Hertha BSC : Erstes Tor der zweiten Wahl

Der Brasilianer André Lima muss Marko Pantelic als Stürmer ersetzen und schießt Hertha im Schnee zum 1:0 gegen Hannover 96.

Stefan Hermanns
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Hertha setzt sich gegen Hannover durch. -Foto: dpa

BerlinAuch in einem langweiligen Spiel kann es eine schöne Geschichte geben. Der Hauptdarsteller heißt André Lima, kommt aus Brasilien und ist 22 Jahre alt. Bei seinem neuen Verein Hertha BSC hatte der Stürmer in seinen sechs Bundesligaeinsätzen bislang nicht gerade geglänzt und vor allem nicht getroffen. Und nun im siebten Spiel dies: Gegen Hannover 96 erzielte er das Siegtor zum 1:0.

Über André Lima gibt es jetzt viel zu erzählen, zumal sein Treffer der einzige Höhepunkt in diesem Spiel vor offiziell 34 213 Zuschauern im Berliner Olympiastadion war. Immerhin dürfen mildernde Umstände geltend gemacht werden. Denn beide Mannschaften wurden kurz vor dem Spiel vom plötzlichen Wintereinbruch überrascht. Dagegen war schwer anzuspielen. Weil die Rasenheizung erst zwanzig Minuten vor Anpfiff angeschaltet wurde, lag anfangs noch so viel Schnee auf dem Feld, dass der Ball nur bei perfekter Behandlung nicht versprang.

Pantelic: Aus nach 35 Minuten

Herthas erste Chance in der vierten Minute blieb auch die einzige in der ersten Halbzeit. Deshalb in aller Ausführlichkeit: Gilberto nimmt aus knapp zwanzig Metern Maß, Torwart Robert Enke lässt den Ball abklatschen, der Ball findet den Weg zu Marko Pantelic, der steht mit dem Rücken zum Tor und schießt aus der Drehung, Michael Tarnat fälscht ab und Enke bekommt den Ball doch noch zu fassen.

Es folgten in der ersten Halbzeit nur noch ein paar Berliner Schussversuche, die ihr Ziel weit verfehlten. Doch das sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Berliner sich trotz des Wetters gut anstellten. Auch mit nur einem Stürmer – eben Pantelic – traten sie so auf, wie es von einer Mannschaft mit Heimvorteil erwartet wird. Sie hatten das Spiel unter Kontrolle, vor allem Gilberto fand viel Gefallen an der Begegnung mit Hannover. Er ging in der Rolle als offensiver Mittelfeldspieler direkt hinter Pantelic förmlich auf. Es wurde für die Berliner allerdings dadurch nicht leichter, dass Pantelic nach einer guten halben Stunde nicht mehr weiterspielen konnte. Er hatte sich die linke Wade gezerrt. Ins Spiel kam für ihn André Lima, und er fügte sich zunächst so ein, wie es jemand tut, der allenfalls zweite Wahl ist. Sein großer Moment sollte später kommen.

Hanke trifft weiter nicht

Die Hannoveraner hatten in der ersten Halbzeit nur einige Konter beizutragen, auf die sie immer wieder lauerten. Und dabei schienen sie auf ihre Tarnung zu vertrauen: In ihren grauweißen Trikots und Hosen wirkten sie schließlich auf dem verschneiten Rasen wie Schneehasen. Auffälliger wurden sie erst zu Beginn der zweiten Halbzeit mit einigen guten Torgelegenheiten aus der Nähe und der Ferne.

Überhaupt schienen sich die Hannoveraner die Berliner zum Vorbild genommen haben. Auf einmal beanspruchten sie viel Platz in Herthas Hälfte. Erst gegen Ende konnten sich die Berliner aus dieser Situation wieder etwas befreien. Etwa mit dem klassischen Mittel, lange Flanken von außen hereinzubringen. Bei einer davon reagierte der André Lima einen Hauch zu früh. Er traf zwar für Hertha ins Tor, hatte aber zuvor im Abseits gestanden. Doch er bekam noch eine Chance.

Auch als ihn kurz darauf Malik Fathi von der anderen Seite des Feld, der linken, bediente, schien er knapp im Abseits zu stehen. Doch zweimal knapp daneben ist offensichtlich einmal drin. Limas Treffer wurde anerkannt. Seine hübsche Geschichte hätte beinahe noch Herthas Torwart Drobny zunichte gemacht, als er den Ball kurz vor Abpfiff Hannovers Mike Hanke vor die Füße boxte. Doch der nahm diese Vorlage nicht an und änderte nicht mehr das Drehbuch dieses Spiels mit Herthas Hauptdarsteller André Lima.

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