Hertha BSC : Die Entdeckung von Lissabon

Beim 0:1 gegen Sporting Lissabon lässt Hertha Anzeichen der Besserung erkennen. Das liegt auch am brasilianischen Verteidiger Kaka, der zum ersten Mal seit einem halben Jahr wieder mitspielen durfte.

Sven Goldmann[Lissabon]

Spät in der Nacht von Lissabon sagt Pal Dardai einen schönen Satz. Es geht um Kaka, den Verteidiger in Diensten von Hertha BSC, er hat gerade zum ersten Mal seit einem halben Jahr gespielt, und das ganz ausgezeichnet. Der Ungar Dardai sagt also über den Brasilianer Kaka: "Der ist auch Ausländer, und die Organisation hat trotzdem geklappt." Wie man das wohl interpretieren darf?

Es hat da ja zuletzt ein wenig Verwirrung gegeben um die Sprachkenntnisse der Berliner Abwehrspieler und deren möglichen Einfluss auf die vielen Gegentore der letzten Wochen. Kapitän Arne Friedrich hat diese Diskussion in Gang gebracht. Am Donnerstag verteidigten der Franko-Schweizer Steve von Bergen, der Serbe Nemanja Pejcinovic, der Deutsche Christoph Janker und eben Kaka. An ihnen lag es nicht, dass Hertha mal wieder verlor, dieses Mal 0:1 in der Europa League bei Sporting Lissabon.

Am Sonntag geht es in der Bundesliga gegen den Hamburger SV. Friedrich dürfte nach auskurierter Oberschenkelverletzung wieder fit sein. Der Nationalspieler ist per se für die Startformation gesetzt, und Trainer Karsten Heine ist nicht zu beneiden um die Entscheidung, welchen der beiden Innenverteidiger von Lissabon er am Sonntag auf die Bank setzen soll. Kaka war der beste Berliner, "er hat sich im Training aufgedrängt, an ihm kam man einfach nicht vorbei", sagt Heine. "Aber auch Steve von Bergen hat seine Sache sehr gut gemacht, wir haben ja so gut wie keine Chance zugelassen."

Das war bekanntlich in den vergangenen Wochen eher selten der Fall. Heine hat nun zwei Möglichkeiten. Er kann Kaka als stabilisierendes Element dem zuletzt schwächelnden Friedrich an die Seite stellen. Oder er bleibt bei der in Lissabon erstmals aufgebotenen schweizerisch-brasilianischen Kombination und lässt Friedrich dort spielen, wo er in der Nationalmannschaft stets einen guten Eindruck hinterlassen hat: auf der Position des rechten Verteidigers.

Heine hat nicht viel zu verlieren, kann aber im besten Fall viel gewinnen. Wahrscheinlich wird er sich nach dem Spiel gegen den HSV wieder Herthas zweiter Mannschaft widmen. Sollte er aber mit seinen personellen Rochaden die Mannschaft zu neuem Selbstbewusstsein und zählbaren Erfolgen führen, wäre wohl auch eine Weiterbeschäftigung nicht ausgeschlossen. Anzeichen der Besserung waren in Lissabon nicht zu übersehen. Heine hatte den Mut, die Mannschaft im Vergleich zum 1:5 in Hoffenheim auf gleich sechs Positionen zu verändern - auch, aber nicht nur wegen äußerer Zwänge. "Es ging darum, einen Impuls zu setzen, der Mannschaft ein Zeichen zu geben", sagt der Trainer, der offenbar schnell einen Zugang zur Mannschaft gefunden hat.

Auch davon erzählt Pal Dardai in der Nacht von Lissabon, nachdem die Sache mit den ausländischen Verteidigern geklärt war: "Vor dem Spiel hat uns der Trainer einen Film gezeigt, mit Denzel Washington, es ging um eine Footballmannschaft, um schwarze und weiße Spieler, die gemeinsam Erfolg hatten, weil sie sich im entscheidenden Moment zusammengerauft haben." Was Dardai nicht sagt, aber wahrscheinlich denkt: Wäre doch schön, wenn es im wirklichen Fußballleben auch so einfach wäre.

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