Hertha BSC : Ein Traum: Paderborn kommt

Hertha BSC möchte nichts unversucht lassen, um das Olympiastadion beim kommenden Heimspiel gegen den SC Paderborn 07 am Sonntag voll zu bekommen.

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Ausverkauft. Hertha kontra Union – das wollten im Februar 74 200 Leute im Olympiastadion sehen. Jetzt kommt Paderborn.
Ausverkauft. Hertha kontra Union – das wollten im Februar 74 200 Leute im Olympiastadion sehen. Jetzt kommt Paderborn.Foto: dapd

Seit Wochen nun schon bastelt Hertha BSC an einem Projekt, das sich „Gemeinsam für eine Traumkulisse“ nennt. Für das kommende Heimspiel gegen den SC Paderborn 07 am kommenden Sonntag will der Berliner Fußball-Zweitligist Bemerkenswertes auf die Beine stellen – ein möglichst ausverkauftes Olympiastadion. Herthas Sponsoren und Partner unterstützen die Kampagne großzügig: So ist es möglich, zwei Eintrittskarten zum Preis von zehn Euro zu bekommen. Ein überzeugendes Argument. Bisher sind 63 000 Karten abgesetzt. Ingo Schiller, Herthas Finanzgeschäftsführer hofft sogar auf 70 000.

Selbst die Paderborner träumen von einer Atmosphäre in Deutschlands zweitgrößtem Stadion, wie sie sonst nur beim Pokalfinale in Berlin herrscht. Unter dem Motto: „Paderborn erobert die Hauptstadt“, versucht der SCP möglichst viele Menschen aus ihrem Einzugsgebiet für eine Reise in die Hauptstadt zu mobilisieren. Herthas Partner Air Berlin bietet günstige Flüge vom Flughafen Paderborn-Lippstadt an.

Hinter der Aktion Traumkulisse verbirgt sich – offiziell – ein Wunsch Markus Babbels. Herthas Trainer hatte im Mai 2010 in seiner Antrittsrede den Wunsch geäußert, das Olympiastadion auch gegen nicht so prominente Gegner vollzu- bekommen. Was wegen der stattlichen Kapazität des Stadions (74 200 Plätze) ein ambitioniertes Unterfangen darstellt, zumal das Kunststück Hertha selbst als Bundesligist selten genug gelungen ist. Doch als Zweitligist hat Hertha kaum Interesseneinbußen hinzunehmen. Der aktuelle Zuschauerschnitt ist ungewöhnlich hoch für Zweitligaverhältnisse. Er liegt in etwa auf Herthas Bundesliganiveau bei gut 42 000. Von den bislang 13 Heimspielen der laufenden Saison war das Derby gegen den Lokalrivalen 1. FC Union im Februar ausverkauft.

Inoffizieller Beweggrund der ungewöhnlichen Aktion gegen Paderborn ist ein altes Anliegen Herthas, endlich mehr Menschen in der Stadt für den Klub zu mobilisieren. Mehr Zuschauer bedeuten ein Mehr an Einnahmen, und davon kann der notorisch klamme Klub reichlich gebrauchen. „Bei dieser Aktion steht nicht das Finanzielle im Vordergrund“, sagt Schiller. Es gehe um das Gemeinschaftserlebnis, ein Symbol dieser Saison, die möglichst in den Aufstieg münden soll: Die Stadt und die Partner Herthas begleiten den Weg der Mannschaft zurück in die Bundesliga. Nun also eine Traumkulisse gegen Paderborn.

Solche Träume haben bei Hertha BSC eine gewisse Tradition. Mit gemischten Erfolg, wie das plakativste Beispiel zeigt. Da der Zuschauerboom selbst nach der Sanierung des Olympiastadions im Jahre 2004 ausblieb, griff Hertha im April 2005 zum Mittel der optischen Täuschung. Während das riesige Rund bei den meisten Heimspielen trotz einer sportlich erfolgreichen Spielzeit oft zur Hälfte leer blieb, wollte der damalige Manager Dieter Hoeneß das Heimspiel gegen Wolfsburg am 7. Mai 2005 ausverkauft sehen, mindestens aber 60 000 Zuschauer begrüßen. Für Hertha ging es als Tabellenfünfter damals um die Champions League. Da Wolfsburg fremde Stadien leerspielte, nahm Hertha sich das bekannte Logo des FC Bayern her, und ersetzte den Vereinsnamen des Rekordmeisters einfach durch den Schriftzug „VfL Wolfsburg“. 2000 Plakate waren in Berlin angebracht worden. Eine „provokante Emblementfremdung“, wie Schiller es rückblickend nennt. „Wir wollten doch mal sehen, ob wir aus einem Wolfsburgspiel nicht ein Bayernspiel machen konnten.“ 58 000 Zuschauer fanden sich tatsächlich ein, das Minimalziel aber wurde verfehlt.

Hertha gewann damals das Spiel des 32. Spieltags. Leider folgte einem 0:0 in Mönchengladbach ein ebenso torloses Unentschieden zum Saisonabschluss im entscheidenden Heimspiel gegen Hannover 96, womit die Berliner die Teilnahme an der Champions-League-Qualifikation verspielten. Allerdings war das Olympiastadion ausverkauft, ganz ohne Reklame.

Jahrelang litt Hertha BSC als Bundesligist darunter, dass viele Zuschauer wegen des Gegners ins Stadion kamen, respektive nicht, wenn der Gegner nicht attraktiv war. Diesen Trend konnte Hertha als Zweitligist umdrehen.

Jetzt geht man wegen Hertha ins Stadion, vielleicht auch, weil es nie günstiger war. Oder will jemand behaupten, wegen Paderborn zu kommen?

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