Hertha BSC : Die Angst vor dem Abstiegskampf

Hertha BSC erwartet in Freiburg ein Schlüsselspiel. Verlieren die Berliner, droht ihnen etwas, das sie eigentlich vermeiden wollten: der Abstiegskampf.

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Rückkehr offen. Patrick Ebert mault öffentlich, trainiert aber wieder besser. Foto: picture alliance / dpa
Rückkehr offen. Patrick Ebert mault öffentlich, trainiert aber wieder besser.Foto: picture alliance / dpa

Die treffendste Analyse kam von Lewan Kobiaschwili. Der Linksverteidiger stellte vor zwei Wochen fest, Hertha BSC sei der Verlierer des Spieltages. Während die Berliner in der zwölften Bundesligarunde zu Hause 1:2 gegen Mönchengladbach verloren hatten, punkteten die Mannschaften dahinter: Mainz und Freiburg siegten, Kaiserslautern und der Hamburger SV holten je einen Punkt.

Nun mag man dem Georgier mit seiner Einschätzung einen gewissen Hang zum Fatalismus unterstellen. Immerhin hatten mit Köln, Wolfsburg, Nürnberg und Augsburg genug Mannschaften aus der dunkleren Tabellenhälfte verloren und Hertha blieb weiterhin Zehnter mit 16 Punkten – eine achtbare Bilanz für einen Aufsteiger nach nun etwas mehr als einem Saisondrittel. Doch der 34-Jährige wusste, nicht nur aus eigener Erfahrung, was Hertha nach der Länderspielpause bevorstehen würde: ein Auswärtsspiel beim SC Freiburg (15.30 Uhr). Nun mag ein Ausflug in die meist sonnige Schwarzwaldstadt wenig bedrohlich wirken, dennoch ist es nicht vermessen, von einem Schlüsselspiel für die Berliner zu sprechen. Denn Freiburg belegt den ersten direkten Abstiegsplatz.

Derzeit haben die Berliner noch sechs Punkte Vorsprung auf die Freiburger, bei einer Niederlage wären es nur noch drei, ein Ein-Spiel-Puffer, der schnell verbraucht sein kann. „Freiburg ist eine Mannschaft, die mit uns gegen den Abstieg spielt“, sagt Trainer Markus Babbel. „Dort haben wir die große Chance, unseren Vorsprung auszubauen.“ Das wäre wichtig. Denn die heimschwachen Berliner empfangen in den restlichen vier Hinrundenspielen noch die Spitzenmannschaften Leverkusen und Schalke im Olympiastadion. Auswärts steht eine Reise zum 1. FC Kaiserslautern an, auch so eine Mannschaft, die hinter Hertha lauert. Eine Woche vor Weihnachten geht es zur TSG Hoffenheim. Dort könnte man bereits mit Abstiegssorgen anreisen, dem bisher positiven Saisonverlauf zum Trotz.

Dazu steht die Formkurve der letzten Spiele eher hinter als vor dem Scheitelpunkt. Einen Sieg gab es aus den letzten vier Bundesligaspielen, beim VfL Wolfsburg, der derzeit nicht gerade als unschlagbar zu bezeichnen ist. Doch es gibt auch Faktoren, die Hertha Hoffnung machen, sich ein unerwünschtes Abrutschen bis zur Winterpause zu ersparen. Babbel hat den kompletten Kader beisammen, alle Nationalspieler kehrten gesund von ihren Länderspielen zurück. Auch die zuletzt dem Spieltagskader vorenthaltenen Änis Ben-Hatira und Patrick Ebert geben sich sichtlich Mühe. „Alle ziehen mit“, lobt Babbel, „wenn es nicht so wäre, würde ich das demjenigen schon sagen“. Vielleicht eine kleine Versöhnungsgeste Richtung Patrick Ebert, der sich unter der Woche beschwert hatte, der Trainer habe nicht mit ihm gesprochen und den Babbel ebenfalls kritisierte? Ob Ebert und Ben-Hatira schon wieder kaderreif sind, lässt er offen.

Aber was noch mehr Hoffnung macht als die Personalsituation ist die Freiburger Spielanlage. „Sie spielen sehr guten Fußball“, lobt Babbel den untypischen Tabellen-17., er habe die Heimspiele gegen Stuttgart und Leverkusen gesehen, in denen die dominanteren Freiburger unglücklich verloren hätten. „Ich hoffe, sie liegen uns als Gegner“, sagt Babbel, der auf die gewohnte Konterstärke setzt. „Es ist ja bekannt, dass wir auswärts zuletzt besser waren als zu Hause, wenn wir das Spiel machen müssen.“ Er hoffe, die Mannschaft setze den Trend vom Auswärtssieg in Wolfsburg fort. Sonst könnten es unruhige Weihnachten werden.

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