussgeschäft, erst gegen Inter Mailand floss das Geld. "Allzu viel blieb davon aber nicht übrig", erinnerte sich Schiller. Der 35-Jährige sieht aber bei alldem nicht nur die direkten Einnahmen. "Wenn wir es schaffen, zum dritten Mal in Folge in einem internationalen Wettbewerb zu spielen, hat das auch langfristige Effekte. Zum Beispiel für Sponsoren. Die honorieren Kontinuität und erhöhte Präsenz in den Medien."

Sollte Hertha in einen internationalen Wettbewerb einziehen, würde im Olympiastadion wie in der Bundesliga bei verminderter Kapazität vor maximal 55 000 Besuchern gespielt. Das bedeutet auch verminderte Einnahmen. Allerdings hat sich im Etat der Anteil aus den Zuschauereinnahmen erheblich verringert. War es bei Hertha vor einigen Jahren noch ein Drittel, so sind es jetzt nur rund 25 Prozent. Insofern trifft es den Klub nicht so hart, dass der für diese Bundesliga-Saison angesetzte Besucherdurchschnitt von 42 000 mit zurzeit rund 39 000 nicht erreicht wird. Zur Erinnerung: Nach dem Aufstieg 1997 kamen 53 000 pro Spiel.

Bei Hertha baut man nun auf die Kapitalgesellschaft auf Aktien, die nach Angaben Schillers in der Sommerpause ins Handelsregister eingetragen wird. Schiller: "Nicht, dass damit automatisch die großen Geldsummen fließen, aber wir haben damit vielversprechende Optionen, indem wir bespielsweise Anteile beleihen oder Tochtergesellschaften gründen."

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