Sport : Hertha BSC: Die Berliner spielen gute Laune

Michael Rosentritt

Dieter Hoeneß hatte sich für eine flottere Gangart entschieden. Dandygleich trug er den hellblauen Hemdkragen über dem seines dunklen Einreihers. Ein Plausch hier, ein Wink nach da - kurzum: Der Manager von Hertha BSC fühlte sich prächtig. Insgeheim wird er ein bisschen darauf hoffen, dass sich seine offen zur Schau getragene gute Laune irgendwie auf die Mannschaft überträgt. Rechtzeitig vor dem Bundesligaspiel am Sonntag beim Hamburger SV.

Mit dem ersten Punktspiel im Jahr 2001 endet für die Berliner Fußballer eine Phase, auf die jeder im Verein liebend gern verzichtet hätte. Vor dem Spiel in Leverkusen am 10. Dezember des vergangenen Jahres hatte Hoeneß einem jeden, der es hören wollte, "klar zu verstehen gegeben, dass sie selbst einen erheblichen Teil dazu beitragen, wie die Wochen um den Jahreswechsel werden". Doch irgendwie hatte der eine oder andere Herthaner da etwas nicht ganz richtig verstanden. Dem 0:4 in der BayArena folgten noch zwei Heimniederlagen gegen den 1. FC Kaiserslautern (2:4) und den FC Bayern München. Das 1:3 gegen den Deutschen Meister im ersten Spiel der Rückrunde am 16. Dezember rundete eine nicht ganz so gelungene Vorweihnachtszeit ab. Von den letzten neun Pflichtspielen des vergangenen Jahres konnten die Berliner bei zwei Unentschieden nur eins gewinnen. Viel zu wenig für eine Mannschaft wie Hertha BSC, die immerhin an vier Spieltagen Tabellenführer war. Oder andersherum: 17 Gegentore in den letzten fünf Bundesligaspielen sind erheblich zu viel.

"Hinter uns liegt jetzt eine sehr gute Vorbereitung", sagt Hoeneß. Der Manager hatte es sich bekanntlich nicht nehmen lassen, mit ins zehntägige Trainingslager zu reisen, um bei allen Spielern die Sinne zu schärfen. "Es geht darum, dass wir unsere Potenziale ausnutzen", so hat Hoeneß das ausgedrückt. Spieler wie Kai Michalke, Josip Simunic, Rob Maas und Piotr Reiss, die meistens nur Ersatz waren, haben ihre Chance genutzt. Zu beobachten im Testspiel gegen die Bayern vor einer Woche, das Hertha mit 3:1 gewann. "Dieses Spiel war ein Indiz der guten Trainingsarbeit", sagt Hoeneß.

Von Sonntag an geht es darum, den Abstand zur Tabellenspitze zu verkürzen. Für Hertha sind es drei Punkte bis zu Platz vier. Denn mindestens diesen muss erreichen, wer im kommenden Herbst in der Champions League spielen will. Und nur darum geht es. Laut sagt das so noch niemand, aber Hoeneß meint: "Wir werden den vierten Platz im Auge behalten. Das wird schwer, aber ich bin hoffnungsfroh."

Das gibt auch Jürgen Röber vor, auch wenn der Trainer auf einige Spieler des Stammpersonals verzichten muss. Neben Spielgestalter Stefan Beinlich (Zeh-Entzündung) steht aller Voraussicht nach auch Andreas Schmidt wegen einer Zeh-Prellung nicht zur Verfügung. Da auch Dick van Burik wegen seiner Gelbsperre nicht einsetzbar ist, muss Röber improvisieren. Mit einer Einsatzchance dürfen Rob Maas und Josip Simunic rechnen.

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