Hertha BSC : Ein Tor nach der Tristesse

Hertha gewinnt ein schwaches Spiel gegen Bielefeld durch einen Treffer von Raffael in der Nachspielzeit. Das Ergebnis war dann auch das Beste, was sich über die Partie sagen ließ.

Stefan Hermanns
Thorben Marx
Herthas Gojko Kacar (r.) gegen den Ex-Berliner Thorben Marx. -Foto: ddp

Berlin - Es liefen die letzten Sekunden im Berliner Olympiastadion, als es noch einmal einen Einwurf für Hertha BSC gab. Viele Zuschauer hatten sich nach einem tristen Fußballnachmittag schon vom Spielfeld abgewandt – sie sollten den Moment des Spiels verpassen. Die Abwehr von Arminia Bielefeld vermochte es nicht, den Ball ein letztes Mal aus dem Strafraum zu köpfen. Er fiel dem brasilianischem Stürmer Raffael vor die Füße, der ihn ins Tor drückte. Zum glücklichen 1:0(0:0)-Sieg für die Berliner. Erzielt in der zweiten Minute der Nachspielzeit. Die 32031 Zuschauer – der schlechteste Besuch der Saison – waren mit dem Spiel versöhnt. Zumindest für diesen Moment.

Herthas Trainer Lucien Favre, der in der Hinrunde vergeblich nach einer festen Besetzung gefahndet hatte, bot diesmal dieselbe Elf auf, die vor einer Woche beim Deutschen Meister Stuttgart 3:1 gewonnen hatte. Doch es war ein anderes Spiel unter anderen Bedingungen. Gegen Bielefeld und vor eigenem Publikum hätten die Berliner gestaltend tätig werden müssen. Dass ihnen dies nicht liegt, zeigte sich gestern wieder mal. Gegen die defensiv höchst disziplinierten, im Spiel nach vorne aber limitierten Bielefelder fehlte Hertha eine tragende Idee.

Die erste Möglichkeit gebar der Zufall. Nach einem Querschläger des Bielefelder Linksverteidigers Markus Schuler kam Patrick Ebert im Strafraum zum Schuss, Herthas Mittelfeldspieler trat jedoch über den Ball. Wenigstens halbwegs herausgespielt war die nächste Chance der Berliner. Nach einem langen Ball von Sofian Chahed verschätzte sich Petr Gabriel, Marko Pantelic, Herthas bester Torschütze, kam zum Schuss, verfehlte aber recht deutlich das Ziel. Die Bielefelder, die zuvor alle Pflichtspiele des Jahres 2008 verloren hatten, machten es nicht besser. Nach einer halben Stunde traf Schuler die Latte des Berliner Tores – mit einer verunglückten Flanke.

Wenn Arminias Stürmer Artur Wichniarek in dieser Woche in einem Interview nicht gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber Hertha BSC und dessen Manager Dieter Hoeneß gewettert hätte, wäre der Begegnung jegliches Erregungspotenzial abgegangen. So konnten die Berliner Fans wenigstens noch bei jedem Ballkontakt des Polen entschlossen pfeifen – genauso wie bei allen anderen Bielefeldern, die Wichniarek auch nur annähernd ähnlich sehen. Der frühere Berliner hatte für das Spiel bei seinem früheren Klub große Pläne, verwirklichen konnte er sie nicht. Wichniarek spielte so, wie er auch in seiner Zeit bei Hertha meistens gespielt hatte.

Aus der Halbzeitpause kamen die Berliner mit mehr Schwung, allerdings schafften sie es nie, die Arminia dauerhaft unter Druck zu setzen. Der spielerische Mangel blieb offenkundig, daran änderte auch Raffael nichts. Der Brasilianer fing stark an, behauptete gut den Ball, verschwand dann aber im kreativen Nichts. Immerhin hatte er nach einer Stunde die beste Chance für Hertha. Von Chahed mit einem Pass in die Schnittstelle der Viererkette perfekt frei gespielt, scheiterte er mit seinem Schuss an Bielefelds Torhüter Mathias Hain.

Hertha dominierte die zweite Hälfte, verpasste es aber, den mit dem Sieg in Stuttgart eingeleiteten spielerischen Aufwärtstrend zu verstetigen. Immerhin konnten die Berliner mit dem glücklichen Sieg den Abstand zur Abstiegszone ausbauen.

Das Ergebnis war am Ende das Beste, was sich über den Nachmittag im Olympiastadion sagen ließ. Erst in der zweiten Minute der Nachspielzeit fiel der Treffer, den der Zufall möglich machte. Und die Bielefelder Abwehr.

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