Sport : Hertha BSC: Der Meister lehrt und lobt

Klaus Rocca

Aus dem Leverkusener Stadionlautsprecher plärrte "Kommt, lasst uns fröhlich sein" und "So ein Tag, so wunderschön wie heute". Die Fußballer von Hertha BSC fanden den Tag weder wunderschön, noch war ihnen nach Frohsinn zumute. Sie hatten gerade eine Lektion bekommen, erteilt vom FC Bayern München. Jürgen Röber flüchtete sich nach dem 1:5 im Finale des Ligapokals in den Galgenhumor: "Alle haben darauf gewartet, dass wir eine Klatsche kriegen. Nun ist sie da." Sonderlich deprimiert wirkte der Berliner Trainer dabei nicht. Am 12. August, sagte Röber fast trotzig, "werden wir ganz anders spielen". Dann geht es wieder gegen den Deutschen Meister, im Münchner Olympiastadion zum Auftakt der neuen Bundesligasaison.

Ottmar Hitzfeld unterließ mit Blick auf diesen Termin nichts, um die Bedeutung des Ligapokal-Finales herunterzuspielen. "Der Sieg ist eindeutig zu hoch ausgefallen", sagte der Münchner Trainer, "mir wäre ein 3:2 lieber gewesen als dieses 5:1." Überhaupt: "Hertha gehört zu den Mannschaften, die um den Titel mitspielen." Hitzfeld sagte es ganz ernst, so, als sei er davon überzeugt. Und das nach diesem Ergebnis, dieser einseitigen zweiten Halbzeit. Vielleicht klangen bei Hitzfeld auch noch Lobeshymnen auf Hertha nach den ansehnlichen Leistungen der letzten Wochen nach.

Eine westdeutsche Regionalzeitung bot ihren Lesern gestern sogar eine so genannte Sommertabelle an, in der Ligapokal und Freundschaftsspiele gewertet wurden. Danach nimmt Hertha hinter dem VfB Stuttgart Platz zwei ein. Die Berliner registrierten es vor dem Rückflug aus Düsseldorf eher belustigt. Und doch hat Jürgen Röber wohl Recht mit seiner Behauptung: "Wir haben uns im Ligapokal gut verkauft." Vom Finale mal abgesehen.

Von "fehlender körperlicher und geistiger Frische" sprach Röber am Dienstagabend. Was nach dem strapaziösen Programm nicht verwundert. Auch Rudi Völler, der Interims-Teamchef der deutschen Nationalmannschaft, sah in der starken Belastung den Hauptgrund für die klare Niederlage: "Drei Spiele gegen den Hamburger SV, Bayer Leverkusen und den FC Bayern - so ein Programm hinterlässt Spuren."

Es waren in erster Linie Münchner Spieler, die sich Völler und seinem Trainer Michael Skibbe aufdrängten, allen voran der dreifache Torschütze Alexander Zickler. Aus dem Kreis der Berliner Kandidaten konnten noch am ehesten Sebastian Deisler und Dariusz Wosz Punkte sammeln, Stefan Beinlich nutzte den "Heimvorteil" an alter Wirkungsstätte bei weitem nicht nach Wunsch, Marko Rehmer stand wegen seines lädierten Knöchels nur 25 Minuten auf dem Feld und war deshalb schwer zu beurteilen. Michael Preetz, dessen Chancen ohnehin gering sind, war für Völler im Duett mit Ali Daei "wenig effektiv".

Es deutet ohnehin einiges darauf hin, dass der Sturm die Schwachstelle des Berliner Spiels sein wird. Alex Alves dürfte für einige Zeit von der DFB-Sportgerichtsbarkeit aus dem Verkehr gezogen werden, Ali Daei wird bald für Wochen von seinem Heimatland Iran abberufen, Piotr Reiss hat bei Röber keine guten Karten. Noch bestätigen die Hertha-Verantwortlichen nicht, dass sie auf der Suche nach einem Stürmer sind. Doch hinter den Kulissen soll sich einiges tun.

Eine Verstärkung der Abwehr scheint trotz der vielen Gegentore kein Muss zu sein. Das Fehlen von Tretschok und van Burik sowie das frühe Ausscheiden von Rehmer waren schwer zu verkraftende Handicaps. Kritik am Ersatzmann Josip Simunic wies Röber erbost zurück. Der Kroate mit dem australischen Pass habe in der ersten Halbzeit "sehr gut" gespielt. Selbst die Münchner Spieler hätten ihm eine "sensationelle Leistung" attestiert.

Zweifellos noch vorhandene körperliche Defizite kann Simunic am heutigen freien Tag bekämpfen. Am Sonntag beim Testspiel gegen AS Rom (Anpfiff um 17.30 Uhr im Olympiastadion/live in B 1) wird er wohl wieder nur Ersatzmann sein.

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