Hertha BSC : Ein bisschen Aufstieg

Hertha hält sich wacker auf dem Weg zurück in die Bundesliga, aber es gibt auch Probleme. Eine Bilanz der Hinrunde in der Zweiten Liga.

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Hört, hört. Herthas Pierre-Michel Lasogga hat in der Hinserie drei Tore erzielt.
Hört, hört. Herthas Pierre-Michel Lasogga hat in der Hinserie drei Tore erzielt.Foto: dapd

Irgendwann im Oktober, so zwischen dem sechsten oder siebenten Spieltag, fragten einige Zeitungen Berlins, ob Hertha BSC womöglich ohne Niederlage durch die Saison komme. Tatsächlich blieb der Fußball-Zweitligist bis in den November hinein, bis zum 11. Spieltag, ungeschlagen und führte bei acht Siegen und zwei Unentschieden mit komfortablem Abstand das Klassement im Unterhaus an. Dann gab es in Paderborn die erste Niederlage. Es war der Beginn einer krisenhaften Phase mit drei weiteren Niederlagen, ehe Aue geschlagen wurde und Hertha nach dem 1:1 beim FC Augsburg hinter diesem auf Platz zwei die Hinserie abschloss.

So unnütz die Frage aus dem Oktober gewesen sein mag, Hertha fühlte sich samt Anhang geschmeichelt. Inzwischen hat sich auch bei den Berlinern die Erkenntnis durchgesetzt, dass es für sie in der Zweiten Liga nicht viel zu gewinnen gibt, dafür aber umso mehr zu verlieren.

Daran denken mag freilich niemand bei Hertha. Zu ernst würde es um den wirtschaftlich schwer angeschlagenen Klub stehen. Im Sommer waren erhebliche bis heikle finanzielle Verrenkungen nötig, um den Fußballbetrieb unter Beibehaltung von Erstligabedingungen zu gewährleisten. Hertha nannte den Abstieg einen Betriebsunfall, den es so schnell als möglich wieder zu beheben galt. Der Absteiger ging mit der teuersten Mannschaft und dem üppigsten Etat in die Zweitligasaison. Es war allen klar, dass das der Klub nur genau dieses eine Mal hinbekommen würde, dass die Mannschaft tunlichst den Aufstieg zu schaffen hat.

Die Chancen darauf stehen gut, auch wenn mittlerweile auch der Letzte erkannt haben dürfte, dass Hertha eben keine Übermannschaft ist. Vielleicht ist auch nur ein bisschen zu laut, zu oft und viel zu lange über die Qualität des Kaders schwadroniert worden. Was manchen womöglich den Blick etwas verstellt hatte. Aufsteigen wird am Ende nur derjenige, der eine entsprechende Mentalität im Kader hat. Im Prinzip sucht Hertha eine solche noch heute.

Zudem hat sich in einigen Hinrundenspielen gezeigt, dass es mit der Qualität des Personals nicht so bestellt ist wie angenommen. Sicher, die Berliner haben ein paar Spieler in ihren Reihen, die über ein für die Zweite Liga ungewöhnliches Potenzial verfügen, doch es ist nur eine Handvoll. Die Probleme fangen im Tor an, sie ziehen sich durch alle Mannschaftsteile bis in den Sturm hinein. Der Absteiger aus Berlin hat deutlich weniger Tore geschossen als Augsburg oder Cottbus. Nämlich nur 25 – und damit nur genauso viele wie etwa Fürth, Frankfurt, Aachen und Osnabrück.

Wenn Trainer Markus Babbel den Kader nach Weihnachten wieder auf den Übungsplatz bittet, muss es vorbei sein mit der Selbstgefälligkeit, die sich bisweilen durch das Denken und Handeln mancher Protagonisten zog. Es geht um den Aufstieg, was schwer genug ist. Die Chancen darauf sind vorhanden. Nur was soll eigentlich passieren, sollte Hertha im Sommer tatsächlich wieder in der Bundesliga spielen? Vereinsinterne Kritiker bezweifeln, dass die vorhandene Qualität für die Bundesliga reicht. Wenn schon erstligaerprobte Stammspieler wie Kobiaschwili, Ramos, Raffael, Lell oder Friend erheblichen Schwankungen unterlegen sind, wird es noch schwieriger. Vor allem in der Defensive und im Sturm muss nachgebessert werden. Hier ist das Personal weder von der fußballerischen Klasse noch von der Altersstruktur her erstligareif. Besonders im Sturm hat Hertha eine Hinrunde lang keine Idealbesetzung gefunden.

Im Tor könnte schon etwas in der kurzen Winterpause passieren. Sollte bei Maikel Aerts doch noch eine Operation nötig werden, wird Hertha auf dem Transfermarkt aktiv. Die Alternativen zu Aerts, Marco Sejna und Sascha Burchert, sind entweder zu alt oder zu jung. Die geringsten Probleme gibt es im Mittelfeld. Das ist der qualitativ und quantitativ beste Mannschaftsteil. Raffael und Ramos konnten ihre Klasse immer mal wieder andeuten, der Bremer Leihspieler Niemeyer erwies sich als echte Verstärkung, und Rückkehrer Lustenberger kann zu Herthas Mann der Rückrunde werden.

Alle anderen müssen sich deutlich steigern.

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