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Hertha BSC - Eintracht Frankfurt 0:0 : Ein Restrisiko bleibt für die Hertha

Hertha BSC verpasst beim ereignislosen 0:0 gegen Eintracht Frankfurt die endgültige Rettung, hat aber eine gute Ausgangsposition für den letzten Spieltag - auch wenn noch mal gezittert werden muss.

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Zähe Angelegenheit: Herthas Plattenhardt (l.) und Stocker (r.) im Zweikampf mit Frankfurts Zambrano.
Zähe Angelegenheit: Herthas Plattenhardt (l.) und Stocker (r.) im Zweikampf mit Frankfurts Zambrano.Foto: dpa

Wenn ein Fußballspiel mit einem 0:0 zu Ende gegangen ist, können die beiden Torhüter nicht allzu viel falsch gemacht haben. Thomas Kraft, der Torhüter von Hertha BSC, hatte jedenfalls ein reines Gewissen, als er nach dem 0:0 gegen Eintracht Frankfurt, vom Platz kam. Mit raschen Schritten durchquerte er die sogenannte Mixed-Zone, er kochte innerlich, und schon deshalb stand ihm nicht der Sinn nach ausschweifenden Erklärungen, warum seine Mannschaft gegen die erschreckend schwachen Frankfurter die Chance zum vorzeitigen Klassenerhalt leichtfertig vergeben hatte. „Fragt unsere blinden Stürmer!“, sagte er nur.

Als Schiedsrichter Florian Meyer das Spiel ein paar Minuten vorher beendet hatte, war es seltsam still im Olympiastadion geworden. Ein paar Pfiffe ertönten, vor allem aber waren auf den Gesichtern der Hertha-Fans unter den 60.168 Zuschauern große Fragezeichen zu sehen. Reicht das Unentschieden? Oder müssen wir am letzten Spieltag noch zittern? Auf der sicheren Seite ist Hertha noch nicht, im schlimmsten Fall droht die Relegation – und selbst dazu müsste einiges zusammenkommen. Nur wenn Stuttgart am letzten Spieltag in Paderborn gewinnt, Hannover und Freiburg gegeneinander unentschieden spielen und Hertha (ohne den gelbgesperrten Innenverteidiger John Anthony Brooks) mit zwei Toren Unterschied in Hoffenheim verliert, stürzen die Berliner noch auf Platz 16; der direkte Abstieg ist hingegen praktisch ausgeschlossen. Dafür müsste auch der HSV nicht nur drei Punkte, sondern auch zwölf Tore auf Hertha aufholen.

"Für unsere Verhältnisse genug Torchancen"

Gegen Frankfurt versuchte es Trainer Pal Dardai mit derselben Elf wie eine Woche zuvor in Dortmund – also erneut mit Salomon Kalou im Sturm. Der Ivorer wirkte diesmal deutlich engagierter. Mitte der ersten Hälfte hatte er die erste Chance des Spiels. Kalou ließ Carlos Zambrano und Makoto Hasebe stehen, seinen Schuss aber wehrte Verteidiger Alexander Madlung fünf Meter vor dem Tor noch mit dem Fuß ab. Kurz vor der Pause verfehlte Kalou mit einem Schuss knapp das Tor.

„Für unsere Verhältnisse haben wir genug Torchancen gehabt“, sagte Trainer Dardai. Das heißt allerdings nicht zwingend, dass es übermäßig viele waren. Anfangs taten sich die Berliner im Offensivspiel gewohnt schwer; zu ihren bekannten Schwächen in dieser Disziplin kam diesmal noch die besondere Nervosität hinzu. Herthas Spieler stürzten sich zwar mit großem Eifer in die Zweikämpfe, manchmal wirkten sie dabei jedoch ein bisschen übermotiviert und zum Teil auch etwas kopflos.

Dardai kritisiert Kalou

Immerhin reichte es, um die harmlose Eintracht jederzeit unter Kontrolle zu halten. Ein Freistoß von Marc Stendera rauschte knapp übers Tor, mehr kam von den Frankfurtern im gesamten Spiel nicht. Die meiste Gefahr ging von ihren Fans aus, die zu Beginn der zweiten Hälfte ein stattliches Arsenal an Pyrotechnik abfackelten. Die Spieler verließen noch einmal den Platz, weil es für ein paar Minuten aussah wie bei Herthas Nebelspiel gegen den FC Barcelona 1999 in der Champions League. Aber von solchen Sphären ist Hertha im Jahr 2015 weit entfernt. „Nie mehr Zweite Liga!“, riefen die Fans in der Ostkurve.

Bei den Zwischenständen zur Pause war Hertha in der Tat praktisch gerettet, und kurz nach Wiederanpfiff hätten sich Berliner die ganze Rechnerei endgültig schenken können. Aleksandar Ignjovski vertändelte vor dem eigenen Strafraum den Ball, Kalou lief allein aufs Frankfurter Tor zu, versuchte es mit einem Heber, und spielte den Ball genau in den Fangarm von Torhüter Kevin Trapp. Solche Aktionen waren es, auf die Thomas Kraft bei seinem Abgang angespielt hatte. „Das finde ich nicht in Ordnung“, sagte Trainer Dardai – und meinte die läppische Ausführung Kalous. „Er muss mal in den Spiegel schauen und sich fragen, ob die Selbsteinschätzung normal ist oder nicht.“

So blieb es spannend bis zum Schluss, weil sich mit jedem Fehler alles komplett hätte ändern können. Zehn Minuten vor dem Ende hatte Genki Haraguchi die große Chance, die Nerven endgültig zu beruhigen. Der Japaner war von Kalou perfekt freigespielt worden, traf allerdings nur das Außennetz. Wer solche Chancen derart leichtfertig vergibt, sollte sich in der Tat ernste Sorgen machen. Das einzig Gute ist: Nächste Woche muss Hertha nicht zwingend treffen – wenn Thomas Kraft hinten wieder zu null spielt.


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