Hertha BSC : Der Mangel spielt mit

Hertha BSC hat Personalprobleme. Die Defensive ist dünn besetzt, stellt sich quasi von selbst auf. Jetzt könnte neben Arne Friedrich doch wieder "der ewige Schmidt" auflaufen.

Claus Vetter
Herthatraining
Es läuft nicht rund. Die Stimmung im Training ist angespannt. -Foto: ddp

Berlin - Die Sonne strahlte und da wollte sich Lucien Favre vermutlich die gute Laune nicht verderben lassen. Dabei hätte der Trainer von Hertha BSC die Hände über dem Kopf zusammenschlagen müssen. Gestern humpelte Jerome Boateng vom Trainingsplatz, er soll nach Favres Maßgabe erst zum Hamburger SV wechseln, wenn die Berliner Ersatz für ihn haben. Denn die Defensive ist dünn besetzt, muss in den ersten zwei Spielen der Fußball-Bundesliga ohne den gesperrten Josip Simunic auskommen. An sich also ein weiteres Unglück, die Sache mit Verteidiger Boateng, aber Favre spielte nicht mit. „Jerome hat die ganze Woche Leistenprobleme gehabt“, sprach der Trainer. „Also wird er nicht mit uns nach Frankfurt fliegen.“

Doch wer fliegt und vor allem wer verteidigt für Hertha am Samstag zum Bundesliga-Auftakt bei Eintracht Frankfurt? Malik Fathi und Sofian Chahed außen, für Simunic könnte Andreas Schmidt neben Arne Friedrich in die Innenverteidigung rücken. Der ewige Schmidt also: Für den 33–Jährigen, seit 1994 Profi bei Hertha wäre es der 188. Bundesligaeinsatz. Keine schlechte Zahl für einen, der vor zwei Jahren schon auf immer im zweiten Team verschwunden schien. Aber eines ist auch klar: In dem Konzept, dass Favre vorschwebt, spielt Schmidt keine Rolle.

So zauderte der Schweizer gestern, als die Sprache auf den Routinier kam. „Schmidt wäre eine Möglichkeit“, sagte Favre. Er könne sich aber auch vorstellen mit Fathi, Chahed und Friedrich nur drei Verteidiger aufzustellen. Eine Variante mit Pascal Bieler in der Innenverteidigung wäre auch denkbar. „Da sind Möglichkeiten“, sagte Favre. Wenige Möglichkeiten allerdings, der Mangel an Alternativen müsste Hertha Angst machen. Beim Pokalspiel bei Drittligist Unterhaching am Samstag wackelte es im Berliner Strafraum gehörig – auch wenn das Ergebnis von 3:0 für Hertha diesen Schluss nicht zuließ. Unterhaching sei nicht so gut gewesen, gibt Verteidiger Chahed zu. Natürlich dürften keine weiteren Ausfälle hinzukommen. „Dann glaube ich, dass wir eine ganz stabile Abwehr haben“, sagt Chahed. „Die Situation ist angespannt, aber für ein oder zwei Spiele ist das in Ordnung. Und dann kommt Joe Simunic zurück und dann kommt Verstärkung.“

Verstärkung ist ein Lieblingswort von Lucien Favre. Und der Trainer fordert da noch so einiges von seinem Manager, den er gestern aber – anspornend – lobte: „Dieter Hoeneß ist unterwegs und er arbeitet sehr, sehr hart.“ Angeblich soll sich bis heute klären, ob Hertha Sebastian Prödl von Sturm Graz unter Vertrag nimmt. Der 20-Jährige wäre eine Verstärkung für die dünn besetzte Verteidigung.

Natürlich würde es dauern, bis Prödl spielen kann. Aber vielleicht helfen Hertha ja zum Saisonbeginn auch Suggestivkraft und höhere Mächte. Mannschaftskapitän Friedrich sagt nämlich: „Wir dürfen vor Frankfurt nicht an eine Niederlage denken. Wir haben dort immer gut ausgesehen und das letzte Spiel der letzten Saison gewonnen – das alles sollte ein gutes Omen sein.“ Die Hoffnung, dass sich kein weiterer Abwehrspieler verletzt, sollten sie bei Hertha allerdings auch noch haben.

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