Hertha BSC : Der Torwart, der große Sprünge versprach

In Bochum galt Jaroslav Drobny als einer der besten Torhüter der Liga. Bei Hertha hat er selten überzeugt - er fällt häufiger durch Schwächen als durch Stärken auf. Trotzdem hält Trainer Favre an dem Tschechen fest

Marieke Nannen,Claus Vetter
Drobny
Ein Torwart fliegt am Ball vorbei: Jaroslav Drobny hat in dieser Saison nicht immer überzeugen können. -Foto: dpa

BerlinImmer nur im Tor stehen kann ganz schön langweilig sein. Also hat Jaroslav Drobny gestern morgen seinen Platz mit dem von Stürmer Solomon Okoronkwo getauscht. Nur für ein paar Minuten und nur im Training, aber den Spaß war es wert. Drobny hat geschossen und gelacht und in den paar Minuten vielleicht mehr Spaß gehabt als sonst wann in der nun 27 Spieltag langen Saison der Fußball-Bundesliga.

Wenn Hertha BSC morgen in Bochum spielt, wird die Erinnerung wach an die vergangene Saison, als Jaroslav Drobny eben dort als einer der besten Torhüter der Liga gefeiert wurde. Der Tscheche sollte Hertha auf der Position des Torhüters zu einem Qualitätssprung verhelfen, aber davon ist bisher nicht viel zu sehen gewesen. An guten Tagen hält er die Bälle, die ein Torwart halten muss – viel mehr hält er nicht. Bei der Beherrschung seines Strafraumes wirkt er keineswegs sicherer als sein Vorgänger Christian Fiedler. Der sitzt seit Drobnys Verpflichtung auf der Bank – mit 33 Jahren ganz offensichtlich ohne jede Perspektive, noch einmal in der Bundesliga zu spielen. Unter Herthas Spielern kursiert schon mal die Vermutung, Drobny habe bei Trainer Lucien Favre eine Art Einsatzgarantie. Einer erzählt von einer lautstarken Diskussion im Kabinengang zwischen Trainer und Ersatztorhüter, Favre habe sie beendet mit dem Argument, Fiedler sei ihm einfach zu klein. Punkt.

Nun war die Entscheidung für die Verpflichtung Drobnys keine von Lucien Favre, sondern eine von Dieter Hoeneß. Der Berliner Manager hätte für diese Saison am liebsten einen ganz Großen geholt, nämlich Jens Lehmann. Der Nationaltorhüter hat im Tagesspiegel-Interview bestätigt, dass es vor einem Jahr ein Gespräch mit Hertha gab: „Ja, ich habe auch schon mal überlegt, nach Berlin zu gehen. Meine Frau wäre auch dafür gewesen. Ich habe mal mit Herthas Manager Dieter Hoeneß gesprochen. Ein sehr netter Mann.“ Aber dann blieb Lehmann doch lieber in London. Und Hoeneß holte Drobny.

Für den Tschechen sprach neben einer großartigen Rückrunde in Bochum vor allem seine Statur. Drobny misst 1,92 Meter, zwölf Zentimeter mehr als Christian Fiedler, der sich schon seine gesamte Karriere über mit dem Vorurteil herumschlagen muss, er sei nicht lang genug für einen guten Torwart. Ähnliche Ablehnung erfuhr dem Spanier Iker Casillas zum Beginn seiner Karriere, und doch ist er bei Real Madrid zu einem der besten Torhüter der Welt herangewachsen. Iker Casillas ist gerade fünf Zentimeter größer als Fiedler. Der hat früher mal gesagt, Sprungkraft und Timing habe nichts mit der Körpergröße zu tun. Jetzt mag er gar nichts mehr sagen. Christian Fiedler schweigt eisern. Nach den Spielen von Hertha geht der Ersatztorwart meist als Erster und ohne einen Blick für die Umgebung zu haben in die Kabine.

Fiedlers Kollege Jaroslav Drobny fordert nun vor dem Spiel in Bochum: „Wir müssen endlich einmal wieder gewinnen. Sonst könnte es langsam eng werden.“ Bei drei Niederlagen in Folge und nur acht Punkten Vorsprung auf einen Nichtabstiegsplatz sieht es so aus. Und: „Wir kriegen die Gegentore immer am Anfang und am Ende, da sind wir zu unkonzentriert.“ Da kann sich der Torwart zu Recht mit einschließen. Vor einer Woche ließ Drobny im Spiel gegen Bremen schon nach 35 Sekunden ein Schüsschen von Markus Rosenberg unter dem Körper durchrutschen. Es war der Anfang vom Ende für Hertha, und Drobnys Kollegen murrten später, es sei an der Zeit, dass ihnen der Torwart auch mal ein Spiel gewinne.

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