Hertha BSC : Die Bundesliga im Sinn

Das 1:1 gegen Benfica Lissabon ist für Hertha in der Europa League zu wenig. Aber die Berliner sind trotzdem nicht unzufrieden.

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Kopf nach oben, Ball ins Tor. Trainer Friedhelm Funkel und Hertha-Profi Lukasz Piszczek brauchen dringend Siege.Foto: Reuters

BerlinBerlin - Gleich nach dem Abpfiff reichten die Berliner pflichtschuldig Protest ein. Drei Spieler umlagerten den Schiedsrichter Terje Hauge aus Norwegen, der zwar noch auf Eckball für Hertha BSC entschieden, dann aber mit seinem Schlusspfiff die Ausführung verhindert hatte. Unter den Demonstranten war auch Florian Kringe. Dass sein halbstündiges Europacup-Debüt für die Berliner durch Hauges Eingreifen ein jähes Ende gefunden hatte, empfand der Mittelfeldspieler als besonders ärgerlich. Die internationalen Spiele waren für ihn „ein Grund, warum ich überhaupt hier hingewechselt bin“, sagte er. Das Vergnügen aber könnte für Kringe, der gegen Benfica Lissabon aus Gründen der Schonung erst in der zweiten Halbzeit eingewechselt worden war, ein ziemlich kurzes bleiben. Realistisch betrachtet ist die Chance, dass Hertha nach dem 1:1 zu Hause gegen Benfica aus der Europa League ausscheidet, weit größer als die Wahrscheinlichkeit, dass die Berliner doch noch das Achtelfinale des Wettbewerbs erreichen.

Herthas Delegation ließ dann auch schnell ab von Schiedsrichter Hauge. Nur keine wertvolle Energie verschwenden. Es gibt derzeit Wichtigeres für den Tabellenletzten der Fußball-Bundesliga. Natürlich ging es im Hinspiel gegen Benfica auch um eine gute Ausgangsposition – aber nicht für das Rückspiel am Dienstag in Lissabon, sondern ausschließlich für das Abstiegsduell am Sonntag in Freiburg. Das haben die Berliner einigermaßen hinbekommen. „Wir haben sehr viel Positives mitgenommen“, sagte Trainer Friedhelm Funkel. Mit der Leistung seiner Mannschaft sei er absolut einverstanden gewesen. Ähnlich sah es Herthas Kapitän Arne Friedrich: „Wir haben gute Moral gezeigt, gerade in der zweiten Halbzeit.“

Herthas Heimspiele laufen immer gleich ab

Es war die freundliche Umschreibung für ein inzwischen anscheinend chronisches Problem der Berliner. Das vierte Heimspiel dieses Jahres glich dem dritten bis aufs Haar, genauso wie das dritte dem zweiten geglichen hatte und davor wiederum das zweite dem ersten. Die Steigerung nach der Pause war auch deshalb möglich, weil Hertha in der ersten Halbzeit wieder einmal allzu schlaff und zaghaft aufgetreten war. „Es ist immer ein bisschen schläfrig, wie wir starten“, sagte Mittelfeldspieler Maximilian Nicu, der die ersten drei Spiele noch von der Tribüne beobachtet hatte und gegen Benfica erstmals in diesem Jahr auf dem Platz stand. Ein Grund für diese Schwäche? „Weiß nicht“, antwortete Nicu. „Das ist schwer zu erklären.“

Und offensichtlich auch immer schwerer zu ertragen. „Ich bin es leid, darüber zu diskutieren. Das nervt“, moserte Florian Kringe. „Man sollte mal positiv herausstellen, dass wir eine starke zweite Halbzeit gespielt haben, gegen einen starken Gegner.“ Und Kapitän Friedrich blaffte einen Fernsehreporter an: „Ich möchte Sie mal in einer Situation erleben, wenn man seit Monaten Tabellenletzter ist.“

Weiterkommen in der Europa League wäre nur Beiwerk

Unter dieser Voraussetzung wäre das Weiterkommen in der Europa League gegen einen international ambitionierten Klub wie Benfica hübsches Beiwerk. Kompromisslos auf Sieg spielten die Berliner nicht. „Wir wissen, dass die Priorität auf der Bundesliga liegt“, sagte Nicu. Der Abstiegskampf im Kopf bestimmte auch den Auftritt am Donnerstagabend vor der Zweitligakulisse im Olympiastadion: nicht nur wegen der personellen Wechsel, die Trainer Funkel vorgenommen hatte, sondern auch wegen der Herangehensweise an die eigentliche Aufgabe des Tages. „In unserer Lage kann man nicht erwarten, dass wir ein Spitzenteam wie Benfica über zwei Halbzeiten dominieren“, sagte Florian Kringe. Das stimmt. Zur Erinnerung: Es spielte der Letzte der Bundesliga gegen den Ersten aus Portugal. Trotzdem stellte Hertha in der zweiten Halbzeit die auffälligere Mannschaft und hatte am Ende auch die besseren Torchancen. „Wenn wir mutig und diszipliniert spielen, sieht das sogar nach Fußball aus“, sagte Kringe.

Unter anderen Bedingungen wäre das ein netter Erfolg für die darbenden Berliner gewesen. Doch im Europapokal gelten nun mal weder Vergangenheit noch Kontext; es zählt allein das Hier und Jetzt, und das heißt: weiterkommen, egal wie. Dafür hätte Hertha gegen Benfica viel drängender auf Sieg spielen müssen. Im Europapokal kann man sich ein 1:1 zu Hause eben nicht nachträglich schönreden, indem man darauf verweist, dass die Konkurrenz zur gleichen Zeit verloren hat.

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