Sport : Hertha BSC: Ein Hattrick und drei Tore

Klaus Rocca

Es ist noch nicht so lange her, da meinten viele, Bart Goor sei ein Fehleinkauf, mit 12,5 Millionen Mark ein teurer dazu. Spätestens seit gestern denkt das niemand mehr. Es war der Abend des Bart Goor. Mit seinen vier Toren bescherte er sich selbst ein einmaliges Erlebnis, Berlins Fußballanhängern einen denkwürdigen Tag und dem Hamburger SV traumatische 90 Minuten. Mit dem 4:0 im Hinspiel hatten die Hamburger für den Saison-Tiefpunkt des Berliner Fußball-Bundesligisten gesorgt und den damaligen Trainer Jürgen Röber fast schon zum Rücktritt veranlasst. Gestern gelang den Herthanern eine Revanche, wie sie eindrucksvoller kaum hätte sein können. Dieses 6:0 (2:0) ist Herthas höchster Saisonsieg, nach dem 9:1 vor fast 32 Jahren gegen Borussia Dortmund der höchste der Vereinsgeschichte. Ein Sieg, bei dem Hertha zudem nach dem 5:1 gegen Kaiserslautern viel für das Torverhältnis tat. Das könnte noch wichtig werden.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Kaum zu glauben, dass dieser HSV nach Schalke das zweitbeste Team der Rückrunde war. Der HSV von gestern, das war ein Torso, eine hilf- und ideenlose Truppe, harmlos im Angriff, konfus in der Abwehr. Trainer Kurt Jara suchte nach dem Abpfiff ähnlich hilflos nach Worten. Man habe "alles falsch gemacht, was falsch zu machen war", das, was seine Mannschaft geboten habe, "hat mit Bundesliga-Fußball nichts zu tun".

Was gab es da noch für Chancen beim Dauer-Sturmlauf der Gastgeber nach 30 eher mittelmäßigen Minuten. Goor traf einmal mit einem fantastischen Schuss (Trainer Falko Götz: "Der schönste des ganzen Spiels") nur das Lattenkreuz, einmal nur den Pfosten., wie zuvor auch Thorben Marx. Und Alex Alves vergab noch die eine oder andere Großchance. "Es reichte uns auch so", bekannte ein sichtlich bedienter Jara.

Die 36 200 Zuschauer im Olympiastadion waren selig. Nicht nur wegen der hohen Zahl der Tore. Die allerdings waren sehenswert. Besonders jenes zum 4:0, das Goor mit einem herrlichen Volleyschuss erzielte, aber auch das zweite nach einer brillanten Einzelleistung und gekonntem Schuss unter die Latte. Am Ende durfte er sich gar noch über einen Hattrick freuen. Grund zur Freude hatte auch Michael Preetz, der den Torreigen eröffnete. Es war sein 75. Bundesliga-Treffer, sein zehnter in dieser Saison. Lange Zeit hat er nicht getroffen, jetzt klappt es wieder blendend. Und die Entscheidung, ob er am Saisonende aufhören soll, dürfte ihm wieder schwerer fallen.

Erfolgreicher als Preetz ist nur Marcelinho. Gestern machte er das Dutzend voll. Was er danach vorführte, war kaum weniger eindrucksvoll.. Marcelinho entledigte sich seines Trikots und bot nahe der Trainerbank eine bislang ungesehene Variante des Capoeiro, des brasilianischen Tanzes. Falko Götz war sichtlich angetan. Und mit ihm die Zuschauer, sofern sie nicht zum bedauernswerten Fanblock des HSV gehörten.

Götz war ohnehin angetan. "Sensationell schönen Fußball" hatte er gesehen. Von 15 möglichen Punkten hat der Röber-Nachfolger mit Hertha 13 geholt, nur gegen Köln gab es keinen Dreier. Erneut kam die Frage, ob er sich am Ende der Saison wirklich wieder dem Amateur- und Jugendtraining widmen wolle. Götz wich aus. Wenn die Zeit reif sei, "werde ich mich entscheiden". Gestern machte Götz wieder alles richtig. Nach den Ausfällen von Marko Rehmer und Michael Hartmann bot er erstmals mit Lapaczinski, van Burik und Simunic eine Dreier-Abwehrkette auf. Die machte ihre Arbeit gegen das schwache Sturmduo Romeo/Präger fast fehlerlos. Mittelfeld und Angriff spielten wie aus einem Guss, torgefährlich waren nicht nur die Stürmer. Und am Ende durfte gar noch Kostas Konstantinidis nach über viermonatiger Verletzungspause auflaufen.

Der Grieche nahm also noch ein wenig aktiv an diesem denkwürdigen Fußballabend teil. Einem Abend mit ungewöhnlich vielen Toren und einem ungewöhnlich einseitigen Eckenverhältnis von 11:2, einer groß aufspielenden Hertha und einem HSV, der so wie am Saisonanfang spielte: wie ein Absteiger. Dass der HSVer Benjamin kurz vor dem Abpfiff auch noch die Gelb-Rote Karte sah, war nur noch Nebensache.

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